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Die Region Wahl des Präsidenten in der Kritik
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19:00 04.07.2019
Im Aulagebäude der Universität am Wilhelmsplatz hat auch das Präsidium seine Räume. Quelle: Dpa
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Göttingen

Der einzige Kandidat hat am 20. Juni die Wahl zum Präsidenten der Universität Göttingen für sich entschieden: Prof. Sascha Spoun aus Lüneburg. Das Wahlverfahren regt einen Teil der Göttinger Professorenschaft auf. Noch am Wahltag hatte eine Gruppe von 93 Professoren und Professorinnen aus acht Fakultäten die Verschiebung der Wahl gefordert und die Abläufe kritisiert.

Vor neun Jahren gab es für die Universitätsöffentlichkeit die Gelegenheit, Bewerberin Ulrike Beisiegel aus Hamburg vor der Wahl zur Präsidentin kennenzulernen. Bei der Wahl ihres Nachfolgers fühlte sich nun Teil der Professorenschaft vor vollendete Tatsachen gestellt und forderte die Verschiebung der Wahl. Danach folgte am 3. Juli ein Leserbrief im Göttinger Tageblatt, der die Kritik und das nach Ansicht der Professoren zu bemängelnde Verfahren zum Inhalt hatte.

„Wir haben ein Verfahren gebrandmarkt“, erklärt Theologieprofessor Thomas Kaufmann, der nach eigenen Angaben nun wiederum aus einem anderen Teil der Göttinger Professorenschaft kritisiert wird als „Verräter und Brandstifter“. Dabei sei es darum gegangen, ein transparentes Verfahren zu verlangen.

Der Vorsitzende des Stiftungsrates Dr. Wilhelm Krull betont, dass das Verfahren entsprechend der Wahl von Beisiegel verlaufen sei. Der Appell der 93 Professoren sei in der Wahlsitzung von verschiedenen Dekanen vorgetragen worden. Aber zu dem Zeitpunkt hatte der Kandidat bereits die geforderten Gespräche geführt mit den verschiedenen Gruppen von Professoren und weiteren Universitätsmitarbeitern, so Krull. Insofern sei die Entscheidung gewesen, „nicht noch eine breite Professorenversammlung vorzusehen“.

„Schlichtweg ignoriert“

Die Bitte um die Verschiebung der Wahl, um Zeit für eine Vorstellung des Kandidaten zu erhalten, sei „schlichtweg ignoriert worden“, erklärt dagegen Kaufmann. Nach Ansicht von Kaufmann, sollte wie in den vergangenen 282 Jahren eine Persönlichkeit aus der Forschung die Universität leiten. Auch das Verfahren der Auswahl des Kandidaten kritisiert der Theologe, weil Spoun anfangs als Berater der Findungskommission, für die die Personal-Beratung Kienbaum im Einsatz war, auftrat. Für Kaufmann ein inakzeptables Vorgehen.

Krull, der auch Vorsitzender der Findungskommission war, hält dagegen, dass der Einsatz von Personalberatern ebenso üblich ist wie die äußerste Diskretion im Sinne eines Bewerbers. Deshalb sei Spoun, der als Präsident einer anderen Universität am Bewerbungsverfahren teilnahm, als Berater bezeichnet worden. Dieser sei aber in keiner Weise einem anderen Verfahren unterzogen worden als die weiteren drei Bewerber.

Einstimmiges Votum

Das Votum für Spoun sei einstimmig erfolgt in der Findungskommission, die drei Vertreter des Senats der Universität (die Professoren Nicolai Miosge und Matthias Schumann sowie aus der Mitarbeitergruppe Janine Stratmann) und drei des Stiftungsrates der Universität (Prof. Barbara Ischinger, Dr. Joachim Kreuzburg und Dr. Wilhelm Krull) bildeten. Neben den sechs stimmberechtigten Mitgliedern waren nach den Vorschriften des Niedersächsischen Hochschulgesetzes auch je ein Vertreter des Ministeriums für Wissenschaft und Kultur und des Gleichstellungsbüros der Universität als nicht stimmberechtigte Mitglieder vertreten.

