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Duderstadt Duderstädter Stromnetze wechseln den Besitzer
Die Region Duderstadt Duderstädter Stromnetze wechseln den Besitzer
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21:52 19.07.2011
Von Kuno Mahnkopf
Misst den Strom im Trafohäuschen an der Duderstädter Industriestraße: EWB-Mitarbeiter Ansgar Knöfel.
Misst den Strom im Trafohäuschen an der Duderstädter Industriestraße: EWB-Mitarbeiter Ansgar Knöfel. Quelle: Pförtner
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Der Eigentümerwechsel ist die Konsequenz aus dem neuen Konzessionsvertrag mit 20 Jahren Laufzeit, den die Stadt zum Jahresbeginn 2012 mit der EEW, einer Tochtergesellschaft der aus kommunalen Betrieben hervorgegangenen Eichsfelder Wirtschaftsbetriebe (EWB), abgeschlossen hat.

Wie auch in anderen Kommunen ist der Preis der Knackpunkt. Dessen Spanne liegt für die Stromnetze der betroffenen Duderstädter Ortsteile laut Gutachten eines unabhängigen Büros zwischen vier bis sechs Millionen Euro. Die EEW bewegt sich am unteren Ende dieser Summe und will beim Kauf nur den Ertragswert zahlen, da mit den Netzen im ländlichen Raum vergleichsweise wenig Geld verdient werden kann. Eon hingegen insistiert auf dem höheren Sachzeitwert, der sich aus der Investitionssumme abzüglich der Abschreibungen errechnet. Duderstadts Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) hofft, dass es ohne Rechtsstreit zu einer Verständigung kommt. In Northeim hat Eon Mitte wegen des Verlustes der Stromversorgungsnetze die Schließung der dortigen Betriebsstelle und Umverteilung der rund 30 Mitarbeiter angekündigt.

Ob die EEW wegen der Expansion im Stromsektor das eigene Personal aufstockt oder vor dem Hintergrund des Anteilstausches mit Harz Energie Kooperationsformen sucht, ist laut Schneegans noch zu klären. Unternehmensintern verspricht sich der EWB-Chef Synergieeffekte im technischen Bereich und der Verwaltung. Software-Kapazitäten seien ausreichend vorhanden, versichert Schneegans: „Dass wir Stromnetze betreiben können, beweisen wir seit Jahrzehnten.“ Günstig auf die Einbindung in das EEW-Stromnetz wirke sich die Randlage an der ehemaligen Grenze aus. Die Konzessionsvergabe stärke die EWB und sichere Arbeitsplätze. Durch die Partnerschaft mit Harz Energie könne sich die EWB auf dem liberalisierten Strommarkt besser behaupten. Das sieht auch Nolte so. „Mit EWB und Harz Energie im Verbund mit der Thüga-Gruppe können wir die Energiewende forcieren“, freut sich der Bürgermeister. Diplomatisch dankt er Eon Mitte „für die jahrzehntelange gute Zusammenarbeit“.

Nolte betont, dass die diskriminierungsfreie Ausschreibung für die wieder 20 Jahregeltende Stromkonzession nach einem strengen Kriterienkatalog erfolgt sei, das transparente Verfahren den strengen kartellrechtlichen Bestimmungen gefolgt sei. Als Bewerber hatten sich im städtischen Finanzausschuss EEW, Eon Mitte und Harz Energie vorgestellt. Der Stadtrat hat sich dann einstimmig für die EEW ausgesprochen. Die habe das kommunalfreundlichste Angebot abgegeben, sagt Kämmerer Helmut Bernd. Ausschlaggebend seien der Umgang mit stillgelegten Anlagen, die Übernahme von Verwaltungskostenbeiträgen, die Einflussmöglichkeit auf Investitionen und die Sonderkündigungsklausel gewesen.

Natürlich habe der Aspekt der kommunalen Einflussnahme auf den Netzbetrieb eine Rolle gespielt, räumt Nolte ein. Der Landkreis als Kommunalaufsicht hatte keine Einwände gegen die Vertragsunterzeichnung. Auch der Mitbewerber Harz Energie begrüßt die Konzessionsvergabe an die EEW – gerade aufgrund des Anteilstausches mit dem Eichsfelder Unternehmen. „Aus unserer Sicht ist die EWB als Dachgesellschaft der EEW und der EBB der ideale Partner für Duderstadt“, sagt Ulrich Diestel, Geschäftsführer der Harz-Energie-Netzgesellschaft.

Für die Kunden würden sich durch den Wechsel des Netzbetreibers zunächst keine Änderungen ergeben, versichern Nolte und Schneegans. Obwohl Netz und Vertrieb getrennt sind, werden aber auch Kunden aus dem bisherigen Eon-Netzgebiet wegen eines Anbieterwechsels angesprochen.

Die Wasser-Konzession für die EEW hat die Stadt Duderstadt bereits im April für die nächsten 20 Jahre verlängert. Die Neuvergabe der Erdgas-Konzession steht erst ab 2014 an, das Ausschreibungsverfahren wird aber bereits eingeleitet.