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Duderstadt Eichsfeldfestival: Um 19 Uhr wird es stressig für die Einsatzkräfte
Die Region Duderstadt Eichsfeldfestival: Um 19 Uhr wird es stressig für die Einsatzkräfte
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13:17 07.11.2013
33000 Menschen beim Festival: Stress für die Einsatzkräfte.
33000 Menschen beim Festival: Stress für die Einsatzkräfte. Quelle: AT
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Duderstadt

Sonnabend, 16 Uhr: Die letzte Besprechung am Vorzelt des Einsatzleitwagens auf dem Volksbank-Parkplatz, dem Herz des Großeinsatzes. „Hoffen wir, dass alles möglichst glimpflich abläuft“, sagt der verantwortliche Einsatzleiter, Duderstadts Stadtbrandmeister Stefan Schindler. Die 15 versammelten Männer aus allen Bereichen sind locker, aber konzentriert. Polizei, Sicherheitsdienst, Rotes Kreuz, Otto Bock: Jeder wird eingewiesen, die Pläne für den Einsatzfall durchgespielt.

Allein 90 Feuerwehrleute und 120 Polizisten sind im Einsatz. Vor einigen Jahren habe man gesehen, wie schwierig es sei, schon bei weniger Menschen zum Einsatzort zu gelangen, meint Schindler. Damals, „als Kati Witt auf der Eisbahn war“, habe eine Fritteuse Feuer gefangen. Heute sei man gerüstet.

Maschinerie springt an

Noch ist der große Plan, der mit Magneten auf die Außenwand des Einsatzleitwagens (ELW) befestigt ist, jungfräulich. Werden Vorfälle an die Zentrale gemeldet, ändert sich das schlagartig. Dann springt die Maschinerie in dem mit Technik vollgepfropften Wagen an. Das Fahrzeug ist für Einsätze bis hin zu kleinen Katastrophenfällen gerüstet, erklärt Alwin Jacobi, Gruppenführer von der Feuerwehr Rhumspringe, wo der ELW stationiert ist. Der drei Jahre alte Wagen wird im gesamten Landkreis eingesetzt. Ausgestattet mit Funk, Telefon, Stromgenerator, Computertechnik und einem Einsatzraum für Führungskräfte ließe sich von hier auch Aufwändigeres als das heutige Fest meistern. „Heute sind wir aber mit kleiner Besatzung hier“, so Kreisbrandmeister Karl-Heinz Niesen.

Kurz vor Konzertbeginn gegen 19 Uhr drängen zusätzlich 20000 Deutschrock-Fans in die Duderstädter Innenstadt. Alle 100 Meter entlang der Marktstraße sind Ortswehren mit kleinen Einsatzfahrzeugen postiert, erklärt Thorsten Krone, Duderstädter Ortsbrandmeister, die Strategie für den Einsatzfall. Die Zahl der eingesetzten Feuerwehrleute übertreffe alles bisher dagewesene. Ein bisschen Bauchschmerzen aufgrund der immensen Zahl der Menschen bleibe jedoch.

Vor der Bühne stehen die Besucher wie die Ölsardinen. Die erste Frau mit Kreislaufbeschwerden wird neben die Bühne geleitet. Nach einem Glas Wasser ist sie wieder hergestellt. Beim ELW steigt indes der Puls. „Langsam wird es stressig“, meint Heinrich Marx, Brandabschnittsleiter Ost. Gerade habe man die Fluchtwege an der Bühne von der Polizei freiräumen lassen. „Da war alles dicht, auch die Wege für die Rollstuhlfahrer. Und noch sind nicht mal alle Leute drin“, sagt er mit Blick auf die langen Schlangen an den Eingängen.

„Jetzt geht es erst los…“

21.21 Uhr. Jacobi und Marx ziehen Zwischenbilanz: „Bisher 33000 Zuschauer, über 290 Einsatzkräfte, drei Notärzte.“ Beide sind sichtlich geschafft. Und: „Jetzt geht es erst langsam los mit dem Alkohol...“ Doch trotz der immer ausgelasseneren Party in der Fußgängerzone läuft nichts aus dem Ruder. Auf dem Höhepunkt der Veranstaltung sind mehr als 300 Einsatz- und Rettungskräfte im Einsatz.

Es gab 21 Vorfälle, 14 Personen wurden medizinisch versorgt, vier kamen ins Krankenhaus. „Es ist recht gut gelaufen“, resümiert Marx, „für eine Veranstaltung dieser Größe.“ Das Konzept der kurzen Einsatzwege habe sich bewährt.

Um halb drei, lange nachdem Maffay seine letzte Zugabe gegeben hat, ist dann auch für Marx und Schindler und die vielen Helfer endlich Schluss. Ein letzter Gang die Marktstraße hinunter, eine letzte Lagebesprechung, dann ist Feierabend.

Wenige Tage später kann Duderstadts Polizeichef Dieter Thriene erklären: „Es gab nichts Ungewöhnliches. Das war ein tolles, diszipliniertes Publikum.“ Gleichlautend fällt die Bilanz von Ordnungsamtschef Helmut Bernd aus: „Positive Stimmung unter den Gästen und hohe Disziplin bei den Parkern“, fasst er knapp zusammen.

Weitere Informationen unter : eichsfeld-festival.de

Von Erik Westermann