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Duderstadt Eichsfelder Wirtschaftsbetriebe erleichtert: Trinkwasser frei von TNT-Rückständen
Die Region Duderstadt Eichsfelder Wirtschaftsbetriebe erleichtert: Trinkwasser frei von TNT-Rückständen
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21:55 26.06.2013
Wird zur Trinkwassergewinnung genutzt: Die Rhumeqelle wird aus unterirdischen Zuläufen des Südharzer Gipskarstgebietes gespeist.
Wird zur Trinkwassergewinnung genutzt: Die Rhumeqelle wird aus unterirdischen Zuläufen des Südharzer Gipskarstgebietes gespeist. Quelle: Blank
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Eichsfeld

Auslöser war ein NDR-Bericht über Altlasten der NS-Rüstungsindustrie am südlichen Harzrand.

Die Belastung des Grundwassers ist in Herzberg seit Jahrzehnten bekannt, Zuständigkeiten und Gefahren sind umstritten. Ausgangspunkt ist die unter dem Decknamen „Werk Kiefer“  betriebene Munitionsfabrik der ehemaligen Dynamit Nobel AG, deren Gründer Alfred Nobel den Nobelpreis initiiert hat. In der Fabrik zu Füßen des Welfenschlosses im Siebertal, hinter deren Ruinen der Herzberger Bauhof angesiedelt ist, wurden bis zu einer verheerenden Explosion im April 1945  unter Verwendung von TNT Tellerminen und Granaten produziert.

Geologen und Naturschutzverbände haben in den vergangenen Jahren immer wieder auf die Kontaminierung des Herzberger Mühlengrabens und die Gefahren hingewiesen, die von den krebserregenden aromatischen Kohlenwasserstoffen der Sprengstoffherstellung ausgehen würden. Der Landkreis Osterode führt seit Jahren einen Rechtsstreit mit dem Immobilienkonzern IVG. Er sieht zurzeit aber – anders als der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) – keine Gefährdung des Grundwassers und wegen nicht erreichter Nachweiswerte keine Möglichkeit, einzuschreiten.

Der NDR hatte in seinem im April gesendeten Bericht über die Altlasten Warnungen aufgegriffen, nach denen Schadstoffe über Regen und Sickerwasser ins Pöhlder Becken damit auch bis in den Rhumequelle gelangen könnten. Aus dem Pöhlder Becken beziehen nicht nur Herzberg und Bad Lauterberg Trinkwasser. Auch die EWB betreiben dort einen Tiefenbrunnen und nutzen die Rhumequelle seit 1978 zur Trinkwassergewinnung über eine Osmose-Umkehr-Anlage mit Filtration.

Alarmiert über den NDR-Bericht, hat das Versorgungsunternehmen deshalb das Göttinger Fresenius-Institut eingeschaltet. Erleichtert über das Ergebnis sind EWB-Geschäftsführer Markus Kuhlmann und der fürs Trinkwasser zuständige Verbandsingenieur Ulrich Adler. Auch Duderstadts Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) habe nachgehakt, sagt Kuhlmann. Bei Untersuchungen der Stadtwerke Herzberg und Bad Lauterberg seien ebenfalls keine TNT-Rückstände festgestellt worden.

„Wasser ist das am strengsten überwachte Lebensmittel, als Frühwarnsystem werden stetig alle Grenzwerte kontrolliert, alle chemischen Parameter können erfragt werden“, betont Adler: „Unser Trinkwasser kann bedenkenlos konsumiert werden – auch ohne zusätzliche Aufbereitungsanlagen.“ Alle Trinkwasseranlagen seien objektgeschützt, auch durch Hochwasser sei die Versorgung hier bislang noch nie unterbrochen worden.