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Duderstadt Duderstädter Bauherren zeigen Beispiele für sensible Sanierung
Die Region Duderstadt Duderstädter Bauherren zeigen Beispiele für sensible Sanierung
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22:30 25.04.2014
Von außen eher schlicht: Scharrenstraße 17. Quelle: Thiele
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Duderstadt

Bei einem Rundgang präsentierten Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU), der Vorsitzende des Förderkreises für Denkmal- und Stadtbildpflege, Hermann Tallau, Architekt Michael Schmutzer und Petra Knöchelmann von der Stadtverwaltung drei Beispiele für kreatives bauliches Engagement innerhalb des Walls.

„Wir wollen deutlich machen, dass man in unserer Innenstadt gut leben und wohnen kann“, erläuterten Nolte und Tallau ihr Anliegen. Unterstützt werde die Bereitschaft zu entsprechenden Sanierungsmaßnahmen durch Mittel aus der Städtebauförderung, in die Duderstadt vor zwei Jahren wieder aufgenommen worden ist.

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78 Projektanträge von Grundstückseigentümern liegen bereits vor, erläuterte Knöchelmann. Drei seien schon bewilligt und fünf kurz vor dem Abschluss. „Wir wünschen uns, dass Duderstadt auch im Inneren noch attraktiver wird und neben den Quartiersinitiativen jetzt auch sehr umfangreich Einzeleigentümer in die Sanierung gehen“, so Nolte.

Zurückführen auf den Urzustand

Ein gutes Beispiel seien die Arbeiten in der Obertorstraße 66, die von der Städtebauförderung begleitet werden. Das 1912 vom Berliner Architekten Freiherr von Tettau errichtete Gebäude ist derzeit eingerüstet.  Vor einem Jahr hat Anja Schmidt das Grundstück erworben. Das Erdgeschoss ist für die Prophylaxepraxis ihres Mannes Dr. Christian Schmidt vorgesehen und im ersten und zweiten Geschoss entstehen Ferienwohnungen.

„Alle Einbauten, die im Laufe der Jahrzehnte dazugekommen sind, werden wieder rausgenommen“, erklärte Architekt Michael Schmutzer. Das Zurückführen auf den Urzustand ist nach seinen Worten ein übliches Vorgehen bei Denkmalen.
Eine besondere Herausforderung sei, dass sich solche Vorhaben energetisch rechnen. „Da wir die Fassade nicht von außen dämmen können, wird sie von innen gedämmt“, sagte der Fachmann und zeigte  auf das vorbereitete Holzständerwerk.

„Dazwischen kommt mit Hanf-Dämmwolle ein natürliches Produkt“, verdeutlichte der Architekt. Damit ein homogener Wandaufbau entsteht, kommen Lehmbauplatten und Lehmputz davor. „Wir stellen das noch besser her, was früher einmal war“, beschrieb er die Philosophie.

Bewusstsein für den historischen Charakter

Für angenehmes Raumklima wird eine Wandheizung sorgen, Lehmplatten dienen als Schallschutz. Akzente sollen die Fenster setzen. Sie befinden sich im Untergeschoss in der Laibung, im Obergeschoss zurückgesetzt weiter vorn. Zum Hof hin wurden in einer Achse die Original-Fenster erhalten, Handwerker haben zusätzlich noch ein inneres Kastenfenster eingebaut, das der Wärmeisolierung dient.

Bewusstsein für den historischen Charakter des Gebäudes spiegelt auch ein Vordach wider, dass mit Ziegeln aus dem Jahr 1911 gedeckt wird. „So etwas kann man nur mit Bauherren machen, die entsprechend sensibel sind“, betonte Schmutzer, nachdem er weitere bautechnische Details gezeigt hatte. Wichtig sei in jedem Fall eine frühzeitige Absprache mit allen Beteiligten wie Brandschutz, Denkmalamt und Bauamt.

Auch ohne Städtebauförderung sind in Duderstadt viele Projekte auf den Wege gebracht worden. Der Rundgang führte in die Scharrenstraße, wo Schmutzer vor sechs Jahren das Haus Nummer 17 erworben hat. Dies verwandelte er in Eigeninitiative und mit viel Liebe zum Detail in ein schmuckes Domizil mit zwei Ferienwohnungen. „Hier kann ich zeigen, was ich als Architekt unter modernem Wohnen in alten Denkmalen verstehe“, beschreibt er seine Motivation.

Reizvolle Gegensätze

Die drei Zimmer im Erdgeschoss verwandelte er in einen großzügigen Aufenthaltsraum mit Wohnzimmer, Esszimmer und Küche, der von den Mietern der Ferienwohnungen gemeinsam genutzt werden kann. Einen Bereich der Wand hat Schmutzer bewusst hinter Glas gelegt, „damit man sehen kann, wie der Aufbau dieses um 1720 errichteten Fachwerkhauses ausgesehen hat“.

Den „total verrotteten“ Innenhof, dessen Wände durch Hinterlassenschaften von Tauben verschmutzt waren, hat er mit einer Holzverschalung ausgestattet. „Das raue Material passt wunderbar zum glatten Beton, diese Gegensätze sind sehr reizvoll.“

Nachdem sich Schmutzer von den Teilnehmern des Rundgangs verabschiedet hatte, führte deren Weg zu einem Haus, das mit der Stadtmauer eine harmonische Einheit bildet. Hinter der Mauer 111 wohnt Sandra Werner-Koch mit ihrem Mann Tobias und den Kindern Ida und Paul.

"Die Stadtmauer wirkt wie eine Klimaanlage"

„In diesem Bereich war ursprünglich der Lagerraum einer Stellmacherei für Holzbohlen, die zur Firma meines Vaters gehörte“, erzählte Ignaz Werner, der das Grundstück an seine Tochter Sandra übergeben hat.
2006 entstand aus dem früheren Wirtschaftsgebäude ein modernes Eigenheim.

„Die Stadtmauer wirkt wie eine Klimaanlage“, lautet eine Erfahrung der exponiert lebenden Familie. Sie schätzt an dem Standort einerseits die zentrale Lage und andererseits die Nähe zur Natur. So bietet der nach Süden Richtung Wall ausgerichtete Garten dem Nachwuchs vielfältige Spielmöglichkeiten. „Schöner kann man eigentlich gar nicht wohnen. Ich würde mit keinem anderen Platz in Duderstadt tauschen wollen“, meint ihr Vater.

Beim diesjährigen Tag des offenen Denkmals in Duderstadt soll am Sonntag, 14. September, die Präsentation von privaten Wohnsituationen einen Schwerpunkt bilden. Eigentümer, die sich daran beteiligen möchten, können Kontakt zu Petra Knöchelmann aufnehmen: Telefon 0 55 27/84 11 38.

Von Axel Artmann