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Duderstadt Duderstädter Maler: Auf den Spuren Heino Zinserlings
Die Region Duderstadt Duderstädter Maler: Auf den Spuren Heino Zinserlings
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19:58 18.02.2014
Alteingesessene Duderstädter Familie: die Geschwister Ernst, Hermine ( später Fotografin) und Heino Zinserling (von links).
Alteingesessene Duderstädter Familie: die Geschwister Ernst, Hermine ( später Fotografin) und Heino Zinserling (von links). Quelle: Richter
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Duderstadt

Das Duderstädter Heimatmuseum zeigt in seiner Schau „Wiederentdeckt!“ jetzt einige typische Werke des Malers, Grafikers und vielseitig begabten Individualisten, der seine Beziehung zur Eichsfelder Herkunftsfamilie bis zuletzt nie ganz abreißen ließ.

„Manchmal kam er uns aus Hamburg besuchen – mit seinem Hilfsmotor-Fahrrad.“ Elsa Zinserling erinnert sich noch gut an den Bruder ihres Schwiegervaters. „Der Heino war ein Eigenbrötler, ein typischer Künstler eben, der leider in sehr bescheidenen Verhältnissen lebte“.

Neben einem Fotoalbum mit persönlichen Erinnerungen an den Onkel ihres Mannes hat sie auch noch einige Bilder des Künstlers in ihrem Besitz. Der Maler und Grafiker Heino Zinserling stammt aus einer alteingesessenen Duderstädter Familie, sein Elternhaus steht in der Haberstraße.

Am 24. Oktober 1891 hier geboren, studierte er zunächst Theologie, wechselte dann aber zur Malerei in München. Wie viele Künstler seiner Zeit, wurde er zum Wehrdienst in den ersten Weltkrieg eingezogen und verwundet. 1919 konnte er aber sein Studium in Kassel fortsetzen.

Kasseler Kunststudium

Aus der Zeit des Kasseler Kunststudiums stammen auch seine Illustrationen für das „Eichsfelder Volksleben“ des Heimatschriftstellers Karl Wüstefeld, 1920 herausgegeben vom Duderstädter Mecke-Verlag.

Zinserling verarbeitete darin Motive aus dem gesamten Eichsfeld für seine Grafiken, manchmal nach der Natur, manchmal nach Postkarten: Szenen des Duderstädter Schützenfestes, die Kapelle am Höherberg oder Motive vom Duderstädter Stadtwall wurden im Buch aufgenommen.

„Die dargestellte Situation vom Stadtwall lässt sich sogar heute noch wiederfinden“, sagt Helmut Mecke, der die Originalvorlagen und weitere Dokumente von seinem Vater Karl als kleines Archiv übernommen hat.

Darunter befindet sich auch ein Brief des damals 28jährigen Zinserling an seinen Vater, in welchem es nicht nur um die Auswahl der Illustrationen für die bevorstehende Veröffentlichung geht:

Brief an den Vater

Heino Zinserling: Eines der letzten Fotos des Künstlers, vermutlich entstanden um 1980.

„Die Buchstaben (…) sind auf dem Umschlag zu eckig; Hätten Sie nicht andere, die dem runden Charakter des Bildes (…) entsprächen? (…) Dazu bitte ich Sie, mir im 2. Bande mehr Freiheit für mein persönliches Empfinden zu lassen. Ich schäme mich sonst, das Buch hinausgehen zu lassen. Kunst soll persönlich sein. (…) So hätte ich gern, wenn Sie das Tabakschnüren u(nd) den Schäfer u(nd) die Frau im Holz verwendeten (…)“.

Aus dem Brief spricht nicht nur großes Selbstbewusstsein, auch Zinserlings Grundüberzeugung, dass Kunst etwas zutiefst Individuelles sein soll, kommt in diesem frühen Zeitzeugnis vor.

Bereits 1922 endete seine Duderstädter Zeit, und Heino Zinserling ging nach Hamburg-Wilhelmsburg. Dort ließ er sich als freischaffender Maler und Grafiker nieder, verdiente sein Geld aber auch mit Auftragsarbeiten wie dem Zeichnen von Landkarten.

Von 1925 bis 1929 studierte er an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg, und anschließend zog es ihn erneut für ein Jahr nach Kassel zu einem Bildhauerkurs. Mittlerweile war er ein anerkannter Maler und Grafiker, und seine teilweise prämierten Werke wurden in USA, in Italien oder Monaco gezeigt.

Engagement und Leidenschaft

Er fand Eingang in Künstlerlexika, engagierte sich als Fotograf, leidenschaftlicher Portraitzeichner und Kunstlehrer. Als dunkler Fleck zeigt sich in seiner Biographie die Mitgliedschaft in der SA. Doch erscheint es eher unwahrscheinlich, dass der spätere Ostermarschierer und Gegner von Atomwaffen den wahren Kern der Organisation erkannte.

Zinserling war zweimal verheiratet, blieb aber kinderlos. Lange bewohnte er in Wilhelmsburg eine Jugendstilvilla und weigerte sich lange, sie für den Abriss und anschließenden Neubau einer Schwimmhalle zu räumen. Er starb Pfingsten 1980 mit fast 89 Jahren. 

In der aktuellen Duderstädter Ausstellung sind Portraitzeichnungen Zinserlings von 1922 bis 1969 zu sehen. „Sie zeigen eine große Kunstfertigkeit auf diesem Gebiet und geben einen kleinen Einblick in die Technik der Lithografie“, sagt Sandra Kästner vom Duderstädter Heimatmuseum.

Sehr gegensätzlich in der künstlerischen Ausführung erscheinen im Vergleich dazu die Gemälde. Wer sich selbst ein Bild von Heino Zinserling machen möchte, hat dazu noch bis Ende März Gelegenheit. Öffnungszeiten: freitags bis sonntags 11 bis 16 Uhr.

Von Birgit Freudental

Für eine Sonderausstellung werden Werke von Zinserling gesucht: Kontakt Sandra Kästner, Telefon: 0 16 0/96 96 46 92