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Duderstadt Ein Regionalkantor spielt nicht nur Orgel
Die Region Duderstadt Ein Regionalkantor spielt nicht nur Orgel
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17:43 26.11.2010
Chorarbeit gehört zu Paul Heggemanns Arbeitsgebieten: Der Musiker bei einer Probe des Propsteichores St. Cyriakus.
Chorarbeit gehört zu Paul Heggemanns Arbeitsgebieten: Der Musiker bei einer Probe des Propsteichores St. Cyriakus. Quelle: Pförtner
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Seine Hauptaufgabe ist jedoch die Aus- und Weiterbildung ehrenamtlich tätiger Kirchenmusiker. Er sorgt dafür, dass in den Kirchen des Untereichsfelds sonntags jemand an der Orgel sitzt. Zwei Angebote macht er Interessierten. Die sogenannte D-Ausbildung dauert ein Jahr. Anspruchsvoller ist die zwei- bis dreijährige C-Ausbildung. Die Prüfung befähigt zum – gegebenenfalls auch hauptberuflichen – Organistendienst und zur Chorleitung. Schließlich bildet Heggemann die Kantoren aus, Gesangssolisten, die im Gottesdienst Psalmen vortragen.

Ein weiteres Arbeitsfeld ist die Chorarbeit. Heggemann leitet den Kinderchor, der wöchentlich probt. Im Abstand von einigen Jahren werden Singspiele einstudiert. „Zur Zeit ist die Gruppe klein, aber fein“, sagt Heggemann. Wenn die Kinder älter werden, wechselt ein Teil zum Jugendchor St. Cyriakus, der eigenständig ist. Manche kehren später zu Heggemann zurück, der auch den Propsteichor St. Cyriakus führt. Das 50-köpfige Ensemble gestaltet einmal im Monat die Gottesdienste von St. Cyriakus mit. Zu den Hochfesten tritt der Propsteichor gemeinsam mit dem Orchester Concertino Göttingen und Gesangssolisten auf. Aus ambitionierten Sängern des Chores hat Heggemann das Vokalensemble St. Cyriakus geformt, das 15 Mitglieder umfasst. Es widmet sich der Aufführung vornehmlich geistlicher a-cappella-Musik. Die Mitglieder erarbeiten sich den Notentext weitgehend selbst.

Ein Teil der Arbeit eines Regionalkantoren besteht darin, die eigene Fertigkeiten im Orgelspiel und im Singen zu pflegen. „Das ist wie beim Fußballspielern“, erläutert der Musiker. Wer nicht regelmäßig trainiere, bringe keine Leistung. Das aber kann sich Heggemann nicht erlauben. Ihm graut davor, wenn er – wie es manchmal bei einer Grippe passiert – bei der Chorarbeit nicht vorsingen kann. „Ohne Stimme fühle ich mich wie amputiert“, sagt er.

Schließlich organisiert der Regionalkantor Konzerte. Er tritt dann selbst als Künstler auf. An Volkstrauertagen hat er gemeinsam mit dem evangelischen Pastoren und Organisten Karl Wurm musiziert. Heggemann veranstaltet aber auch Auftritte anderer Musiker. Als in diesem Jahr die Regensburger Domspatzen kamen, musste er für 56 Personen Gastfamilien suchen. Sein Budget wird von der Sparkasse aufgestockt.

In der katholischen Kirche spielt die Kirchenmusik keine so herausragende Rolle wie bei den evangelischen Christen, wo sie als Teil der Verkündigung gilt, sagt der Regionalkantor. Im Bistum Hildesheim wurden Mitte der 1980er Jahre hauptamtliche Stellen für Kirchenmusiker geschaffen. In der Diözese gibt es noch einen Regionalkantor, in Braunschweig. In Celle und Wolfsburg wirken Dekanatskirchenmusiker, in Hannover und Hildesheim Referenten für Kirchenmusik. Das ist nichts im Vergleich zum Bistum Essen, wo es vor kurzem noch 130 Kirchenmusiker gab. Ihre Zahl wird im Zuge der Sparmaßnahmen auf 20 verringert.

Von Michael Caspar