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Duderstadt Drei Jahre Jugendhaft für 18-Jährigen
Die Region Duderstadt Drei Jahre Jugendhaft für 18-Jährigen
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19:00 26.01.2017
Von Kuno Mahnkopf
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Duderstadt

Von einer „Mordssauerei“ sprach Staatsanwalt Jörg Malz am Jugendschöffengericht in Duderstadt. Die Täter hätten eine Spur der Verwüstung durch die Schulen gezogen. Betroffen waren an drei auf-einander folgenden Nächten die Berufsschule, die Janusz-Korczak-Grundschule und die Realschule. Allein dort beläuft sich der Schaden auf fast 20 000 Euro. An den Schulen wurden Türen, Fenster und Schränke aufgebrochen, Klassenkassen geplündert, Büros verwüstet, Flachbildschirme umgeworfen und zertrümmert. Das Diebesgut reichte von Lebensmitteln aus der Lehrküche über Bargeld bis zu Kameras, Laptop und Beamer.

Nach dem Einbruch in die Realschule wurden die Täter aufgrund eines Hinweises aus ihrem Umfeld gefasst, bei Durchsuchung der Wohnung des inzwischen Volljährigen Diebesgut und Einbruchswerkzeug sichergestellt. Anders als sein älterer Mittäter musste sich der 18-Jährige aber nicht nur wegen der Schuleinbrüche mit Sachbeschädigungen, sondern weiterer Delikte in Osterode, Duderstadt und Seesen verantworten. Die Liste ist lang: Betrug, Ladendiebstahl, Wohnungs- und Laubeneinbruch, Beleidigung, falsche Verdächtigung, Falschgeld. Unter anderem hat er mit einem kopierten 50-Euro-Schein Schulden beglichen, Polizisten als „Spastis“ beleidigt, eine Taxifahrt nicht bezahlt, sich einen fremden Ausweis angeeignet und ist bei seiner 94-jährigen Vermieterin eingebrochen.

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Beide Angeklagten sind vorbelastet und unter schwierigen Umständen aufgewachsen. Der 21-Jährige wurde aus einem russischen Kinderheim adoptiert, seine schottischen Adoptiveltern mit fünf leiblichen Kindern versuchten mit mäßigem Erfolg, ein Hotel in Bad Lauterberg zu reaktivieren. Er hat weder Schule noch Ausbildung abgeschlossen, war zeitweise wieder in Heimunterbringung und ist verschuldet. Der 18-Jährige ist Scheidungskind, seine Mutter Alkoholikerin, mit seinem Vater hatte er ebenso Probleme wie später in seiner Pflegefamilie. Inzwischen wirbt er für eine Agentur Mitglieder für Hilfsorganisationen und hat eine stationäre Therapiezusage. Die Suchtproblematik spielte aber nur eine Nebenrolle in dem ganztägigen Prozess, ein Zusammenhang mit den aus Geldnot erfolgten Straftaten wurde nicht deutlich. Richter Michael Pietzek