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Duderstadt Vom Sprachcamp auf den Arbeitsmarkt
Die Region Duderstadt Vom Sprachcamp auf den Arbeitsmarkt
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18:40 22.03.2018
Begeisterung für Naturwissenschaften: Auch ein Ausflug ins X-Lab gehörte zum Programm des Feriensprachcamps Quelle: Christina Hinzmann / GT
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Duderstadt/Göttingen

Zum dritten Mal nehmen derzeit junge Migranten aus dem Landkreis an einem Feriensprachcamp des Duderstädter Eichsfeldgymnasiums teil. Stand dabei vor drei Jahren noch der Spracherwerb im Vordergrund, ist es nun die Orientierung auf dem deutschen Arbeitsmarkt.

„Das erste Mal habe ich wegen der Sprachkurse und dem Kulturprogramm teilgenommen“, erzählt Mahmoud Al-Balkhi. Der Syrer lebt seit etwa zwei Jahren in Deutschland, spricht konversationsfähiges deutsch. Trotzdem nimmt er am Feriensprachcamp teil, denn auf dem deutschen Arbeitsmarkt findet sich der Schüler eigenen Angaben zufolge noch nicht so gut zurecht. „Wie und wo bewerbe ich mich?“ Das seien Fragen, die ihn derzeit umtreiben, schildert Al-Balkhi.

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Allein ist er damit in dem Kurs nicht: Während es beim ersten Durchgang 2015 vor allem um den Spracherwerb gegangen sei, stehe mittlerweile die Berufsvorbereitung im Vordergrund, schildert Maria Stroth. Als Sozialpädagogin begleitet sie den einwöchigen Kurs, an dem 25 junge Migranten teilnehmen. Der Großteil von ihnen sind unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die seit 2015 nach Deutschland gekommen seien. Andere hingegen lebten schon länger hier, sagt Ben Thustek, als Lehrer am EGD für das Feriensprachcamp zuständig.

Unterschiedliches Kompetenzniveau

Dementsprechend variiere auch das Kompetenzniveau der Teilnehmer, schildert Thustek. Bei einigen sei das Deutsch noch holprig, andere beherrschten nach wenigen Jahren hier die Sprache fließend. Bei den morgendlichen Sprachlektionen während des Feriensprachcamps helfen nach Angaben des Pädagogen deshalb leistungsstärkere Schüler den schwächeren.

Abseits der Sprachkurse dreht sich das Programm vor allem um die Orientierung auf dem Arbeitsmarkt: Die Teilnehmer haben in den vergangenen Tag verschiedene Firmen aus unterschiedlichen Branchen kennengelernt. Und während sich die jüngeren der zwölf bis 20 Jahre alten Teilnehmer unter anderem mit Stadtrallyes beschäftigten, haben die älteren Thustek zufolge auch Bewerbungstrainings absolviert und die Universität besucht. Letztgenannter Besuch hat Teilnehmer wie Matti und Mirna Adam besonders interessiert – beide leben seit acht Jahren in Deutschland und schildern, dass sie studieren wollen.

Ganz anders strukturierter Arbeitsmarkt

Für Al-Balkhi ist die Orientierung auf dem Arbeitsmarkt derzeit noch schwierig: In seinem Herkunftsland Syrien seien Karrierechancen weit weniger reguliert als in Deutschland. Auch sei der Stellenwert einer formalisierten Ausbildung viel niedriger, die Lohnunterschiede zwischen Ungelernten und Akademikern seien beispielsweise geringer. Und auch ein System an Zuständigkeiten gebe es nicht. Warum für manche Branchen die Industrie- und Handelskammern und bei anderen Branchen die Handwerkskammer Ansprechpartner sind, sei für ihn eine zentrale Lektion gewesen, erzählt er.

Trotzdem geht es beim Feriensprachcamp nicht nur ums Lernen: Thustek und Stroth legen wert darauf, dass sich die Schüler untereinander kennenlernen. Manche Ausflüge und Sportaktivitäten hätten deshalb vor allem dem Teambuilding gedient – schließlich opferten alle Teilnehmer für die das Feriensprachcamp täglich acht Stunden ihrer Freizeit, so Thustek.

Zum Projekt:

„Für den Landkreis ist das eine überschaubare Summe, für das Projekt hingegen eine ganze Menge Geld“, sagte Kreisrat Marcel Riethig bei der Übergabe eines Spendenschecks an die Initiatoren des Feriencamps. 4000 Euro steuert der Landkreis Göttingen zu dem Projekt bei, die restlichen Mittel kommen von der Klosterkammer Hannover, der Lottostiftung und der Caritas. Insgesamt kostet das Feriensprachcamp laut dem beim Eichsfeldgymnasium zuständigen Lehrer Ben Thustek etwa 10.000 Euro.

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Von Christoph Höland

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