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Duderstadt Christian Hirte besucht Ottobock in Duderstadt
Die Region Duderstadt Christian Hirte besucht Ottobock in Duderstadt
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14:14 13.08.2019
Genau hingeschaut: Azubi Conrad Schimek (l.) mit Christian Hirte (r.) und Thadäus König. Quelle: Markus Riese
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Duderstadt

Er reiste ganz stilecht in einem Wartburg an: Christian Hirte (CDU), Beauftragter der Bundesregierung für die neuen Bundesländer und Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, fuhr am Mittwochmorgen mit einem nostalgisch anmutenden Automobil aus DDR-Zeiten vor dem Werksgelände des Ottobock-Hauptquartiers in Duderstadt vor. Der Besuch leitete den zweiten Tag seiner Sommertour ein, die ihn später auch noch nach Teistungen führen sollte.

Standort in Königsee stabilisiert

Begrüßt wurde Hirte zunächst von Merle Florstedt, Head of Corporate Communications bei Ottobock. „Es gibt eine enge Verbindung von Ottobock nach Thüringen, insbesondere durch unsere Rollstuhlmanufaktur und -fertigung in Königsee“, leitete sie eine Gesprächsrunde ein, an der auch Bianca Holler, Head of Global Human Ressources, drei Auszubildende aus verschiedenen Betriebsbereichen sowie der thüringische Landtagsabgeordnete Thadäus Rudolf König (CDU) teilnahmen. Florstedt räumte ein, dass bei den Rollstühlen der „Markt in schwierigen Zeiten“ stecke; den Standort Königsee habe Ottobock durch eine Reduzierung auf 75 Produkte aber zumindest stabilisieren können.

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Christian Hirte schaut sich das Hauptquartier in Duderstadt an und informiert sich auch bei den Azubis.

Bevor Hirte sich das Hauptquartier des Ottobock-Konzerns während einer Führung genauer ansah, kam er mit den Azubis ins Gespräch. Celine Bierwisch berichtete über ihren Weg von der Auszubildenden zur Industriekauffrau hin zum Dualen Studium Business Adminstration. Derzeit kümmere sie sich vor allem um digitales Marketing, betreue unter anderem Teile der Webseite, den Youtube-Kanal und das Intranet. „Das müssen Sie sich wie eine Art Facebook für Mitarbeiter vorstellen“, beschrieb sie. Der angehende Industriemechaniker Luca Rink berichtete von der sogenannten „Ausbildungswerkstatt“, in der auch Werkzeugmechaniker Nils Wüstefeld sein Handwerk lernt.

Azubis aus der Region

Hirte wollte vor allem wissen, wo die drei vorgestellten Azubis herkommen – in diesem Fall aus Scharzfeld, Seulingen und Mingerode, also allesamt aus der Umgebung. „Wir sind stolz auf unsere Azubis, und wir hoffen natürlich, dass wir sie später an uns binden können“, betonte Holler. Fachkräfte nach Duderstadt zu bekommen, sei nicht einfach: „Wir haben manchmal damit zu kämpfen, Mitarbeiter hierher zu holen“, erläuterte sie. Ihre Botschaft an Hirte: „Es wäre hilfreich, die Qualität des ländlichen Raumes in der Wahrnehmung zu verändern.“ Den Gedanken nahm der Bundespolitiker auf, machte aber auch Einschränkungen: „Es kann in Duderstadt oder in Heiligenstadt letztlich nicht so sein wie in Frankfurt oder Berlin“, sagte Hirte. Allerdings sehe er Gegenden wie das Eichsfeld gar nicht so sehr im Fokus: „Deutlich größere Probleme hat da zum Beispiel das Ruhrgebiet – da gibt es Ballungsräume, die den Strukturwandel komplett verpasst haben.“

Anreize durch Arbeitgeber

Doch auch im Eichsfeld braucht es gewisse Anreize für den Nachwuchs. Ein Beispiel: „Wir haben im Fuhrpark ein Azubi-Auto, das jederzeit genutzt werden kann. Außerdem gibt es auch Fahrgeld für die Auszubildenden“, beschrieb Bierwisch unterstützende Maßnahmen ihres Arbeitgebers. Laut Holler will Ottobock damit nicht nur die Azubis finanziell entlasten, sondern auch eine qualitativ hochwertige schulische Ausbildungskomponente gewährleisten. Allerdings: Nicht überall gibt es Arbeitgeber wie Ottobock. „Die Zentralisierung der Berufsschulen ist zum Beispiel im Obereichsfeld ein echtes Problem“, berichtete der Landespolitiker König. Wenn ein Berufsschüler zum Blockunterricht auf eigene Kosten nach Erfurt oder Suhl fahren müsse, dann könne dies zum entscheidenden Argument gegen eine entsprechende betriebliche Ausbildung werden.

Bei der anschließenden Werksführung ließen sich Hirte und König von Tourguide Elisabeth Ringer alle Produktionsbereiche des Ottobock-Standorts Duderstadt ausführlich erläutern – auch die Ausbildungswerkstatt.

„Aufbau Ost“: Von Schwanitz bis Hirte

Die Funktion „Beauftragter der Bundesregierung für die neuen Bundesländer“ gibt es unter dieser Bezeichnung seit 1998. Erster Amtsinhaber war Rolf Schwanitz (SPD). Von 2002 bis 2005 lag die Aufgabe bei Manfred Stolpe (SPD), danach bis 2009 bei Wolfgang Tiefensee (SPD). Zwischen Oktober 2009 und März 2011 hatte Thomas de Maizière (CDU) die Funktion inne, danach bis Ende 2013 Christoph Bergner (CDU). Zwischen Januar 2014 und März 2018 war Iris Gleicke (SPD) die „Ostbeauftragte der Bundesregierung“, wie die Funktion auch genannt wird. Im März 2018 übernahm Christian Hirte die Aufgabe, bei der es vor allem um die Koordinierung der deutschen Bundesregierung in Bezug auf Ostdeutschland geht. Hirte ist auch für den Jahresbericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit zuständig. „Natürlich gibt es noch große strukturelle Unterschiede, aber insgesamt haben wir 30 positive Jahre hinter uns“, sagte Hirte während seines Besuchs in Duderstadt. Ottobock bewertete er als „Vorzeigeunternehmen“ in Bezug auf die Deutsche Einheit.

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Von Markus Riese

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