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Duderstadt Duderstädter SPD kritisiert LNS-GmbH
Die Region Duderstadt Duderstädter SPD kritisiert LNS-GmbH
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00:31 02.05.2014
Von Nadine Eckermann
Kiosk im Duderstädter Stadtpark: Seit rund zwei Jahren fließen keine Pachteinnahmen für das Fachwerkhäuschen. Quelle: Lüder
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Duderstadt

Jedes Jahr im Sommer macht die Stadt Duderstadt im Stadtpark Kultur: Tanzdarbietungen von Hip-Hop bis Jazz-Dance, Konzerte von Shanty bis Schürzenjäger, Kreatives für Kinder und Gottesdienste unter freiem Himmel – bei einigen Angeboten können Besucher ins Schwitzen geraten.

Dann kommt Durst auf, vielleicht auch der kleine Hunger – und der Kiosk rückt in den Blick. Das gastronomische Angebot im LNS-Park ist an heißen Tagen des Kultursommers beinahe so wichtig wie die Veranstaltungen selbst.

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Daher fragt sich der Duderstädter Ortsverein der SPD, warum für den Kioskbetrieb seit dem Jahr 2012 keine Pacht mehr erhoben worden sei. Fraktionsvorsitzende Doris Glahn: „Für den Gastronomiebetrieb auf dem LNS-Gelände existieren weder ein Pachtvertrag noch Pachteinnahmen.“

Vertrag mit Vorpächterin gekündigt

Der Vertrag mit der Vorpächterin sei „zum lukrativen Jahr 2012“, dem Jahr, in dem der Tag der Niedersachsen in Duderstadt stattfand, gekündigt worden. Seit diesem Jahr gingen der Stadt Duderstadt, deren 100-prozentige Tochter die LNS-Gesellschaft ist, die Pachteinnahmen durch die Lappen, so Glahn.

Schlimmer noch: Der Verzicht auf die Einnahmen sei dem Aufsichtsrat nicht mitgeteilt worden. Die Schuld dafür sieht Glahn bei Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) als Geschäftsführer der LNS-Gesellschaft.

Nolte scheint sich nicht im Klaren darüber zu sein, dass er gegenüber Stadt und Gesellschafter Rechenschaft abzulegen hat“, so Glahn.„Die Bilanz: unhaltbare Zustände, zurückzuführen auf mangelnde Gewissenhaftigkeit innerhalb der Geschäftsführung.“

Fehlenden Jahresabschlüsse

Die Vorwürfe bezieht Glahn auch auf die seit dem Jahr 2008 fehlenden Jahresabschlüsse der LNS-Gesellschaft. „Die Organisation und Entscheidungswege innerhalb der Geschäftsführung gehören auf den Prüfstand. Fest steht, dass diese unprofessionelle Geschäftsführung so nicht weiter tragbar ist“, so Glahn.

Steuerzahler und Stadt hätten in den 20 Jahren des Bestehens der LNS viel zum gelungenen Kulturbetrieb in der LNS beigetragen. „Es ist mehr als bedauerlich, dass dieses Engagement durch die Unregelmäßigkeiten innerhalb der Geschäftsführung in Mitleidenschaft gezogen wird.“

Bürgermeister und LNS-Geschäftsführer Nolte, der sich bereits schriftlich gegenüber der SPD zu den Vorwürfen geäußert hatte, bestätigt das momentane Fehlen eines Pachtvertrages auch gegenüber dem Tageblatt. „In dieser besonderen Situation wurde eine besondere Regelung getroffen“, sagt er mit Blick auf die Kündigung im Vorfeld des Landesfestes.

Mit Einnahmeneinbußen ist zu rechnen

Gerald Werner, bei der Stadt Duderstadt unter anderem mit der Planung des Kultursommers betraut, erklärt: Da das Kultursommerprogramm 2012 aufgrund der Planungen zum Landesfest in schmalerer Form als gewohnt ausfiel, sei im Vorfeld mit Einnahmeneinbußen auch im Kioskbetrieb gerechnet worden.

