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Die Region Lesch liest im Duderstädter Rathaus
Die Region Duderstadt Die Region Lesch liest im Duderstädter Rathaus
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00:56 24.12.2018
Autor Harald Lesch (Mitte) im Duderstädter Rathaus mit dem Duderstädter Bürgermeister Wolfgang Nolte (l.), dem Geschäftsführer des Göttinger Literaturherbstes Johannes-Peter Herberhold (r.) und dem Team der Buchhandlung Seseke. Quelle: Claudia Nachtwey
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Duderstadt

Wegen Krankheit hatte Lesch im Oktober die Veranstaltung im Max-Näder-Haus absagen müssen. Auch für den Ersatztermin, der in den Rathaussaal verlegt wurde, waren die Tickets komplett ausverkauft. Grund für den Ortswechsel sei die große Nachfrage gewesen, erklärte Johannes-Peter Herberhold, Geschäftsführer des Literaturherbstes, bei der Anmoderation vor rund 230 Besuchern.

Lesch ist bekannt aus Wissenschaftssendungen wie Leschs Kosmos“, „Abenteuer Forschung“, „Terra X“ und anderen. Als Autor provoziert er gern mit Äußerungen wie „Die Menschheit schafft sich ab“ – so der Titel des Werkes von 2016, das er ebenso wie das aktuelle Buch in Kooperation mit Klaus Kamphausen veröffentlicht hat. Dass Lesch seine Behauptungen auch noch wissenschaftlich begründen kann, erzeugt doch oft den bitteren Nachgeschmack der Betroffenheit beim Leser. Der Physiker und Philosoph befasst sich mit den großen Problemen der Zivilisation an: Klimawandel, Ausbeutung der Natur, die Schere zwischen Arm und Reich.

Kochbuch für ökologisches Handeln

Und wie hält man die Absurditäten der modernen Welt aus? „Nur mit Humor“, beantwortet Lesch diese Frage. Es sei ein Bedürfnis der beiden Autoren gewesen, nach dem Vorgängerwerk eine Antwort folgen zu lassen, ein „Kochbuch für ökologisches Handeln“, so Lesch.

Doch zunächst betrachtete er die Kluft zwischen Erkenntnis der Wissenschaft und Handeln der Politik. „Die Wissenschaft ist meist der Überbringer schlechter Nachrichten, doch die Folge bei den Empfängern dieser Nachrichten ist Wirklichkeitsverdrängung“, mahnte Lesch, meinte aber nicht nur die Entscheider in der Politik, sondern auch die im Alltag. „Wenn Geschriebenes reden könnte, würde es schreien“, beschrieb er die allgemeine Abgestumpftheit sowohl gegenüber Schlagzeilen in den Medien als auch gegenüber beängstigenden Erkenntnissen der Wissenschaft. Und er beklagte die Verheizung von Potenzial auf intellektueller Ebene: „Wir bilden Leute in der empirischen Forschung aus und verschwenden sie dann bei der Herstellung von Pillepalleprodukten.“

Entschleunigung als persönliche Grundhaltung

Was also tun? Resignation schien nicht Leschs Weg zu sein. Von der Wissenschaft forderte er, mit Erkenntnissen viel mehr an die Öffentlichkeit zu gehen. „Wenn die Bevölkerung noch vor der Politik informiert wäre, gäbe es auch mehr Widerstände gegen manche politischen Entscheidungen“, meinte der Autor. Von der Bevölkerung forderte er, sich öfter einzumischen und bemerkbar zu machen. „Es sollte viel mehr Demonstrationen geben. Man muss nicht immer gegen etwas sein, sondern man kann auch zeigen, wofür man steht“, sagte Lesch.

Auch der Einzelne könne etwas tun, zum Beispiel mit Nichtstun. Entschleunigung als persönliche Grundhaltung bedeute unter anderem, am Wochenende nicht zum Kurztrip auf überfüllten Autobahnen irgendwohin zu fahren, sondern einfach zu Hause zu bleiben und damit die Umwelt zu schonen.

„Irgendwann stehen wir alle vor dem größten Gerichtshof, nämlich dem der Natur. Es gibt Natur-Gesetze, gegen die wir ständig verstoßen“, warnte der Lesch. Demut – das sei Respekt vor dem Absoluten. Demut habe mit Erkenntnis und Weisheit zu tun. „Demut ist unsere letzte Chance“, warnte Lesch.

Bei der abschließenden Signierstunde stand das Publikum schließlich Schlange.

Von Claudia Nachtwey

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