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Duderstadt Lydia Ballhausen als Vorbild gewürdigt
Die Region Duderstadt Lydia Ballhausen als Vorbild gewürdigt
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16:06 06.09.2019
Die Mitarbeiter des Lorenz-Werthmann-Hauses schenken Lydia Ballhausen eine Un-Ruhebank für den Ruhestand. Quelle: Eichner-Ramm
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Duderstadt

Normalerweise stellt sie ihre Mitmenschen in den Mittelpunkt. Am Donnerstag indes hat Lydia Ballhausen selbst die Hauptrolle gespielt. Der Caritasverband Südniedersachsen hat im Pfarrheim von St. Cyriakus in Duderstadt seine langjährige Mitarbeiterin und Leiterin des Lorenz-Werthmann-Hauses in Duderstadt in den Ruhestand verabschiedet. Nach den vielen lobenden Grußworten war selbst dem letzten Gast im Saal klar: Sie wird eine Lücke hinterlassen.

Zur Abschiedsfeier der waren nicht nur ihre Weggefährten von der Caritas-Sozialstation und dem Lorenz-Werthmann-Haus gekommen. Auch die Familie der 63-Jährigen hörte, was über ihre Frau, Mutter oder Schwester gesagt wurde. Im geistlichen Impuls durch Domkapitular i.R. Wolfgang Damm und den Bruder von Lydia Ballhausen, den Theologen Martin Lörsch, ging es um Grenzerfahrungen, die Liebe als Leitmotiv und Gesichter der Kirche als Vorbilder.

1980 sei seine Schwester Lydia von ihrer damaligen Arbeitsstelle bei der Caritas in Trier in die damals an der innerdeutschen Grenze gelegene Stadt Duderstadt gezogen. Doch nicht nur ihre neue Heimat, auch bei der Arbeit der Caritas habe sie es oft mit Krankheit oder Tod, Grenzerfahrungen, zu tun gehabt. In der Frage, wohin die Reise der Kirche gehe, sagte Lörsch überzeugt: „es wird eine diakonische Kirche sein, oder sie wird keine mehr sein.“

Leitmotiv Liebe

Seine Schwester Lydia habe bei ihrer Arbeit in der Sozialstation Liebe in die Häuser der Menschen gebracht, ging der Theologe auf das Leitmotiv Liebe – Nächstenliebe und der Liebe Gottes – ein. Und schließlich sagte er, dass Kirche Vorbilder benötige. In ihrer Familie hätten die Eltern ihre Kindern mit auf den Weg gegeben, „dass man da zu sein hat, wenn jemand Hilfe braucht“. Für Lydia Ballhausen sei Mutter Theresa ein prägendes Vorbild gewesen. Lörsch schloss mit der Hoffnung, dass seine Schwester viel von dem Virus der Nächstenliebe weiter getragen habe.

Ehrentitel „Pastorin Lydia

Propst Bernd Galluschke und Vorsitzender des Caritas-Rates würdigte das Organisationstalent der „Pastorin und Hirtin Lydia“. Wie ein Hirte wisse sie genau um den Stallgeruch der Menschen und wo sie der Schuh drücke. Sie gebe Orientierung indem sie die Herde anführe und begleite diejenigen, die zurückzubleiben drohen, indem sie der Herde nachfolge. Galluschke verlieh der 63-Jährigen den Ehrentitel „Pastorin Lydia“ als „modernes Zeichen im klassisch geprägten Eichsfeld. Lydia Ballhausen sei eine Frau, die das Priesteramt lebe, wie die Kirche in Zukunft sein könne – „effektiv, emotional und gut aufgestellt“.

Verabschiedung von Lydia Ballhausen in den Ruhestand. Quelle: Eichner-Ramm

„Eine erfüllende, sympathische Arbeit ist die Grundlage für ein erfülltes Leben“, sagte Ralf Regenhardt, Vorstand des Caritasverbands Südniedersachsen, seit 1980 Arbeitgeber von Lydia Ballhausen. Er zählte einige berufliche Stationen Ballhausens auf, darunter die Leitung des Lorenz-Werthmann-Hauses. Das Seniorenbegegnungszentrum mit ambulanten betreuten Wohngemeinschaften feierte gerade erst sein zehnjähriges Bestehen.