Also sollte erst nach Abschluss des Jahres 2013 – mit gewohntem Programm – ein Pachtzins auf Grundlage der Einnahmen des Kioskbetreibers ausgehandelt werden. Der Aufschub des Pachtzinses sei für ihn ein Akt der Fairness in einem partnerschaftlichen Verhältnis: „Wir profitieren doch gegenseitig voneinander.

Das gastronomische Angebot ergänzt das kulturelle.“ Die Unwägbarkeiten der Wirtschaftlichkeit des Kiosks seien eine Unsicherheit für den Pächter, die die LNS-Gesellschaft versuche abzumildern, indem sie auf den Pächter zugehe.

Gespräche mit neuem Pächter

Mit dem aktuellen Pächter, der Neunspringer Brauerei aus Worbis, befinde man sich derzeit in Gesprächen über die Pachtgestaltung. „Wir würden den Weg gern weiterhin mit diesem Partner gehen“, so Werner. Und die Aussichten stünden nicht schlecht.

„Wir wünschen uns, im Jubiläumsjahr ein besonderes Angebot im Kultursommer machen zu können“, so Werner. Dazu gehöre ein funktionierendes Gastronomieangebot ebenso wie ein gutes Kulturprogramm. Derzeit befinde man sich im Schlussspurt der Planungen des Kultursommers 2015, der am Sonntag, 15. Juni, beginnen soll.

Bis dahin werde auch das weiße Bühnenzelt im Stadtpark wieder aufgebaut, dass sich seit dem Saisonende im Winterquartier befinde und nur zu Reinigungs- und Wartungszwecken herausgeholt werde.

Mit Blick auf die fehlenden Jahresabschlüsse verweisen Werner und Nolte auf einen Termin in Kürze: Ein erstes Gespräch mit dem beauftragten Wirtschaftsprüfungsbüro stehe unmittelbar bevor. „Dann wird die Prüfung vor Ort abgesprochen und ordnungsgemäß durchgeführt.“

►Kommentar: Budenzauber

Es ist wie beim Fußball. Die Duderstädter SPD schießt und schießt. Doris Glahn und ihre Mitstreiter zielen auf CDU-Bürgermeister Wolfgang Nolte als Geschäftsführer der LNS-Gesellschaft – und wollen ihn treffen. Dabei ist es löbliches Ansinnen, für Transparenz in einem Betrieb sorgen zu wollen, der seinem ureigensten Zweck nach der Gesellschaft zugute kommen soll.

Erst recht, wenn sich der Eindruck ergibt, es könnten Einnahmen für die Gesellschaft den Bach heruntergehen. Doch: Ebenso wie die Veranstaltungen im Stadtpark zur Kultur in Duderstadt beitragen, entwickelt sich auch der Streit um die Verwebungen Noltes in diverse Initiativen und Institutionen zu einer einer Streitkultur, die es in dieser Form in dieser Stadt selten gab.

Dass die Kritik an Noltes Tätigkeit im Kuratorium der Bürgerstiftung und im Aufsichtsrat der LNS-Gesellschaft in der heißesten Phase des Wahlkampf aufflammt, wundert wohl kaum. Ob es dabei tatsächlich immer um die Sache geht, sei dahingestellt. Der Zeitpunkt jedenfalls ist nicht ohne Strategie gewählt.

Der Termin mit den Wirtschaftsprüfern bei der LNS-Gesellschaft steht fest, das weiß auch die Duderstädter SPD. Ihnen sollte Zeit gegeben werden. Die neutralen Prüfer sollten die Chance bekommen, sich mit dem Thema Jahresabschluss zu beschäftigen, ohne sich in Diskussionen über Kiosk-Pacht zu verlieren.

Sonst wird aus einer der Transparenz dienlichen Maßnahme ein Wahlkampf-Torwandschießen. Bei dem übrigens auch einmal ein Ball daneben gehen kann – und wieder landet ein Thema unbehandelt neben dem eigentlichen Spielfeld. Damit wäre das eigentliche Ziel – Transparenz herzustellen – im wahrsten Sinne des Wortes verfehlt.

Nadine Eckermann