Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Duderstadt Die vier Städte im Eichsfeld
Die Region Duderstadt Die vier Städte im Eichsfeld
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:57 17.01.2019
Über den Dächern von Duderstadt
Über den Dächern von Duderstadt Quelle: Rüdiger Franke
Anzeige
Duderstadt

Traditionell am 17. Januar treffen sich die Bürgermeister der vier Eichsfeld-Städte im Rathaus in Duderstadt. Im 30. Jahr nach der Grenzöffnung empfangen Duderstadts Bürgermeister Wolfgang Nolte und Ehrenbürgermeister Lothar Koch die Amtskollegen Andreas Karl Fernkorn (Dingelstädt), Marko Grosa (Leinefelde-Worbis) und Thomas Spielmann (Heilbad Heiligenstadt) sowie Vertreter des Heimat- und Verkehrsverbandes zum gemeinsamen Gespräch. Was verbindet die Städte? Was unterscheidet sie?

Duderstadt – zwischen Fachwerk und Weltmarktführer

Duderstadt ist geprägt durch seine historische Fachwerk-Altstadt. Doch außer der Kernstadt gehören mit Breitenberg, Brochthausen, Desingerode, Esplingerode, Fuhrbach, Gerb-lingerode, Hilkerode, Immingerode, Langenhagen, Mingerode, Nesselröden, Tiftlingerode, Werxhausen und Westerode noch 14 Dörfer zu der Stadt. Von 1885 bis zur Gebietsreform 1973 bildete die Stadt den Amtssitz des Landkreises Duderstadt, wurde dann in den Landkreis Göttingen integriert. Das zugehörige damalige Autokennzeichen DUD kann seit einigen Jahren wieder genutzt werden.

Duderstadt ist Mitglied im Fachwerk-Fünfeck, gemeinsam mit den südniedersächsischen Städten Einbeck, Hann. Münden, Northeim und Osterode. Eines der bedeutendsten Gebäude der historischen Altstadt ist das Rathaus. „Willkommen im ältesten Rathaus Deutschlands“, wird Duderstadts Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) auch zum Treffen der Eichsfeldstädte die Gäste begrüßen. Die Türme des Gebäudes bilden gemeinsam mit der gedrehten Spitze des Westerturms sowie den Türmen der katholischen Basilika St.-Cyriakus und der evangelischen St.-Servatius-Kirche die Silhouette der Stadt.

Doch Duderstadt ist nicht nur ein schmuckes Städtchen, es ist auch der Hauptsitz des Weltmarktführers in der Orthopädie, Ottobock. Im angrenzenden Gewerbegebiet Breiter Anger haben sich bereits einige Firmen angesiedelt. Allerdings fehlt der Stadt, wie der Bürgermeister regelmäßig betont, der Lückenschluss der Bundesstraße 247 in Richtung Thüringen zum infrastrukturellen Glück. Damit wäre eine deutlich schnellere Anbindung an die Autobahn 38 möglich sowie den Durchgangsverkehr um die Stadt zu lenken. Auch die Bundespolizei ist in Duderstadt angesiedelt. Groß war das Aufatmen, als Bundesinnenminister Otto Schily 2002 eine Standortgarantie gab. Ebenfalls hat die Heinz-Sielmann-Stiftung hier ihren Sitz. rf

Heilbad Heiligenstadt – zahlreiche Gewerbeanfragen

Das Eichsfeld im 19. Jahrhundert – Umbrüche, Aufbrüche, Kontinuitäten“ ist der Titel der Sonderausstellung, die am Donnerstag, 14. Juni, um 19.30 Uhr im Eichsfelder Heimatmuseum in Heiligenstadt eröffnet wird. Quelle: r

Heilbad Heiligenstadt ist die Kreisstadt des Landkreises Eichsfeld in Thüringen. Der Ort liegt im Westen des Landkreises, am Fluss Leine und etwas nördlich des Naturparks „Eichsfeld-Hainich-Werratal“. Heiligenstadt liegt in der Nähe des Länderdreiecks Niedersachsen-Thüringen-Hessen, außerdem befindet sich im Stadtteil Flinsberg je nach Berechnungsmethode ein geografischer Mittelpunkt Deutschlands.

Überregional bekannt ist Heiligenstadt für sein namensgebendes Heilbad. Obwohl die Stadt bereits 1929 den Titel „Kneippbad“ verliehen bekam, lautete der offizielle Name bis 1990 lediglich Heiligenstadt. Anfang der 1990er-Jahre wurde der Kurbetrieb ausgebaut, später folgt die Anerkennung von Heiligenstadt als Kurort und der offizielle Namenszusatz. Bis heute ist der Kurgastbetrieb ein wichtiger Teil der Wirtschaft des Ortes.

