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Duderstadt Duderstadts Bürgermeister verkündet Rückzug
Die Region Duderstadt Duderstadts Bürgermeister verkündet Rückzug
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20:52 05.02.2019
Bürgermeister Wolfgang Nolte vor dem Stadthaus. Quelle: Niklas Richter
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Duderstadt

„Alles hat seine Zeit“, formulierte Nolte in seiner Erklärung, über die er am Dienstag zunächst die Mitglieder des Verwaltungsausschusses des Rates und anschließend auch öffentlich informiert hat. „Insofern steht mein Entschluss – auch wenn er mir nicht leicht gefallen ist – nach fünfjähriger Amtszeit in meiner jetzigen Wahlperiode die mir von unseren Bürgern übertragene Aufgabe zurückzugeben“, heißt es in Noltes Text. Ein konkretes Datum, wann er den Chefsessel im Duderstädter Stadthaus verlässt, nannte er nicht. Nach Rücksprache mit der Kommunalaufsicht und dem Rat der Stadt werde der Zeitpunkt konkretisiert, sagte Nolte und grenzt das auf Ende Oktober, Anfang November ein.

„Kein leichter Entschluss“

Es sei kein leichter Entschluss gewesen, betonte Nolte, der seit gut 30 Jahren die Aufgaben des Stadtdirektors, später des Bürgermeisters „sehr gern und mit nach wie vor großem Engagement und viel Heimatliebe (...)“ wahrnehme. Es habe keine Ereignisse, Sachentscheidungen oder Auseinandersetzungen gegeben, die zu seinem Entschluss geführt hätten. Vielmehr sei es „ein von mir ganz persönlich gesetztes Datum“ gewesen. „Man sollte selbstbestimmt gehen,“ sagte Nolte, „und nicht erst, wenn man gefragt wird“. Er erhoffe sich mit Blick auf seine Frau und die Familie „ein bisschen mehr Gestaltungsspielraum“.

Der Zeitpunkt seiner Erklärung biete Nolte zufolge für die notwendigen Schritte für die Nachfolgeregelung ausreichend Zeit. „Ich wünsche mir, dass es nahtlos und gut weiter geht“, betonte der Verwaltungschef. Bis dahin werde die inhaltliche Arbeit in gleicher Weise weitergehen, kündigte er an.

Termin für Neuwahl

„Bis zum Ende meiner Amtszeit möchte ich mit Ihnen gern und hochmotiviert in bewährter Weise für unsere Stadt, das Eichsfeld und unsere gemeinsame Heimatregion weiterarbeiten“, heißt es in Noltes Erklärung weiter. Verwaltungsausschuss und Rat werden in Absprache mit dem Landkreis als Kommunalaufsicht nun einen Termin für die Neuwahl des Bürgermeisterpostens in Duderstadt festlegen. Der Verwaltungsausschuss tagt am 6. März, der Rat soll planmäßig am 14. März wieder zusammentreten.

„Das Leben geht weiter“, sagte der 71-Jährige, „und es gibt nicht den Hauch von Verärgerung und Traurigkeit“. Es sei eine phantastische Zeit gewesen, die er habe gestalten können.

Wolfgang Nolte wurde am 21. Mai 1947 im Duderstädter Krankenhaus St. Martini geboren. Er besuchte die Volksschulen in seinem Heimatort Tiftlingerode und in Duderstadt, anschließend das Gymnasium für Jungen.

Seine berufliche Laufbahn begann 1962 mit der Verwaltungsausbildung bei der Stadt Duderstadt. Er blieb der Stadt Duderstadt treu, stieg in leitende Positionen auf. Mit Ausscheiden seines Vorgängers im Amt, Karl Krutenberg, wurde Nolte 1988 vom Rat der Stadt Duderstadt erstmals zum Stadtdirektor gewählt. Im Jahr 2000 folgte die Wiederwahl.

