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Duderstadt Dioxin-Skandal: Höfe der Region nicht betroffen
Die Region Duderstadt Dioxin-Skandal: Höfe der Region nicht betroffen
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19:11 04.01.2011
Familienbetrieb mit eigenem Ackerbau: Jens Freckmanns Schweinemast in Seulingen ist, wie das gesamte Untereichsfeld, von dem Skandal um dioxinverseuchtes Tierfutter bisher nur über das künftige Kaufverhalten der Konsumenten betroffen.
Familienbetrieb mit eigenem Ackerbau: Jens Freckmanns Schweinemast in Seulingen ist, wie das gesamte Untereichsfeld, von dem Skandal um dioxinverseuchtes Tierfutter bisher nur über das künftige Kaufverhalten der Konsumenten betroffen. Quelle: Pförtner
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Dies bestätigte die Kreis-Umweltdezernentin, Christel Wemheuer (Grüne). Da massenhafte Geflügelzucht und Großbetriebe mit Legehennen im niedersächsischen Eichsfeld nicht vertreten sind, hätte die Schließung nur Schweinemastbetriebe treffen können.

Dass dem nicht so ist, hat seinen Grund, meint der Duderstädter Landwirt Karl Nolte. „Wie ich machen es 90 Prozent der Betriebe hier: Wir geben eigenes Futter, kein Hinzugekauftes.“ Der Seulinger Jens Freckmann, der seine Schweine selbst verarbeitet und die Produkte auf dem Göttinger Wochenmarkt anbietet, bestätigt: Die Mastbetriebe in der Region veredeln das selbst angebaute Getreide für die Fütterung. Gefährdet seien in größerem Maße Betriebe, die über kein eigenes Land verfügten, und gezwungen seien, fremdes Futter zu geben, so Nolte. Häufig sei dies beispielsweise in der Gegend um Oldenburg der Fall.

Unter dem Skandal litten jedoch auch die hiesigen Bauern: „Wegen einiger schwarzer Schafe werden alle leiden. Die Leute werden sich überlegen, was sie einkaufen, die Preise werden fallen.“ Der gleichen Meinung sind die Vertreter des Landvolkes, Achim Hübner und Hubert Kellner. Hübner: „Der Dioxin-Fund wird Auswirkungen für die Bauern haben haben. Das hat diesmal eine andere Qualität.“ Die konventionelle Landwirtschaft sei dabei gar nicht das Problem, ergänzte Kellner: „Beim letzten Dioxin-Skandal im Mai ging es schließlich um Bio-Betriebe.“

Wie groß das Gefährdungspotential ist, könne jedoch niemand sagen, meint Hübner. „Meine Frau fragte mich heute morgen auch: Was machen wir mit den gekauften Eiern?“ Essen, habe er gesagt. Anders sehen das die Wissenschaftler des Bundesinstituts für Risikobewertung. Sie raten vorerst jedoch nur zum Eierverzicht. Es herrsche keine akute Gesundheitsgefährdung, aber „aus Gründen des vorsorgenden Verbraucherschutzes“ empfiehlt das Institut die Belastung mit Dioxinen so weit wie möglich zu minimieren.

Doch wie sehen es die Verbraucher? Die Reaktionen in einer Umfrage waren gemischt. „Ich mache mir Sorgen“, erklärte der Rollshäuser Peter Krause. Die betroffenen Produkte werde er vorerst meiden. Die Duderstädterin Rosi Wieprecht wird stutzig: „Ist der letzte Skandal nicht erst ein halbes Jahr her?“ Ihr Kaufverhalten muss sie nicht ändern: „Wir schlachten unsere eigenen Schweine.“ Sie ist der Meinung, dass die wahren Skandale ohnehin nicht ans Licht gelangen.
Die Teistungerin Ursula Zöge will ihre Gewohnheiten nicht umstellen. „Da dürfte man ja heutzutage gar nichts mehr kaufen. Außerdem sind Eier doch gesund.“ Jennifer Hammer und Hendrik Stolze aus Duderstadt verzichten hingegen erst einmal auf Eier, Geflügel und Schwein. Stolze: „Ich will mich doch nicht vergiften.“ „Obwohl das wirklich blöd ist für die Bauern, die damit nichts zu tun haben“, findet Hammer.

Von Erik Westermann