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Duderstadt Duderstadt: Rätselhafter archäologischer Fund in der Hinterstraße
Die Region Duderstadt Duderstadt: Rätselhafter archäologischer Fund in der Hinterstraße
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00:17 26.08.2013
Von Ulrich Lottmann
Baustelle: Unter dem abgerissenen Hotel Deutsches Haus entdeckt Stephan Sauerland (vorne) zahlreiche Überreste aus der Zeit um 1200. Quelle: SPF
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Duderstadt

Sicher ist das Alter des Bauwerks: Keramikfunde in direkter Umgebung ermöglichen eine Datierung auf die Zeit um 1200.

In Kontakt mit zahlreichen Experten

Seit der Entdeckung der Mauerreste ist Sauerland in Kontakt mit zahlreichen Experten. Bislang habe keiner eine derartige Konstruktion gesehen. „Es gibt drei Vermutungen: Eine Korntrocknungsanlage oder einen Zusammenhang mit einer Brennerei oder Brauerei“, sagt Sauerland. Letzteres wäre eine Sensation, es könnte der erste bekannte Fund dieser Art sein.

Sauerland ist zurückhaltend, den Begriff Sensation nimmt er nicht in den Mund. Er spricht von einer „bisher unbekannten Anlage“ und „spannenden Befunden“. Merkmale des Bauwerks sind eine einschalige, das heißt aus einer Reihe Steine bestehende Umrandung, Brandspuren und Reste verbrannten Getreides auf der einen Seite des Bauwerks, weitere Brandspuren, offenbar ein Feuerraum, auf der anderen Seite. Die Anlage misst vier Mal einen Meter und liegt eineinhalb Meter unter dem heutigen Straßenniveau.

Erweiterungspark für Senioren-Wohnheim geplant

Bis zum Abriss im Mai stand an dieser Stelle das Hotel Deutsches Haus. Hier soll ein Erweiterungsbau für das Senioren-Wohnheim Am Park entstehen. Im Zuge der Bauarbeiten kamen zahlreiche Reste früherer Bebauung zutage. Seit Mai untersucht Sauerland die Baugrube und ist immer wieder fündig geworden. „Massive hochmittelalterliche Aktivitäten“ hat er auf der gesamten Fläche festgestellt. Neben Keramikscherben und teils erhaltener Pfosten sei der spektakulärste Fund ein Knochenkamm, sagt Sauerland.

Endgültige Freilegung am Freitag

Die unbekannte technische Anlage wurde am Freitag endgültig freigelegt. Sie wurde mittels eines Laserscanners vermessen und erfasst. Vermessungsingenieur Daniel Stier ist mit Spezialgerät auf der Baustelle aktiv. Die von Stier gesammelten Daten ermöglichen es, am Computer ein dreidimensionales Modell der Anlage zu erstellen. Schicht für Schicht wurde sie dazu während des gestrigen Tages abgetragen, immer wieder per Laserscanner vermessen, die Steine nummeriert und verpackt. Sie werden beim Bauhof eingelagert, „um die Anlage vielleicht irgendwann im Original wieder aufbauen zu können“, erklärt Sauerland.

Derzeit gehe es lediglich um die Datenaufnahme. Deren Interpretation und weitere Recherchen zu Zweck und Funktion der Anlage seien erst später möglich. „Klar werde ich weiter recherchieren“, sagt Sauerland. Für aufwendige Untersuchungen müsse jedoch ein Geldgeber gefunden werden.

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Der Kreisel am Neutor in Duderstadt wird ab dem heutigen Montag für mehrere Monate teilweise voll gesperrt. Der östliche Bereich der Anlage samt einem Teilstück des abgehenden Ebertrings kann aufgrund von Straßenbauarbeiten nicht befahren werden.

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