2001 wurde in Niedersachsen die sogenannte Eingleisigkeit eingeführt, wobei Rats- und Verwaltungsspitze zusammengeführt wurden. 2001 wurde der CDU-Kandidat Wolfgang Nolte als hauptamtlicher Bürgermeister der Stadt Duderstadt gewählt, wiedergewählt wurde er 2006 und 2014.

In der CDU ist Nolte seit vielen Jahren. Weiterhin übt er in zahlreichen Stiftungen, Vereinen, Verbänden und Körperschaften verschiedene Ämter aus. Unter anderem ist er im Stiftungsrat der Heinz Sielmann Stiftung, im Präsidium des Niedersächsischen Städtetags, im Verbandsvorstand des Niedersächsischen Sparkassenverbands sowie Vorsitzender des Verwaltungsrates und Verbandsgeschäftsführer des Zweckverbands der Sparkasse Duderstadt, Vorsitzender im Aufsichtsrat der Eichsfelder Wirtschaftsbetriebe, Geschäftsführer der Niedersächsischen Landesausstellung Natur im Städtebau (LNS), Vorstand im Landschaftsverband Südniedersachsen sowie Aufsichtsrat beim Energieunternehmen Harz Energie, Vorstandsmitglied beim Verein Grenzlandmuseum Eichsfeld und Kuratoriumsvorsitzender der Bürgerstiftung Duderstadt. be

Reaktionen auf die Erklärung Noltes

Für die meisten ist die Ankündigung des Duderstädter Bürgermeisters, sein Amt im Herbst abzugeben, überraschend gekommen. Aus Reihen der Politik wird Wolfgang Nolte (CDU) dafür Respekt gezollt.

Landrat Bernhard Reuter (SPD) Quelle: Pförtner

„Der Rückzug von Wolfgang Nolte ist eine Zäsur“, kommentierte der Göttinger Landrat Bernhard Reuter, der zeitgleich mit dem Duderstädter Verwaltungsausschuss Noltes schriftliche Erklärung erhielt. Reuter weiter: „Er ist ein ungewöhnlich erfolgreicher Bürgermeister und hat unbestreitbar in einer langen Amtszeit viel für Duderstadt erreicht. Persönlich schätze ich ihn für seine Integrität und sein hohes Engagement. Zuletzt ist ihm der Rat in der von ihm exzellent für Duderstadt verhandelten Fusion der Sparkassen nicht gefolgt. Umso mehr verdient seine Entscheidung Respekt.“

„Eine Kiste an Erinnerungen“

Lothar Koch (CDU), stellvertretender Bürgermeister in Duderstadt Quelle: Christina Hinzmann

Nicht überraschend kam die Mitteilung Noltes für dessen langjährigen Weggefährten und Stellvertreter Lothar Koch (CDU). Es sei schon „eine Kiste an Erinnerungen und Erlebnissen“, die ihn über Jahrzehnte mit Wolfgang Nolte verbänden, sagte Koch. Es seien viele Entscheidungen getroffen worden, wobei immer die Regeln des fairen und menschlichen Anstands gewahrt worden seien. „Ich bedaure das“, betonte Koch und zollte Nolte „Respekt für seine Entscheidung“. Er sei überzeugt, dass Nolte die Hände nicht in den Schoß legen werde, zumal dieser sich „vollster Gesundheit“ erfreue, ergänzte Koch.