Heiligenstadt profitiert darüber hinaus sehr stark von der direkten Anbindung an die Autobahn 38. Bürgermeister Thomas Spielmann (BI Menschen für Heiligenstadt) berichtet von zahlreichen Anfragen für das an der Abfahrt angesiedelte Gewerbegebiet. „Ich bin sehr zufrieden mit der Auslastung“, erklärt er. Den Unternehmen gefalle die gute Verbindung in alle Himmelsrichtungen über die nahe A 7 und die damit verbundene Anbindung an die A 44 in Richtung Ruhrgebiet. „Wir müssten schon anbauen, wenn wir alle Anfragen annehmen wollten.“

Auch kulturell hat Heiligenstadt etwas zu bieten: Der Schriftsteller und Lyriker Theodor Storm lebte und wirkte im Ort, weshalb nach ihm ein Literaturmuseum benannt wurde. Außerdem befinden sich das Eichsfelder Heimatmuseum und ein Museumsbahnhof im Ort. Ein bauliches Wahrzeichen von Heiligenstadt ist die katholische Pfarrkirche St. Marien im Zentrum des Ortes. emb/rf

Leinefelde-Worbis – aus zwei mach eins

Das Whiskyerlebniszentrum auf Burg Scharfenstein ist die aktuellste Touristenattraktion in Leinefelde-Worbis. Quelle: r

Leinefelde-Worbis ist als Stadt erst 15 Jahre alt. Sie entstand am 16. März 2004 durch den Zusammenschluss der beiden Städte Worbis und Leinefelde sowie acht weiterer Orte im Umfeld. Zur Stadt gehören auch Beuren, Birkungen, Breitenbach, Breitenholz, Hundeshagen, Kallmerode, Kaltohmfeld, Kirchohmfeld und Wintzingerode.

Unterschiedlicher als bei Worbis und Leinefelde können die Entwicklungen von Städten kaum sein. Worbis ist 1162 erstmals urkundlich als Wurbeke erwähnt worden. 1255 erhielt der Ort bereits sein Stadtrecht.

Ganz anders Leinefelde, das 1227 erstmals in einer Urkunde Erwähnung fand. Es blieb ein kleiner Ort, der erst zu DDR-Zeiten rasant wuchs. Leinefelde erhielt am 7. Oktober 1969 sein Stadtrecht, feiert in diesem Jahr also das 50-jährige Jubiläum. Nach dem sogenannten „Eichsfeldplan“ der SED wurde im Dorf der Leinequellen eine Baumwollspinnerei aufgebaut. Arbeiter aus anderen Teilen der DDR sollten dazu beitragen, dass das Eichsfeld sozialistischer würde. Um den Arbeitern genügend Wohnraum zu bieten, entstand im Süden des Ortes ein Plattenbaugebiet. Dieses Erbe hatte die Stadt Leinefelde nach dem Fall der Mauer dann zu tragen. Doch was zunächst nach einer Bürde aussah, entwickelte sich zum Positiven. Der Stadtumbau in Leinefelde wurde zum Muster für andere Orte in der Welt. Am Ende stand im Jahr 2007 sogar der Gewinn des bedeutenden „World Habitat Awards“. Die UN-Auszeichnung wird jedes Jahr an je ein Projekt auf der Nord- und auf der Südhalbkugel verliehen.

Doch auch in Worbis wurde investiert. Die historische Fachwerkstadt zeigt sich als Kleinod und ist zum „Regierungssitz“ der Einheitsstadt geworden.

Seit jeher hat Leinefelde eine gute Infrastruktur. Schon im 19. Jahrhundert bekam der Ort eine Anbindung an die Eisenbahn. Auch in der heutigen Zeit fahren IC-Züge den Bahnhof in Leinefelde an. Seit dem Bau der Autobahn 38 kann Leinefelde-Worbis auch schnelle Straßenverbindungen vorweisen. rf

Dingelstädt – Lange Geschichte

Rathaus in Dingelstädt Quelle: r

Im Süden des Eichsfelds, in einer Talsenke am Fluss Unstrut, liegt Dingelstädt. Mit knapp 4500 Einwohnern ist der Ort der kleinste der vier Eichsfeldstädte. Die Geschichte Dingelstädts geht bis ins neunte Jahrhundert zurück – damit gehört die Stadt zu den frühesten historisch nachgewiesenen Siedlungen im Eichsfeld.

