Duderstadt erinnert sich an Inge Sielmann. Am 28.4. wäre sie 90 geworden
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Duderstadt Am 28. April 2020 wäre Inge Sielmann 90 Jahre alt geworden: Duderstädter Weggefährten erinnern sich
Die Region Duderstadt Am 28. April 2020 wäre Inge Sielmann 90 Jahre alt geworden: Duderstädter Weggefährten erinnern sich
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07:00 28.04.2020
Ehrenplatz an der Wand: Foto von Stephanie Schmitz, Leiterin des Inge-Sielmann-Kindergartens in Fuhrbach, mit der Namensgeberin der städtischen Einrichtung. Quelle: R
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Duderstadt

Im vergangenen Jahr ist Inge Sielmann kurz vor ihrem 89. Geburtstag gestorben. Gut 400 Menschen hatten in Duderstadt an der Trauerfeier teilgenommen, bevor die Urne an der Seite ihres Mannes Heinz Sielmann in der Franz-von-Assisi-Kapelle auf Gut Herbigshagen bestattet wurde. Am 28. April wäre Inge Sielmann 90 Jahre alt geworden.

Die Heinz Sielmann Stiftung erinnert aus diesem Anlass an das Leben und Wirken der engagierten Naturschützerin und Stifterin sowie ihre Rolle an der Seite des berühmten Tierfilmers Heinz Sielmann. Darüber hinaus hat das Tageblatt Menschen aus der Region gefragt, welche Erinnerungen sie an Inge Sielmann haben.

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Wolfgang Nolte: „Vertraute und Freundin“

„Was Ottobock und Familie Näder im wirtschaftlichen Leben für uns bedeuten, ergänzen die Sielmann-Stiftung und das Stifter-Ehepaar im Natur- und Umweltbereich“, sagt der frühere Duderstädter Bürgermeister Wolfgang Nolte. „Heinz Sielmann, der große und begnadete Tierfilmer, der unerschrockene Mahner, der Visionär und glühende Optimist und an seiner Seite die blitzgescheite starke Frau, die ihn optimal ergänzte, immer wieder erdete und mehr und mehr zur tragenden Stütze der mutigen und Kraft fordernden Stiftungsarbeit wurde.“

Inge Sielmann – ihr Leben in Bildern

Zu beiden Persönlichkeiten habe sich seit 1994 „ein vertrauensvolles Miteinander und nach und nach eine tiefe Freundschaft entwickelt, geprägt von hoher Wertschätzung und absoluter Verlässlichkeit“, betont Nolte. In Erinnerung an Inge Sielmann spricht Nolte von einer „starken, charismatischen und kraftvollen Frau“, und er nennt sie „die große Dame des deutschen Natur- und Umweltschutzes“ sowie „eine Vertraute und Freundin“.

Stephanie Schmitz: „Wie eine Mutter“

Eine sehr intensive Beziehung zu Inge Sielmann hatten die Kinder und Mitarbeiter des städtischen Kindergartens in Fuhrbach. Der trägt seit 2000 den Namen von Inge Sielmann. Als Patin der Einrichtung habe sie sich „sehr intensiv“ und stets um die Belange des Kindergartens gekümmert, sagt Leiterin Stephanie Schmitz, die über all die Jahre eine enge persönliche Beziehung zu Inge Sielmann gehabt und mit ihr regelmäßig in Kontakt gestanden habe.

Sielmann habe die Einrichtung in Fuhrbach stets besucht, wenn sie auf Gut Herbigshagen war. Oft habe Sielmann ihren Geburtstag im Kindergarten gefeiert und dabei meist auch Geschenke für die Kinder mitgebracht. „Das war ihr sehr wichtig.“ Inge Sielmann sei eine „ganz lebenslustige, frohe und liebenswerte Frau“ mit einer immer positiven Ausstrahlung gewesen, „wie eine Mutter“, beschreibt die Leiterin des Inge-Sielmann-Kindergartens den Charakter der Kindergarten-Patin.

