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Duderstadt Duderstadt im Fokus angehender Stadtplaner
Die Region Duderstadt Duderstadt im Fokus angehender Stadtplaner
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07:00 24.08.2018
Kevin Basei Welti (l.) und Lennart Lindner haben sich mit ihrer Hausarbeit mit dem Thema demografischer Wandel der Kleinstadt Duderstadt befasst.
Kevin Basei Welti (l.) und Lennart Lindner haben sich mit ihrer Hausarbeit mit dem Thema demografischer Wandel der Kleinstadt Duderstadt befasst. Quelle: Taillebois
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Duderstadt

 Mit Duderstadt 2030 wurde „ein effektives Werkzeug gegen die Langzeitauswirkungen des demografischen Wandels geschaffen“. Das ist das Fazit, zu dem die beiden Studenten der Universität Kassel, Lennart Lindner und Kevin Basei Welti, im Rahmen ihrer vor wenigen Tagen abgegebenen Hausarbeit kommen. Der gebürtige Duderstädter Lindner studiert im vierten Semester Stadt- und Raumplanung in Kassel. Zusammen mit seinem Kommilitonen und Mitbewohner erarbeitete er sich mit der gemeinsamen Hausarbeit die Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens.

Dabei sollten sich die angehenden Stadtplaner im laufenden Semester selbst ein Thema wählen, erklärt Joana Al Samarraie. Die wisschenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet Ökonomie der Stadt- und Regionalplanung betreut die beiden 21-Jährigen. Lindner hatte als Thema vorgeschlagen, am Beispiel Duderstadts zu untersuchen, welchen Einfluss „ein ortsansässiges Großunternehmen auf die Auswirkungen des demografischen Wandels einer Kleinstadt“ besitzt. Dabei richteten die Studierenden ihren Blick auf die Ansätze und Ideen, die Ottobock-Chef Hans Georg Näder bereits 2009 auf den Weg gebracht hat und aus denen die Stadtentwicklungsinitiative Duderstadt 2020 und später der Masterplan Futuring Duderstadt 2030 entstanden sind.

Duderstadt und die Futuring-Ideen von Hans Georg Näder sind der Doktorandin an der Uni Kassel auch nicht fremd. Sie habe seinerzeit als Mitarbeiterin des Hamburger Büros Urbanista die Zukunftskonferenzen im Auftrag von Duderstadt 2020 begleitet und moderiert.

„Spannendes Thema“

Al Samarraie zeigte sich erfreut, dass Lindner und Basei Welti sich dieses „spannende Thema“ für ihre Hausarbeit ausgewählt haben. In der Stadtplanung sei gerade sehr aktuell, wie sich mit Blick auf den demografischen Wandel der ländliche Raum stärken lasse, sagt sie. Eine gute Lebensqualität, Arbeitsplätze und eine entsprechende Infrastruktur –das Gesamtpaket stärke zum einen eine Region und werde den wachsenden Ansprüchen der Arbeitnehmer an ihren potenziellen Wohn- und Arbeitsort gerecht. Gebe es in einer Stadt einen Förderer wie Näder in Duderstadt, habe sie gute Chancen für die Zukunft und könne punkten. Aber, so Al Samarraie weiter, die Übertragbarkeit auf andere ländliche Regionen sei schwierig.

Fragebogen auf Facebook

Genau die Frage, inwieweit der Duderstädter Planungsprozess für andere Kommunen in einer ähnlichen Situation hilfreich sein könnte, hätten sie mit ihrer Arbeit genauer untersuchen wollen, erklärt Lindner. Sie starteten eine empirische Erhebung in Form einer Befragung der Duderstädter Bevölkerung, um deren Wahrnehmung und Resonanz auf die geplanten Maßnahmen herauszufinden. Lindner und Basei Welti konzipierten einen Fragebogen, den sie über die Facebook-Gruppe „Duderstadt und Untereichsfeld“ im Juli publizierten. 50 der etwa 2500 Mitglieder der Gruppe antworteten den angehenden Stadtplanern. Das sei nicht wirklich repräsentativ, sagt Lindner, zumal sich in der Auswertung gezeigt habe, dass die Altersgruppen der 13- bis 18-Jährigen und der 70-Jährigen (und älter) „nicht erreicht wurden“ und die Daten so nicht verallgemeinert werden könnten. Selbstkritisch fügt der gebürtige Duderstädter hinzu, dass sie mit ihrem Fragebogen im Nachhinein „nicht ganz zufrieden“ gewesen seien. „Da hätten wir mehr rausholen können“, sagt der 21-Jährige, der 2015 am Eichsfeldgymnasium Abitur gemacht hat.

Aber immerhin, die anfangs formulierte These, dass eine allgemeine Attraktivitätspolitik Kommunen die einzige Möglichkeit biete, ein Bevölkerungswachstum zu erzeugen, konnten Lindner und Basei Welti untermauern: Mit Duderstadt 2030 sei ein „effektives Werkzeug gegen die Langzeitauswirkungen des demografischen Wandels geschaffen“ worden. Duderstadts „Planungstaktik“ sei dem Fazit der Studierenden zufolge, „gerade wegen der breiten Aufstellung des Maßnahmenpakets und der Nähe zu den Bewohnern in Form von Zukunftswerkstätten und Konferenzen sehr gut aufgestellt“.

Auswertung der Befragung

50 Fragebogen haben Lindner und Basei Welti auf ihren Facebook-Aufruf zurückbekommen und ausgewertet. 70 Prozent der Teilnehmer an der Umfrage waren Männer, der Anteil der 13 bis 30-Jährigen betrug den Ausführungen der beiden angehenden Stadtplaner zufolge 38 Prozent, größte erreichte Altersgruppe sei die der 30- bis 55-Jährigen mit 46 Prozent, zu den 55- bis 70-Jährigen gehörten 16 Prozent. Mehr als die Hälfte (52 Prozent) derer, die geantwortet haben, seien über die lokalen Printmedien auf das Planungsprojekt (Masterplan Futuring Duderstadt 2030) aufmerksam geworden.

Als „besonders relevante Maßnahmen“ seien der Auswertung der Studierenden zufolge die Erstellung eines „E-Mobilitätskonzepts“, die Bereitstellung kostenlosen WLANs für die Attraktivität der Marktstraße und auch das Jugendquartier mit vielseitigen Nutzungsangeboten betrachtet worden. „Eher skeptisch betrachtet wird die Idee eines kommunalen Car-Sharing-Systems sowie die Idee, eine Gondelbahn als Anbindung der Heinz-Sielmann-Stiftung an die Innenstadt“, heißt es in der Auswertung weiter. Und schließlich, so fassen Lindner und Basei Welti zusammen, werde die „Führungsrolle“ von Hans Georg Näder im planerischen Kontext von 60 Prozent der Befragten als „angemessen“ betrachtet. 75 Prozent könnten sich Näders „Visionen sehr gut vorstellen“.

Von Britta Eichner-Ramm

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