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Duderstadt Einmal falsch gemacht und man weiß, wie es geht
Die Region Duderstadt Einmal falsch gemacht und man weiß, wie es geht
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18:59 22.07.2011
„Das Gemüse muss auch einfach gut aussehen“: Karin Knöpfel (r.) und Michaela Diedrich vor einem Wochenmarktstand.
„Das Gemüse muss auch einfach gut aussehen“: Karin Knöpfel (r.) und Michaela Diedrich vor einem Wochenmarktstand. Quelle: Walliser
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Eines muss klar sein, gleich vorneweg, noch bevor es auf den sonnabendlichen Wochenmarkt Duderstadts geht. Es ist ihr Manifest, das Manifest der Landfrauen. „Wir sind nicht gegen Tiefkühlpizza oder eine Dose Ravioli“, sagt Michaela Diedrich, Vorsitzende der Landfrauen für den Altkreis, die bald ihr 50-jähriges Bestehen feiern. „Das passiert uns auch.“ Karin Knöpfel, aus Wollershausen, seit fast 40 Jahren Landfrau, nickt. „Aber wir sind Verfechter des Kochens. Wir haben das alles noch von unseren Müttern gelernt und die von deren Müttern. Das ist heute nicht unbedingt mehr so.“ Es soll ein „schnelles, schmackhaftes Mahl“ werden, fährt die 48-jährige Diedrich fort, „mit Zutaten aus der Region.“ Denn „aus der Region“ hat einen ganzen Kartoffelsack voller Vorteile: Man wisse, woher die Ware stamme, die Wege seien kurz, und es handele sich um saisonales Gemüse.

„Man bekommt heute alles, zu jeder Tages- und Nachtzeit, das schmälert die Freude auf den Genuss“, stellt Diedrich fest. „Wir wollen die Zeit nicht zurückdrehen“, sagt die Vorsitzende von 650 Landfrauen. „Aber man sollte sich bewusst machen, was man isst und dabei die Jahreszeiten im Blick haben.“ Das gelte auch grundsätzlich: fetteres Essen im Winter, leichteres im Sommer.

Heute soll Schnitzel auf den Tisch, mit Kohlrabi, Paprika und Kartoffeln. Vielseitigkeit ist die Prämisse bei der Auswahl: Die Kartoffel beispielsweise, die „Königin unter den Beilagen“, lässt sich kochen, anbraten oder pürieren. Annabell, die frühe Sorte, die Knöpfel und Diedrich auswählen, ist eine Königin von kleinem Wuchs. „Dafür ist sie schön, sehr fest“, lobt eine andere Kundin den Kauf. Außerdem seien Kartoffeln beispielsweise reich an Kalium, so Diedrichs Hinweis. Die Rhumspingerin empfiehlt den Einsatz einer Nährwerttabelle, die im Buchhandel oder Internet verfügbar sei. „Gerade für Menschen mit Erkrankungen oder Mangelerscheinungen ist das sinnvoll“, sagt die Landfrau aus Passion.

Ein Kilo Erdäpfel, das reiche für Vier. „Und wenn etwas übrigbleibt, lässt es sich anbraten.“ Die dünne Schale müsse nicht einmal entfernt werden. Einfach mit einer kleinen Bürsten reinigen. „Daran ist nichts ungesundes“, so Knöpfel. Überhaupt: Mengen seien immer nur Richtwerte, „jeder kennt ja seine Pappenheimer“. Die beiden Landfrauen plädieren für Gelassenheit – und dafür, die Dinge einfach auszuprobieren. „Wer es einmal falsch macht, weiß beim nächsten Mal, wie es geht.“

Ein jedes Lebensmittel hat vielfache Verwendungsmöglichkeiten, kaum etwas müsse weggeschmissen werden. Das gilt auch für Kohlrabi: Einfach weniger kochen, der Rest eignet sich als Rohkost zum Knabbern. Und die kleinen Blätter – und nur die – lassen sich gehackt als Petersilienersatz verwenden.

Abgesehen von kurzen Transportwegen und frischer Kost bietet der Markt natürlich noch andere Qualitäten: Ein paar Worte hier, ein Gruß da, schnell sind Neuigkeiten ausgetauscht. Und hier lasse sich auch preisbewusst einkaufen. Rückschlüsse auf die inneren Werte schließen die beiden Landfrauen aus dem Äußeren. „Das Gemüse soll gut aussehen“, findet Diedrich.

Zum Nachtisch gibt es Quark und Obst. Diedrich holt mit dem Arm aus und macht eine ausladenden Geste Richtung Stand. „Gerade jetzt im Sommer hat man eine immense Vielfalt.“ Eigentlich, äußert sie, sollte jeder mit einem Garten zum Beispiel Beerensträucher haben. Für Kinder sei das besonders schön. „Denken sie an ihre Kindheit: War das nicht toll, sich ein paar Erdbeeren im Garten der Großmutter in den Mund zu stecken?“

Erst klopfen, dann braten

Erst wird das Fleisch schön durchgeklopft, „das macht das Ganze einfach viel zarter“, rät Karin Knöpfel. Dann folgt das Panieren – falls gewünscht. Es geht auch „roh“, aber mit Brösel ist besser, so die einhellige Meinung.

Die Panade kommt in drei Stationen an die Schnitzel. Erste Station: Trockenbad im Mehl; zweite Station: Schnorchelgang im mit Milch verquirlten Ei; dann die finale Phase: Den Fleischlappen in Semmelbröseln wenden. Und da bitte keine gekauften Brösel. Die sind zu fein, das ganze brennt zu schnell an, ist der Tipp der 61-jährigen Knöpfel. Selbst ist der Koch. „Es bleiben immer Brötchen über“ oder auch Weißbrot, das wird luftgetrocknet und dann gerieben.

Zum Gemüse: Den Kohlrabi schälen. (Hinweis: „Alles, was nicht geschält wird, wird gewaschen. Und zwar mit warmem Wasser“) Paprika also waschen und schneiden, dabei den Strunk raus. Beides einige Minuten in Pfanne oder Topf in Butter dünsten, später etwas Wasser zugeben. Nur nicht zu weich werden lassen. „Heute kocht man ja alles bissfest“, sagt Diedrich, „das sieht auch schöner aus.“ Dazu soll der Eigengeschmack erhalten bleiben: also sparsam mit den Gewürzen.

Die Kartoffeln nach dem Bürsten und Waschen im Topf mit Wasser – die Kartoffeln nicht ganz bedeckt – zirka 20 Minuten kochen. In der Zwischenzeit die Schnitzel anbraten, kurz von beiden Seiten. Quark anrühren, Obst hineinschneiden, fertig.

Zutaten (4 Personen)

  • Vier Schnitzel (á 125 Gramm),
  • drei Paprika (rot, grün, gelb), insgesamt 800 Gramm,
  • einen Kohlrabi ,
  • ein Kilogramm Kartoffeln,
  • ein Ei, zwei Esslöffel Milch, sechs Esslöffel Mehl, 150 Gramm Semmelbrösel, zwei Esslöffel Butter, zwei Esslöffel Öl,
  • Salz, Pfeffer; Paprikapulver.
  • Quark und / oder Yoghurt, 500 Gramm frisches Obst, beispielsweise Aprikosen.

Kosten insgesamt: maximal 15 Euro.

Von Erik Westermann