Christel Wemheuer: „Nie im Schatten gestanden“

„Ich bewundere, dass eine Frau aus dieser Generation als Team mit ihrem Mann solch eine Lebenslust erlebt hat“, sagt Christel Wemheuer, Umweltdezernentin des Landkreises Göttingen, über Inge Sielmann. Dabei habe sie nie im Schatten von Heinz Sielmann gestanden, sondern sei immer als Partnerin an seiner Seite gewesen, sagt Wemheuer. Beeindruckt zeigt sich die Umweltdezernentin außerdem von Inge Sielmanns Engagement, Kinder und Jugendliche an die Themen Natur und Artenschutz heranzuführen – und das zu einer Zeit, als die Themen bei den Bürgern noch nicht den Stellenwert hatten, den sie heute haben, so Wemheuer weiter: „Das ist Gold wert.“

Gerald Werner: „Eine Frau mit besonderer Ausstrahlung“

Er habe Inge Sielmann als eine „bewundernswerte und kluge Person“ erlebt, sagt Gerald Werner, Kämmerer der Stadtverwaltung und mit Inge Sielmann nach eigenen Angaben „über lange Jahre in Kontakt“. Sie sei „eine tolle Frau, wie wusste, was sie will“, so Werner. Zudem erinnert er sich an sehr angenehme persönliche Kontakte. „Sie hatte eine besondere Ausstrahlung.“

Fritz Brickwedde: „Ihre Visionen sind unsere Motivation“

Inge und Heinz Sielmanns Grundsatz „Naturschutz als positive Lebensphilosophie“ und deren Optimismus leiten die Mitarbeiterinnen der Stiftung auch nach dem Tod des Stifterehepaares. „Wir vermissen Inge und Heinz Sielmann schmerzlich. Doch die Aufgabe, ihr Erbe fortzuführen, treibt uns im Einsatz für den Naturschutz weiter an. Ihre Visionen von einer nachhaltigen Welt und dem Einklang von Natur und Mensch sind unsere Motivation für die tägliche Arbeit“, erklärt Fritz Brickwedde, Vorsitzender des Stiftungsrats der Heinz Sielmann Stiftung.

Inge Sielmann sei „eine kluge und umsichtige Wegbereiterin für den Naturschutz in Deutschland“ gewesen, heißt es in einer Mitteilung der Stiftung. „Mit ihrem Mut, ihrer Besonnenheit und ihrem Weitblick inspirierte sie viele Menschen.“

Stationen im Leben von Inge Sielmann

1930: geboren in Hamburg

1948 bis 1951: Volontariat beim Nordwestdeutschen Rundfunk

1951: Eheschließung mit Heinz Sielmann

1994: Gründung der Heinz Sielmann Stiftung

2000: Namensgeberin für den Kindergarten in Fuhrbach

2004: Verleihung des Verdienstkreuzes erster Klasse des Niedersächsischen Verdienstordens, Verleihung des „Brandenburger Naturschutzpreis 2004“

2005: Ehrenring in Gold der Stadt Duderstadt

2006: Heinz Sielmann stirbt und wird in der Franz-von-Assisi-Kapelle auf Gut Herbigshagen bei Duderstadt beigesetzt.

2007: Namensgeberin für die „Inge-Sielmann-Grundschule“ in Milow, Brandenburg

2007: Thüringer Ehrenbriefes

2017: Ehrenvorsitzende des Stiftungsrats der Heinz Sielmann Stiftung

2017: 25. Deutscher Umweltpreis (gemeinsam mit Dr. Kai Frobel und Prof. Dr. Hubert Weiger). Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreicht die Auszeichnung.

2019: am 25. März, wenige Tage vor ihrem 89. Geburtstag stirbt Inge Sielmann. Ihre letzte Ruhestätte ist ebenfalls in der Franz-von-Assisi-Kapelle auf Gut Herbigshagen.

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Sie erreichen die Autorin per E-Mail an b.eichner-ramm@eichsfelder-tageblatt.de oder unter Telefon 05527/9499712.

Von Britta Eichner-Ramm

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