Das älteste noch existierende Gebäude von Dingelstädt ist die sogenannte „Alte Mühle“, ein mittelalterliches Handwerkshaus an der Unstrut. Das Steinportal der „Alten Mühle“ wurde im Jahr 1591 errichtet. Ein weiteres architektonisches Merkmal der Stadt ist die katholische Pfarrkirche St. Gertrudis im neugotischen Stil. Besonders an der Kirche ist, dass die Buntglasfenster aus dem späten 19. Jahrhundert bis heute erhalten sind.

Bekannt ist Dingelstädt insbesondere für das historische Gebäude des Rathauses. Es wurde im Stil der niedersächsischen Renaissance errichtet und ist eines der Wahrzeichen des Ortes. Eine weitere architektonische Sehenswürdigkeit ist der Bau des staatlichen St.-Josef-Gymnasiums. Die Schule wurde vor etwa 100 Jahren als eindrucksvoller Neobarockbau errichtet.

Am Rande Dingelstädts liegt das Franziskanerkloster „Kerbscher Berg“. Es entstand auf einer Anhöhe vor den Toren der Stadt. Mittlerweile betreibt das Bistum Erfurt in den Räumlichkeiten ein Familienzentrum. Durch Dingelstädt führt der „Unstrutradweg“. Er startet bei Kefferhausen hinter Dingelstädt und führt dann entlang des Flusses über Mühlhausen, Bad Langensalza und Sömmerda nach Naumburg/Saale. emb

„Wir müssen viel mehr miteinander reden“

Das Eichsfeld mit den Städten Duderstadt, Heilbad Heiligenstadt, Leinefelde-Worbis und Dingelstädt Quelle: Sit

Gibt es Überschneidungen in der Zusammenarbeit der vier Eichsfeld-Städte? „Wir werden in unserem Gespräch Bilanz ziehen“, sagt Duderstadts Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU). Seine Gäste werden schon konkreter.

„In allererster Linie ist der Tourismus zu nennen“, sagt Heilbad Heiligenstadts Bürgermeister Thomas Spielmann (BI Menschen für Heiligenstadt). Seine Stadt könne zum Beispiel rund 160 000 Übernachtungen pro Jahr verzeichnen. „Doch niemand kommt allein wegen der Stadt“, weiß er, „sondern wegen der Region.“ Deshalb sei es in der Zukunft wichtig, noch mehr gemeinsam dafür zu werben. Das bestätigt auch der Leinefelde-Worbiser Bürgermeister Marko Grosa (CDU). Er verweist auf die Whiskyburg auf dem Scharfenstein als neue touristische Attraktion in seiner Stadt. Dort werde noch ein Hotel gebaut. „Wir müssen etwas bieten“, sagt er. Da reiche es nicht, den Gästen den Bärenpark in Worbis zu nennen, sondern es müssten auch Möglichkeiten in Duderstadt aufgezeigt werden.

Einen professionellen Blick von außen hat Professor Ulrich Harteisen von der Fakultät Ressourcenmanagement der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) Hildesheim / Holzminden / Göttingen. Harteisen sieht die Städte zwar im Wettbewerb miteinander, die aber in regionalen Themen zusammenarbeiten können. So sollten sie sich touristisch nicht auf das Eichsfeld beschränken. Er sehe großes Potenzial, touristisch über die Grenzen zu schauen und auch mit dem Harz und dem Werratal zusammenzuarbeiten. „Wir müssen in der Region groß denken“, sagt auch Spielmann.

Im Bereich der Ansiedlung von Gewerbe stünden die Städte im Gegensatz zum Tourismus mehr im Wettbewerb miteinander, erklärt der Leinefelder-Worbiser Bürgermeister. Doch auch im Gewerbebereich sieht Grosa Potenzial für mehr Gemeinsamkeit. „Wir müssten viel mehr miteinander reden“, sagt er. Manchmal benötige ein Unternehmer Dinge, die ein anderer schon habe. So habe er zum Beispiel seinen Bäderchef zum gemeinsamen Austausch auch schon nach Duderstadt geschickt. „Es ist doch gut, wenn man sich kostenneutral hilft.“ Das sei zum Beispiel auch im Bereich der innerörtlichen Wohnungsanbieter möglich, was in Leinefelde-Worbis schon praktiziert werde. „Warum soll nicht auch die Nachbarstadt profitieren?“, fragt er. Im Zusammenhang mit der Ausrichtung der Thüringer Landesgartenschau 2024 in Leinefelde-Worbis möchte Grosa auch die gesamte Region vermarkten. Wer Interesse habe, könne sich gern melden. rf

Von Max Brasch und Rüdiger Franke

17.01.2019
Duderstadt Nach Adventskonzert des MGV - Breitenberger Sänger spenden Einnahmen
17.01.2019
Duderstadt Ortsheimatpflege in Tiftlingerode - Digitale Wiederauferstehung der Kirche
17.01.2019