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Duderstadt Duderstädter Malteser helfen im Herzberger Pflegeheim
Die Region Duderstadt Duderstädter Malteser helfen im Herzberger Pflegeheim
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09:00 08.04.2020
„Schwesterntracht“ in Zeiten von Corona: Malteser aus Duderstadt in der Villa Juesheide in Herzberg.
„Schwesterntracht“ in Zeiten von Corona: Malteser aus Duderstadt in der Villa Juesheide in Herzberg. Quelle: r
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Duderstadt/Herzberg

Im Alten- und Pflegeheim Villa Juesheide in Herzberg sind vergangene Woche 17 von 36 Bewohner sowie sieben Beschäftigte positiv auf das Coronavirus getestet worden. Daher wuchs kurzfristig der Personalbedarf. Die Duderstädter Malteser-Tagespflege für Menschen mit Demenz half aus: Drei Helferinnen reisten am 31. März in Herzberg an – auf Bitten des Landkreises Göttingen hin. Bis Montag blieben sie in der Herzberger Einrichtung.

In der Villa Juesheide trägt der Kampf gegen das Virus die Farbe Blau. In ihren dichtgeschlossenen, marineblauen Anzügen mit weißem Mundschutz sind die drei Helferinnen von den Maltesern, Sandy Krüger, Anneliese Sander und Dagmar Müller (alle Namen auf Wunsch geändert) kaum auseinander zu halten. Sie verfolgen auch das gleiche Ziel: Alten, teilweise pflegebedürftigen Menschen über die Zeit der Coronakrise zu helfen und sie – und sich selbst – dabei gesund zu halten. Die Leiterin der Duderstädter Malteser, Jacqueline Haase, konnte ihre Mitarbeiterinnen nach Herzberg schicken, da ihre Tagespflegeeinrichtung am 18. März schließen musste.

Trennung von Infizierten und Nicht-Infizierten

Nachdem im stationären Alten- und Pflegeheim Villa Juesheide einige der Bewohner positiv auf das Coronavirus getestet wurden, mussten die infizierten von den nicht-infizierten Bewohnern getrennt werden. Alle Pflegekräfte des Heimes waren nun in der Betreuung der Coronavirus-positiven Bewohner gebunden. Die noch Gesunden verlegte die Heimleitung in den frisch renovierten Villenbau, wo sie von externen Pflegekräften betreut wurden, in der Spätschicht von den Duderstädter Maltesern.

„In Herzberg wurden die Frauen ins kalte Wasser geworfen“, heißt es vonseiten der Malteser. Der Villenbau aus dem Jahre 1905 war zwar gerade frisch renoviert, aber noch nicht komplett eingerichtet. Mit 18 gesunden Bewohnern zogen die Malteser in die neuen Räume und standen dort vor einer doppelten Herausforderung: Zum einen mussten sie sich räumlich einrichten, zum anderen mit der Pflege teilweise schwer pflegebedürftiger Patienten vertraut machen. „Wir haben hier Vollpflegepatienten und auch demente Bewohner, das volle Programm“, erklärt Sander als ausgebildete Alltags- und Demenzbegleiterin. „Wenn man bisher in der Tagespflege gearbeitet hat, ist das eine enorme Herausforderung.“

Eine unverständliche Schwesterntracht

Herausfordernd sei auch Eines gewesen: Wie erklärt man teilweise dementen Menschen die gewöhnungsbedürftige „Schwesterntracht“? „Wenn man diese Patienten ruhig und freundlich anspricht, es langsam angehen lässt, dann verstehen die das auch“, sagt Gesundheits- und Krankenpflegerin Krüger.

Schnell wurde den Pflegerinnen klar: Pflegewissen allein reicht nicht aus. Sie müssten zudem in der Lage sein, betagten Menschen ihre Isolation zu erklären und sie darüber hinwegzutrösten – und sogar den Essensdienst übernehmen. Die Küchenkräfte hätten nämlich nicht ins Haus gedurft. „Wir machen hier alles, von der Küchenfee bis zur Psychologin“, bringt es Sander auf den Punkt.

Dabei mussten die Frauen ihre eigenen Sorgen zurückstellen: Krüger hat eine zweijährige Tochter und Müller versorgt zuhause ihre Eltern. „Die Frauen sind zusammengewachsen in diesen Tagen“, fassen die Malteser zusammen. „Ganz besondere Schätze haben die Malteser da in ihrem Team“, lobt Andreas Kern, Geschäftsführer der Villa Juesheide und Pflegedienstleiterin Carla Heidemann betont, die Malteser hätten die Villa innerhalb der ersten Tage überhaupt erst bewohnbar gemacht und sich dabei wunderbar eingebracht. „Eine tolle Truppe.“

Richtlinien in Alten- und Pflegeheimen

Die Nachrichten von Infizierten in Alten- und Pflegewohnheimen in Göttingen und Herzberg haben in der vergangenen Woche für Erschrecken gesorgt. Im Landkreis Göttingen wurden daher Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus beschlossen. Die Betreiber der Heime verschärften ihre Vorschriften zum Schutz gegen Covid 19-Infektionen. Außerdem gab es am vergangenen Montag, 30. März, neue Richtlinien des Landes Niedersachsen für Seniorenheime, um die Risikogruppe der alten Menschen vor Covid 19-Erkrankungen besonders zu schützen.

„Wir müssen alles dafür tun, das Infektionsrisiko bei Bewohnern und Mitarbeitern so gering wie möglich zu halten“, erklärte Kai Osterhorn, Leiter des Seniorenzentrums Göttingen, vergangene Woche. Die Einrichtung am Ingeborg-Nahnsen-Platz nehme neue Bewohner nur auf, wenn sie ein negatives Corona-Testergebnis vorweisen können und bereit sind, für die ersten 14 Tage im Seniorenzentrum in ihrem Einzelzimmer zu bleiben. Nachdem im Seniorenzentrum der Speisesaal bereits geschlossen worden ist, sollte auch die „konsequente Trennung der Wohnetagen“ erfolgen.

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Von Anja Semonjek / r