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Duderstadt Duderstadt überdenkt Absage an Windkraft
Die Region Duderstadt Duderstadt überdenkt Absage an Windkraft
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13:08 24.03.2014
Von Ulrich Lottmann
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Duderstadt

Einstimmig votierte der Rat für einen entsprechenden Antrag von Ratsherr Hans Georg Schwedhelm (Grüne).

Die Debatte über den Antrag war trotz letztlich einhelliger Zustimmung nicht frei von Widerspruch und Polemik. Dabei mühte sich Schwedhelm in seiner Antragsbegründung um eine sachliche Auseinandersetzung. „Es ist eine sehr komplizierte Diskussion“, räumte er mit dem Hinweis auf die aktuelle Debatte in der Samtgemeinde Gieboldehausen ein.

Zur Erreichung der nationalen und internationalen Klimaschutzziele sei die Nutzung der Windkraft jedoch zentral. Und wenn große Freilandlandleitungen für den Stromtransport vermieden werden sollten, „müssen die Windräder überall vor Ort sein“, argumentierte Schwedhelm. Er untermauerte das mit Zahlen zum Kohlendioxidausstoß als wesentlichem Faktor bei der Erderwärmung.

Er wolle lediglich eine Diskussion anstoßen, suchte der Ratsherr seinen Antrag einzuordnen. Es gehe ihm unter anderem um die Prüfung möglicher Standorte, führte er aus und fügte hinzu: Es gebe Standorte im Bereich der Stadt, wo Windräder gebaut werden könnten, ohne dass sie von einem Ort aus zu sehen seien.Seine Bemerkung, „ich war im Bereich Fuhrbach, Brochthausen, Langenhagen unterwegs“, provozierte gleich den Einwurf Lothar Kochs (CDU), „da werden nie Windräder gebaut. Darauf können Sie sich verlassen“.

Unterstützung erhielt Schwedhelm von Matthias Schenke (SPD). „Es spricht überhaupt nichts dagegen, dieses Thema anzufassen.“ Er erinnert an gründliche Planungsverfahren, die sachliche Einwände berücksichtigen würden, und plädierte für Offenheit gegenüber der Windkraft. Sie werde bislang ausgegrenzt, „das wäre keiner anderen Industrieform in Duderstadt passiert“.

Zur Sachlichkeit mahnte auch Lothar Dinges (WDB). Er verstehe den Schwedhelm-Antrag als Initialzündung und urteilte: „Es ist eine Pflicht, dass wir dieses Thema diskutieren.“ Da lohne es auch, kontrovers zu debattieren. „Die CDU-Fraktion wird sich dieser Diskussion stellen“, machte Fraktionschef Hans-Helmut Herbold klar. Er erinnerte daran, dass es aktuell um die Überweisung des Schwedhelm-Antrags in die Ausschüsse gehe, bevor der Rat dem einstimmig zustimmte.

► Kommentar: Vorbild Franklin

Die Entdeckung der Langsamkeit heißt ein Roman Sten Nadolnys. Dessen Protagonist John Franklin, wegen seiner Langsamkeit verspottet, meistert durch Gründlichkeit und eisernen Willen unüberwindlich wirkende Widerstände.

Diesem Vorbild scheint man im Rat zu folgen, wenn bei brisanten Themen wie Windkraftanlagen langwierige Ausschussberatungen und umständliche Planungsverfahren als Königsweg für Entscheidungen propagiert werden.

Und so falsch ist das nicht. In einer auf ökonomische Effizienz getrimmten Welt mögen Ausschusssitzungen und bürokratische Verfahren als hinderlich und schwerfällig erscheinen, Zeit ist Geld.

Doch Zeit ist auch unabdingbar, wenn Meinungen gehört, Gegner überzeugt oder Pläne geändert werden sollen. Zeit ist ein entscheidendes Element von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, gerade auf kommunaler Ebene mit Mandatsträgern im Ehrenamt.

Der Rat der Samtgemeinde Gieboldehausen macht es vor. Er lässt sich – siehe Windpark oder EWB – nicht unter Druck setzen, sammelt Informationen, behält sich eine spätere Entscheidung vor.

Das gleiche Muster nun im Duderstädter Rat. Die Fraktionen einigen sich auf mehrstufige Beratungen, geben Raum für Argumente.

Das ist kein Stoff für einen Roman, aber zumindest das Ratsprotokoll hätte für den Protagonisten Hans Georg Schwedhelm diesmal einen lyrischen Titel verdient: Lohn der Beharrlichkeit.

Ulrich Lottmann