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Die Region Sparkassen: Weichen für Fusion gestellt
Die Region Duderstadt Die Region Sparkassen: Weichen für Fusion gestellt
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20:15 23.11.2018
Beschäftigte der Sparkasse Hann. Münden demonstrieren in ihrer Mittagspause mit leeren Stühlen vor der Tür, um auf die Probleme, die durch die Sparkassen-Fusion von Bad Sachsa, Osterode und Duderstadt entstehen, hinzuweisen. Quelle: Christina Hinzmann / GT
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Osterode

Heiß diskutiert während der Sitzung des Osteroder Stadtrates am Donnerstag wurde die Fusion der Sparkassen in Südniedersachsen, die in geheimer Abstimmung letztlich eine Mehrheit fand. Informationen seitens der Banken seien nur spärlich geflossen, kritisierte der SPD-Chef Jörg Hüddersen, der noch einmal die Chancen und Risiken darstellte. Man habe in seiner Fraktion lange diskutiert und stimme nur mit einem Grummeln im Bauch zu. Das verspürte wohl auch die FDP: „Es gibt bei der Bewertung viele unterschiedliche Interessen zu berücksichtigen“, sagte Marcus Danne. Die Fusion berge Risiken, aber letztlich müsse man das Kundeninteresse stärker in den Blick nehmen.

Kritische Fragen und Anmerkungen hatte es schon im Finanzausschuss am Mittwoch in Osterode während der Bürgerfragestunde seites einiger Sparkassen-Mitarbeiter gegeben. Warum man zum Beispiel die wirtschaftlich schwache Sparkasse Hann. Münden mit ins Boot geholt habe und warum die gut aufgestellte Sparkasse Osterode für schwächere Partner zahlen solle? Die Mitarbeiter der neuen Sparkasse in Südniedersachsen seien wegen des weitläufigen Geschäftsgebiets und großer räumlicher Distanzen zudem auch in Fragen der Weiterbildung nur schwer zusammenzubringen, von den zwischenmenschlichen Aspekten ganz abgesehen. Auch mangelnde Transparenz während des gesamten Prozesses wurde kritisiert.

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Politische Entscheidung

Bürgermeister Klaus Becker (parteilos) sprach von einer politischen Entscheidung. Gleichwohl, so Becker, müssten eben auch schwache Partner mitgenommen werden, die Viererfusion sei im ureigensten Interesse des Landkreises Göttingen. Man habe die Vor- und Nachteile sorgfältig abgewogen und verlasse sich zudem auf das Urteil der Fachleute, die man sich im Vorfeld der Verschmelzung über die Unternehmensberatung zeb und für eine objektive Einschätzung ins Boot geholt habe.

Becker: „Uns war wichtig, dass wir die Zukunft unserer Sparkasse mit allen Dienstleistungen sichern. Und das ist uns gelungen.“ Mit dem Beschluss werden die Vertreter des Rates der Stadt in der Verbandsversammlung des Sparkassenzweckverbandes im ehemaligen Landkreis Osterode angewiesen, in der Verbandsversammlung entsprechend zu votieren.

Bad Lauterberg: Stadtrat gegen Fusion

Beraten hatte am Donnerstag auch der Rat der Stadt Bad Lauterberg und sich unter Ausschluss der Öffentlichkeit gegen die Fusion ausgesprochen. Die Ablehnung der Fusionsvereinbarung durch den Rat allerdings hat keine unmittelbaren Folgen für den Zusammenschluss. Der 22-prozentige Anteil der Stadt Bad Lauterberg an der Sparkasse Osterode ist nicht groß genug, um ein Votum der übrigen Träger der Sparkasse Osterode – Stadt Osterode am Harz und Landkreis Göttingen – zu blockieren.

Für die SPD-Fraktion im Lauterberger Rat erklärte der Vorsitzende Holger Thiesmeyer gegenüber unserer Zeitung, man habe die Fusion vor allem deshalb abgelehnt, weil man mit dem Verfahren nicht einverstanden sei. Die vollständigen Informationen über die Fusionsverhandlungen hätten nämlich nur einem eingeschränkten Personenkreis offengelegen, obgleich alle Ratsmitglieder die Entscheidung mittreffen sollten. Auch sei das Verhandlungsergebnis für seine Stadt nicht gut und das Gewicht der Osteroder Sparkasse, dem Institut mit dem stärksten Eigenkapital, spiegele sich im Vertrag nicht wieder.

Keine regionale Bindung

Die CDU sieht vor allem für das Personal einschneidende Nachteile, auch aufgrund der nicht gegebenen regionalen Bindung zu Hann. Münden. „Diese Fusion geht vor allem zu Lasten der Angestellten. Das können und werden wir nicht unterstützen“, erklärt die CDU in einer Pressemitteilung.

Eine generelle Ablehnung gegenüber Fusionen bestehe aber nicht. So fordert die CDU eine objektive Betrachtung der einzelnen Standorte und einen Fusionsvorschlag, der auf die Gegebenheiten jeder Sparkasse eingeht.

Die Kreisverwaltung teilte am Freitag mit, ein entscheidender Akteur habe der Fusionsvereinbarung zugestimmt, das mehrheitliche Votum des Osteroder Rates für eine Fusion der Sparkasse Osterode mit den drei anderen Instituten sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen Struktur der Sparkassen im Landkreis Göttingen. Nun hängt es von den Abstimmungsergebnissen in Duderstadt, Hann. Münden, Bad Sachsa und im Kreistag ab, ob die Viererfusion zustande kommt. „Der Landkreis und die Städte Duderstadt, Hann. Münden und Bad Sachsa sind an den jeweiligen Sparkassen mit einem ausschlaggebenden Trägeranteil beteiligt. Stimmen sie zu, wird die Fusionsvereinbarung umgesetzt“, erklärte Pressesprecher Ulrich Lottmann.

„Fair bewertetes Ergebnis erzielt“

Wie die noch ausstehenden Abstimmungen im Kreistag und in den Räten ausgehen, ist offen. Lottmann: „Anzumerken ist, dass in allen bisherigen Verhandlungsschritten Übereinstimmung für eine gemeinsame Lösung erzielt wurde.“

Das gilt für die Sondierungen der Vorstände, für den anschließenden Beschluss der Verwaltungsräte zu vertiefenden Verhandlungen und auch für die zwischen den Delegationen der Träger ausgehandelte Fusionsvereinbarung. In allseits hart geführten Verhandlungen wurde ein durchweg als fair bewertetes Ergebnis erzielt. Darauf können alle beteiligten Akteure, unabhängig vom Ergebnis der weiteren Abstimmungen, stolz sein.“

Von Michael Paetzold