Der Duderstädter Bürgermeister Wolfgang Nolte wurde 1988 zum Stadtdirektor der Stadt Duderstadt vom Rat der Stadt gewählt – damals erhielt er 30 Ja- und fünf Nein-Stimmen. 2000 wurde er in der Funktion des Stadtdirektors wiedergewählt. 2001 stellte er sich dann als hauptamtlicher Bürgermeister den Duderstädtern zur Wahl. Fünf Kandidaten gab es damals. CDU-Mann Nolte erzielte 64,8 Prozent der Stimmen und wurde gewählt. Seine Mitbewerber waren Sabine Holste-Hoffmann (18,4 Prozent), die als parteilose Kandidatin antrat, Hanno Meyer (SPD, 7,7 Prozent), Lothar Dinges (WDB, 6,4 Prozent) und Hans-Georg Schwedhelm (Grüne, 3,0 Prozent). Bei der Bürgermeisterwahl im September 2006 hatte Nolte nur einen Gegenkandidaten. Matthias Schenke von der SPD holte 27,5 Prozent, Nolte wurde mit 72,5 Prozent wiedergewählt. Und schließlich trat im Mai 2014 die Einzelbewerberin Viola von Cramon-Taubadel gegen den Amtsinhaber an. Sie erzielte 39,91 Prozent, Nolte ging mit 60,09 Prozent in seine letzte Amtszeit.

„Es wird mit einem neuen Bürgermeister anders“

„Man muss das respektieren und akzeptieren“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende im Rat der Stadt Duderstadt, Andreas Diedrich zur Erklärung Noltes. „Natürlich gehe eine Ära irgendwann zu Ende“, so Diedrich weiter und ergänzte: „Vielleicht hat er noch etwas anderes vor.“ Nolte habe lange zum Wohl der Stadt und der Region gearbeitet. Ein Nachfolger werde es schwer haben, sagte Diedrich. „Es wird mit einem neuen Bürgermeister anders“, sowohl im Rat als auch in der Verwaltung.

Noltes Entscheidung sei zu respektieren, meinte Doris Glahn, SPD-Fraktionsvorsitzende im Rat. „Nach so vielen engagierten Jahren ist es nachvollziehbar, dass sich Wolfgang Nolte neue Ziele setzt“, sagte sie. Das Amt des Bürgermeisters sei ein Amt auf Zeit und die Demokratie leben vom Wechsel, betonte Glahn und prognostiziert „erhebliche Veränderungen“. Immerhin habe Nolte durch die vielen Jahre das Amt deutlich geprägt.

„Zeitpunkt gut gewählt“

Überrascht worden ist der WDB-Fraktionsvorsitzende im Rat und Gegenkandidat Noltes bei den Bürgermeisterwahlen von 2001, Lothar Dinges. Er sagte, „der Zeitpunkt sei gut gewählt, weil er noch viel Zeit hat“. Im Alter von fast 72 Jahren habe Nolte sich das verdient. Und auch Jochen Mitschke, Grünen-Fraktionschef im Duderstädter Rat, zeigte sich überrascht von Noltes Erklärung. „Ich konnte mir das so nicht vorstellen, sonder war überzeugt, dass er die sieben Jahre, die er gewählt ist, auch zu Ende bringt“, kommentierte Mitschke. Dass Nolte nun selbstbestimmt aufhöre, „nötigt mir Respekt ab“, ebenso die „tolle Leistung“ Noltes in den vergangenen 30 Jahren. Mitschke weiter: „In jeder Veränderung liegt auch eine Chance.“

„Sehr schade“

Als „sehr, sehr schade“ bezeichnete der FDP-Fraktkionsvositzende Thorsten Feike Noltes angekündigten Rückzug, denn die Stadt stehe gerade vor großen Aufgaben. Auch sei Nolte ein „alter Hase“, dem es gelungen sei, Möglichkeiten der Unterstützung für die Stadt zu suchen. Dabei habe er seine Verbindungen in die Politik und Wirtschaft genutzt, sagte Feike und bedauerte Noltes Entscheidung. „Ich hätte mir gut vorstellen können, dass er bis zum Ende seiner Amtszeit weiter macht.“

Mehr zur Bürgermeisterwahl von 2014 gibt es auf der Tageblatt-Themenseite.

Die Autorin erreichen Sie unter b.eichner-ramm@eichsfelder-tageblatt.de oder lokales@eichsfelder-tageblatt.de

Von Britta Eichner-Ramm

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