Dass bei internationalen Ausschreibungen von Universitäten auch Personal-Beratungen agieren, ist für Politikprofessor Andreas Busch keine Besonderheit. Er hat wie Kaufmann den Aufruf initiiert und beide zählen zu den sieben Unterzeichnern des Leserbriefes.

Klärung erhofft

Busch ist die Kritik am Verfahren wichtig, „auch wenn man nichts mehr ändern kann.“ Er betont, dass er sich von dem Gespräch eine Klärung soweit erhofft, „dass die Universität wieder zusammenfindet, dass die Kritik der Professoren aufgenommen und wahrgenommen wird, damit es beim nächsten Mal besser wird.“

Eine Gruppe von Professoren der Sozialwissenschaftlichen Fakultät hat nach Angaben von Busch vorgeschlagen, dass es zum Gespräch mit Mitgliedern der Findungskommission kommt. Der Senat habe schnell reagiert, so Busch, und zu einem Gespräch am Montag, 8. Juli, alle Professoren eingeladen. 471 sind derzeit an der Georg-August-Universität tätig.

Senatsmitglieder zum Gespräch bereit

Am Montag werden die Senatsmitglieder Miosge und Schumann Rede und Antwort stehen, so Krull. Der designierte Präsident der Georg-August-Universität habe in den vergangenen Jahren „immer wieder gezeigt, dass er Reformen erfolgreich umsetzen kann“, betont Krull. Mit Spoun könne die Universität konzeptionell nach vorn gebracht werden, um sich im Wettbewerb der Hochschulen und bei der nächsten Exzellenz-Initiative besser aufzustellen. Dem Stiftungsratsvorsitzenden ist wichtig, dass die Universität Göttingen sich demnächst mit der Analyse der in diesem Jahr gescheiterten Bewerbung an der Exzellenz-Initiative befasst und dass die Leistungsträger der Hochschule schon bald definieren, welche Ziele sie in den nächsten zehn Jahren erreichen wollen. Das alles soll unter der Ägide des neuen Präsidenten Sascha Spoun passieren.

Der Senat der Universität

Der Senat ist das oberste gewählte Gremium der Universität. Seine 13 Mitglieder, bestehend aus Professoren, wissenschaftlichen und Verwaltungsmitarbeitern sowie Studierenden, beschließt in Fragen der Selbstverwaltung der Universität – sozusagen als „Parlament des Tagesgeschäfts“. Das Präsidium setzt diese Beschlüsse um.

Auf Beisiegel folgt Spoun

Sascha Spoun, seit 2006 Präsident der Leuphana-Universität in Lüneburg, ist im Juni zum Nachfolger der Göttinger Universitätspräsidentin Ulrike Beisiegel (66) gewählt worden. Beisiegel hatte nach der gescheiterten Bewerbung der Georg-August-Universität an der Exzellenzinitiative ihr Amt zum Jahresbeginn 2020 zur Verfügung gestellt und vorzeitigen Ruhestand beantragt.

Spoun (50)studierte Wirtschaftswissenschaften und Politikwissenschaften in Ann Arbor, München, Paris und St. Gallen. 1998 wurde er an der Universität St. Gallen promoviert. Dort leitete er anschließend bis 2006 das Reformprojekt „Neukonzeption der Lehre“, gleichzeitig lehrte er dort Betriebswirtschaftslehre. Von 2004 bis 2010 lehrte er außerdem an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich. Im Herbst 2005 wurde er zum Präsidenten der Universität Lüneburg gewählt, das Amt trat er zum 1. Mai 2006 an. Im Januar 2019 wurde er für eine dritte Amtszeit von 2020 bis 2028 an der Leuphana gewählt. Statt in Lüneburg wird Spoun nun ab Januar 2020 die Präsidentschaft an der Georg-August-Universität in Göttingen übernehmen.

Von Angela Brünjes

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