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Duderstadt Eichsfeld: Busfahrer lässt Mädchen nicht aussteigen
Die Region Duderstadt Eichsfeld: Busfahrer lässt Mädchen nicht aussteigen
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10:56 25.10.2019
Verantwortlich für die Schülerbeförderung ist der Landkreis Göttingen, beauftragt damit sind Transportunternehmen. Quelle: Christina Hinzmann
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Duderstadt

Von unzumutbaren Zuständen bei der Schulkinderbeförderung spricht der Ortsbürgermeister von Immingerode, Stefan Stollberg (CDU). „Es gibt keine Verlässlichkeit, weder für die Kinder, noch für die Eltern“, kritisiert er Vorfälle, wie sie immer wieder vorkommen. So habe der Bus am Montag dieser Woche nicht an der Grundschule in Tiftlingerode angehalten. Für Eltern heißt das, dass sie ihre Sprösslinge mit dem Auto andernorts abholen müssen, was nicht so einfach und auch nicht immer sofort zu organisieren sei. „Das ist leider ein regelmäßiges Problem, dass der Busverkehr zwischen Tiftlingerode und Immingerode nicht funktioniert“, beklagt Stollberg. Neuerdings müssten Schulkinder an der Kirche in Immingerode aussteigen, weil die offizielle Bushaltestelle angeblich Gefahren birge. „Das hat dann nach Jahren irgendwer herausgefunden“, schüttelt der Gemeindechef den Kopf.

Zu Fuß auf viel befahrener Straße

Als kürzlich ein achtjähriges Mädchen ungewollt in Nesselröden landete, weil es der Busfahrer offenbar nicht in Immingerode aussteigen ließ, platzte Stollberg der Kragen. „Diese Art Vorfälle häufen sich in letzter Zeit und lassen ernsthaft Zweifel aufkommen, ob die Busfahrer und Busunternehmen sich ihrer Verantwortung bewusst sind“, bringt der Bürgermeister seine Zweifel zum Ausdruck. Er versichert, dass die Grundschülerin in Immingerode nicht aus dem Bus gelassen wurde. Der Busfahrer habe einfach nicht angehalten. Also blieb dem Kind nichts anderes übrig, als bis Nesselröden mitzufahren. „In seiner Not wollte das Mädchen zu Fuß von Nesselröden nach Immingerode laufen, auf dieser viel befahrenen Straße“, schildert Stollberg. Ein Handy habe das Mädchen nicht bei sich gehabt, um etwa ihre Eltern anzurufen. „Dieser Vorfall ist die Krönung eines absolut unzuverlässlichen Bustransfers“, bilanziert Stollberg verärgert. Probleme dieser Art sind dem Tageblatt auch im Bereich der Stadt Göttingen bekannt.

Beschwerdemanagement

„Es kann immer – auch außerhalb des Schülerverkehrs - vorkommen, dass der Ausstieg nicht klappt“, erklärt die Sprecherin der Göttinger Verkehrsbetriebe, Stephanie Gallinat-Mecke. Das könne unterschiedliche Gründe haben, werde aber über ein Beschwerdemangement recherchiert und bearbeitet. Am ehesten passiere so etwas, wenn der Bus sehr voll ist und der Fahrgast nicht rechtzeitig zum Ausstieg kommt. „Sobald für den Fahrer oder die Fahrerin ersichtlich keiner mehr aussteigen möchte, werden die Türen geschlossen“, verdeutlicht die Sprecherin die Sicht des Fahrers. Manchmal sei auch der Haltestellenwunsch nicht richtig gedrückt oder werde vorn am Fahrerplatz nicht angezeigt. „Oder der Taster wird zu spät gedrückt. Das alles passiert jedoch eher selten“, meint Gallinat-Mecke.

Umgehend ausgewertet

Zuständig für die Schülerbeförderung ist der Landkreis Göttingen. Selbstverständlich unterhält die Verwaltung keine eigene Busflotte, sondern vergibt die Aufgabe an Unternehmen. „Koordiniert wird die Schülerbeförderung, im Rahmen des öffentlichen Personennahverkehrs, über den Zweckverband Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen“, erläutert der Sprecher der Kreisverwaltung, Ulrich Lottmann. Er versichert: „Hinweise zu Problemen werden selbstverständlich von der Kreisverwaltung aufgegriffen und geklärt.“

Der von Stefan Stollberg beschriebene Vorfall sei der Kreisverwaltung bekannt und er sei umgehend ausgewertet worden. „Mit dem betroffenen Busunternehmen wurde Kontakt aufgenommen, mit dem Fahrer des Busses ist gesprochen worden“, erläutert Lottmann. Warum der Haltewunsch des Mädchens nicht berücksichtigt werden konnte, sei nicht eindeutig zu klären. Möglich sei ein technischer Defekt des Halteknopfs. „Ziel ist es, einen solchen Vorfall künftig auszuschließen“, stellt der Sprecher klar.

Rasche Information

Ähnlich wie Gallinat-Mecke geht auch Lottmann mit einer differenzierten Betrachtung an solche Vorfälle heran: „In der Schülerbeförderung gibt es immer wieder Situationen, die zu Problemen führen können. Mögliche Ursachen sind die Verkehrssituation, das Fahrzeug oder – wenn so viele Menschen zusammen treffen – auch Missverständnisse in der Kommunikation“, wägt er ab. Wichtig sei, dass dann möglichst schnell die Schule, die Kreisverwaltung oder der Zweckverband informiert werden. „Nur dann können eine Lösung gefunden und vergleichbare Probleme künftig vermieden werden“, so Lottmann.

Im Rahmen des Personennahverkehrs

Der Schulbusverkehr beziehungsweise die Beförderung von Schülerinnen und Schülern wird durch zahlreiche Gesetze und Verordnungen geregelt. Einige der Regelungen haben bundesweite Geltung, andere gelten lediglich für das jeweilige Bundesland. Auftraggeber des Schulbusverkehrs ist in der Regel der Schulträger, also zumeist die Gemeinde, der Zweckverband, die Stadt oder der Landkreis. Es kann sich jedoch auch um einen privaten Schulträger, etwa einen Verein oder eine GmbH handeln. Der Auftraggeber schließt mit dem beauftragten Busunternehmen einen Vertrag, in dem die näheren Umstände der Schülerbeförderung festgelegt werden. (Quelle: www.schulbusprojekte.de)

Die aktuelle für den Landkreis Göttingen gültige Satzung zur Schülerbeförderung gilt seit 1. August 2018. Darin heißt es unter anderem: Die Beförderung wird grundsätzlich im Rahmen des öffentlichen Personennahverkehrs durchgeführt. Es besteht kein Anspruch auf Beförderung mit einem besonderen Beförderungsmittel.

Von Ulrich Meinhard

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