Das Lorenz-Werthmann-Haus

Zehn Jahre Lorenz-Werthmann-Haus

Der Theologe und Priester Lorenz Werthmann (1858 bis 1921) gründete den Deutschen Caritasverband. Am 9. November 1897 hatte der damals 39-Jährige auf dem zweiten Caritastag in Köln zur Gründung des Verbandes aufgerufen und wendete damit die drohende Zersplitterung der sozialen Hilfsangebote auf katholischer Seite ab. 23 Jahre leitete Werthmann den „Charitasverband für das katholische Deutschland“.

Seinen Namen trägt das Lorenz-Werthmann-Haus an der Scharrenstraße 9 in Duderstadt. Vor kurzem erst ist hier das zehnjährige Bestehen der Einrichtung gefeiert worden. Es handelt sich um eine Bebegnungs- und Betreuungsstätte für Senioren in der Innenstadt. Die Ehrenamtlichen des Hauses bieten regelmäßige Workshops, Veranstaltungen und Exkursionen. In einem Servicebüro gibt es Informationen zur Lebens- und Alltagsbewältigung im Altern. außerdem gibt es zwei ambulant betreute Wohngemeinschaften für pflegebedürftige Senioren.

Lydia Ballhausen hat die Leitung des Lorenz-Werthmann-Hauses in Duderstadt 2015 übernommen. Sie habe sich für ein Miteinander von Haupt- und Ehrenamtlichen eingesetzt und eine Reihe von Angeboten auf den Weg gebracht. Unter anderem sei ihr das Projekt „Urlaub ohne Koffer“ eine Herzensangelegenheit gewesen, sagte Ralf Regenhardt vom Caritas-Vorstand in seiner Laudatio zur Verabschiedung von Lydia Ballhausen in den Ruhestand.

„Ein großartiger Mensch“

Für ihre Tätigkeit habe Ballhausen leidenschaftlich gebrannt, fasste Regenhardt zusammen. Er sprach der in Ruhestand gehenden Mitarbeiterin Eigenschaften wie zum Beispiel Herzenswärme und Taktgefühl, eine hohe fachliche Kompetenz und Empathie zu. Ballhausen sei gefragte Ratgeberin und Zuhörerin sowie „ein großartiger Mensch“, der „immer wieder Herzen geöffnet“ und Orientierung, Rat und Hilfe gegeben habe.

Weitere postitive Äußerungen über Ballhausen gab es außerdem vom Duderstädter Bürgermeister Wolfgang Nolte, der ihr für ihren „aufopferungsvollen Dienst“ dankte. Mitarbeitervertreter Lars Wortmann hob Ballhausens Ehrlichkeit und Gerechtigkeitssinn hervor. Die Caritas-Kollegen bedankten sich bei der 63-Jährigen mit einer Un-Ruhebank.

„Wichtig, alten Menschen eine Stimme zu geben“

Lydia Ballhausen selbst blickte auf ihren Berufsalltag zurück und sagte, „mir war es immer wichtig, auch den alten Menschen eine Stimme zu geben“. Sie dankte allen, die sie geführt, unterstützt und zugearbeitet haben. In Zeiten von Anonymität und Datenschutz bleibe in der Pflege heute oftmals zu wenig Zeit, den Menschen auch mal in die Augen zu schauen „und sich vom Schicksal des anderen anrühren zu lassen“. Sie bedauerte, dass sie nicht politischer gewesen sei und das stärker eingefordert habe.

Die Autorin erreichen Sie per E-Mail an b.eichner-ramm@eichsfelder-tageblatt.de oder unter Telefon 05527/9499712.

Von Britta Eichner-Ramm

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