Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Duderstadt „Der größte Eichsfelder, den es je gegeben hat“
Die Region Duderstadt „Der größte Eichsfelder, den es je gegeben hat“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:17 27.07.2012
Von Ulrich Lottmann
Augen zu Kardinal Kopp erhoben: Ingeborg Wirz, Lothar Koch, Bernd Galluschke (v. r.).
Augen zu Kardinal Kopp erhoben: Ingeborg Wirz, Lothar Koch, Bernd Galluschke (v. r.). Quelle: Pförtner
Anzeige
Duderstadt

Im Gedenken an den 1914 gestorbenen Ehrenbürger Duderstadts legten gestern Ehrenbürgermeister Lothar Koch (CDU), Propst Bernd Galluschke und die Oberin des Ursulinenklosters, Schwester Ingeborg Wirz, am Denkmal Kopps an der Oberkirche einen Kranz nieder. Zudem erinnern derzeit zwei Ausstellungen an den Kirchenmann.

Ansprache

In seiner kurzen Ansprache erinnerte Koch an die entscheidende Rolle Kopps bei Beendigung des sogenannten Kulturkampfes, des Konflikts zwischen Kaiserreich und katholischer Kirche. Dadurch sei er „ein Gestalter des 19. Jahrhunderts“ gewesen, so Koch. Kopp sei seiner Meinung nach „der größte Eichsfelder, denn es je gegeben hat“. Dass er in seiner Zeit nicht unumstritten war, ergänzte Propst Galluschke. Als Fürstbischof der damals größten und reichsten Diözese Deutschlands und Vorsitzender der Fuldaer Bischofskonferenz sei Kopp „der mächtigste Kardinal des damaligen Reiches“ gewesen: „Dabei hat er – das bringt so eine Position mit sich – den Kontakt zu Teilen der Basis verloren.“

Förderer des Ursulinenklosters

In Duderstadt hat Kopp als Förderer des Ursulinenklosters Spuren hinterlassen. Er brachte den Orden, der die Stadt nach Auflösung des Klosters während des Kulturkampfes 1877 verlassen hatte, 1887 zurück nach Duderstadt. Kopp finanzierte zudem wesentlich den Bau der Klosterkirche (1889/90) und wurde schließlich im Jahr seiner Erhebung zum Kardinal 1893 von Papst Leo XIII. auch zum Protektor der Duderstädter Ursulinen ernannt. „Er hat immer von ,seinen Ursulinen‘ gesprochen“, machte Oberin Wirz die enge Bindung des Kardinals an den Konvent deutlich.

Nach Aufhebung des Klosters

Dabei seien die Ursulinen in Duderstadt nach 1887 andere gewesen als die vor 1877. Die seien nach Aufhebung des Klosters größtenteils ins englische Greenwich ausgewandert und von dort ins australische Armidale gelangt, wo sie eine Niederlassung gründeten und das Schulwesen aufbauten, erläuterte Wirz. Nach Duderstadt kamen 1887 Ursulinen aus Hildesheim und Hannover, die zwischenzeitlich auf einem belgischen Landgut Zuflucht gefunden hatten. Sie waren staatlich geprüfte Lehrerinnen, die Kopp für die Übernahme der Höheren Töchterschule in Duderstadt brauchte. Schule und Internat erlebten in den folgenden Jahren einen großen Aufschwung – und damit auch das Kloster.

Unterkunft in Geburtstadt

Hier fand Kardinal Kopp bei seinen Besuchen in seiner Geburtsstadt Unterkunft. Die Möbel seines Zimmers, Tisch, Stühle, ein eigens für ihn geschnitztes Betpult sind erhalten. Sie können ebenso wie viele Handschriften Kopps im Kloster besichtigt werden. „Wir haben tausende Briefe von ihm. Darin hat er den Schwestern immer gesagt, was sie tun sollen“, erläuterte Oberin Wirz mit einem Lachen. Wertvollste Stücke der kleinen Schau sind eine Mitra und ein von Kopp gestiftetes St.-Bernward-Reliquiar.

Die Ausstellung ist mittwochs, donnerstags und sonnabends zwischen 15 und 18 Uhr sowie sonntags von 10 bis 12 Uhr und 16 bis 17 Uhr zu sehen. Ergänzend gibt eine Ausstellung in der St.-Cyriakus-Kirche einen Überblick über das Wirken und die wichtigsten Daten im Leben Kardinal Kopps.

Georg Kopp wurde am 24. Juli 1837 als Sohn des Bandwebers Ignaz Kopp und dessen Frau Wilhelmine, geborene Oppermann, in Duderstadt geboren. 1861 in Hildesheim zum Priester geweiht, wird er dort 1872 Generalvikar und 1881 Bischof von Fulda. 1887 folgt die Erhebung zum Fürstbischof von Breslau. 1893 ernennt Papst Leo. XIII. Kopp zum Kardinal. Er stirbt 1914 in Troppau.