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Duderstadt Intensive Debatte über Hochwasserschutz
Die Region Duderstadt Intensive Debatte über Hochwasserschutz
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00:22 21.12.2018
Bei den Überschwemmungen im Bereich Amtmannswiese und Blumenau in Westerode im Sommer 2017 sind Feuerwehr und THW im Einsatz. Quelle: R
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Westerode

„Was ist geplant, um die Sicherheit der Anwohner zu verbessern?“ Mit dieser Kernfrage und rund 60 Unterschriften hatten sich Anwohner der Amtmannswiese und der Blumenau in Westerode an den Verwaltungschef gewandt. Simone Brandenburg ist eine der Betroffenen, die „von Hochwasser der Nathe geplagt“ werden – beim großen Hochwasser von 1981 und zuletzt im Juli 2017, als nach Starkregen Feuerwehr und Technisches Hilfswerk in Westerode im Einsatz waren. Mit zwei weiteren Anwohnern erhoffte sie sich während der Sitzung des Ortsrates Westerode am Montagabend Antworten auf die Fragen, ob „endlich mal das Kanalnetz in Ordnung gebracht“, „die Nathe ausgebaggert“ oder „ein Rückhaltebecken vor Westerode gebaut“ werde.

Berme nach Norden verlängern

Ortsbürgermeister Bernward Vollmer (CDU) an einen Ortsratsbeschluss vom vergangenen Jahr, der einige Punkte zum Thema Hochwasserschutz beinhaltete. Demnach sollten das Kanalnetz geprüft, der Regenwasserkanal von der Amtmannswiese zur Nathe geführt, Gehölze am Uferrand zurückgeschnitten und Abflusshindernisse im Flussbett beseitigt werden. Weiterhin war da auch schon die Rede von einer möglichen Verlängerung der sogenannten Berme in Richtung Norden. Unter einer Berme versteht man den horizontalen Teil am Fuß eines Walls oder Damms.

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„Kein weiterer Handlungsbedarf“

Vollmer berichtete außerdem davon, welche Arbeiten der für die Nathe zuständige Gewässerunterhaltungsverband Rhume in diesem Jahr ausgeführt habe. Im Februar seien Gehölzrückschnitte an Nathe und Wipper erfolgt, im April Abflusshindernisse beseitigt und im Juni und Oktober Mäharbeiten erledigt worden. Laut Protokoll der Gewässerschau von Ende September sehe der Verband im Bereich der Nathe darüber hinaus „keinen Handlungsbedarf“. Herunterhängende Zweige stellten kein Abflusshindernis dar, so gibt Vollmer wieder. Im kommenden Jahr plane der Unterhaltungsverband unter anderem punktuelle Ufer- und Sohlsicherungen. Auch „abgängige Gehölze“ sollen entfernt und an der Nathe rund 100 standortheimische Gehölze nachgepflanzt werden.

Hochwasserschutzkonzept der Stadt

Bauamtsleiter Johannes Böning war zur Ortsratssitzung gekommen, um über das Thema zu informieren, denn nicht nur in Westerode beschäftige das die Bürger. Kürzlich erst habe Mingerode besseren Schutz vor Hochwasser gefordert, und sogar in den Bergdörfern wie Langenhagen oder Brochthausen könnten in Folge von punktuellen Regenereignisse Überflutungen zur Folge haben, sagte Böning. Und überall bestehe der Wunsch nach Hochwasserschutz. Derzeit werde das Hochwasserschutzkonzept der Stadt „aufgearbeitet“. Noch im ersten Quartal 2019 soll der Rat der Stadt endgültig über mögliche Maßnahmen entscheiden.

Es gäbe für Duderstadt zwei Varianten, führte Böning aus – eine „kleine“ Maßnahme, die sich zeitnah umzusetzen ließe und zwischen 800000 und eine Million Euro kosten würde, oder ein Regenüberlaufbecken, das eine Vorlaufzeit von acht bis zehn Jahren und etwa acht bis zehn Millionen Euro kosten würde. „Dieses Geld ist aber nirgendwo zu finden“, machte Böning die schwierige Situation klar.

Eigentümer sind mit verantwortlich

Der Bauamtsleiter ging auf einige Vorwürfe der von Überschwemmungen betroffenen Anlieger der Amtmannswiese und der Blumenau ein. Anhand von Kamerabefahrungen sei festgestellt worden, dass das städtische Kanalnetz in Ordnung sei. Bönig betonte aber auch, dass die Grundstückseigentümer selbst dafür Sorge zu tragen hätten, dass etwa Rückstauschutzeinrichtungen vorhanden und die Kanäle auf Privatgrundstücken in Ordnung seien. Mitunter würden auch Drainagen oder Regenrohre auf Privatgrundstücken nicht an den Regenwasserkanal sondern den Schmutzwasserkanal angeschlossen.

Wenn die Kanäle voll liefen, liege das Böning zufolge nicht nur an Fehleinleitungen, sondern auch am Regen. Dadurch steige der Grundwasserpegel an. Was dann als klares Wasser durch Fugen oder Wände in die Kellerräume im Bereich Amtmannswiese und Blumenau drücke, sei Grundwasser. Im Übrigen sagte der Bauamtsleiter auch, würde in den genannten Westeröder Bereichen nach heutigen Vorgaben wegen der Überschwemmungsproblematik keine Wohnbebauung mehr genehmigt.

Informationsveranstaltung geplant

Der Ortsrat sprach sich am Ende einhellig dafür aus, dass es eine Informationsveranstaltung für Anlieger geben soll, bei der über Möglichkeiten und Pflichten, aber auch Kosten berichtet werden soll. Außerdem soll die vorhandene Berme in Richtung Norden verlängert werden.

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Der Artikel wurde korrigiert.

Von Britta Eichner-Ramm