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Duderstadt Emsige Vorbereitungen für „Jahrtausendwinter“
Die Region Duderstadt Emsige Vorbereitungen für „Jahrtausendwinter“
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18:31 26.11.2010
Säckeweise Streusalz: Baumärkte und Kornhaus haben sich eingedeckt, die Kundennachfrage ist schon jetzt groß.
Säckeweise Streusalz: Baumärkte und Kornhaus haben sich eingedeckt, die Kundennachfrage ist schon jetzt groß. Quelle: Blank
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Wie gehabt, liegt dabei die Pflicht bei den Anliegern: Eigentümer von Grundstücken, die an öffentliche Straßen, Wege, Plätze, Gossen, Fuß- und Radwege grenzen, müssen diese den Winter über schnee- und eisfrei halten. In der Samtgemeinde Radolfshausen gilt, dass diese Bereiche ab 7 Uhr früh für den Fußgängerverkehr von ihrer winterlichen Decke befreit sein müssen, auch in der Samtgemeinde Gieboldehausen gelten die Regelungen werktags ab 7 Uhr. Am Wochenende darf dort länger geschlafen werden. Erst ab 9 Uhr müssen alle Wege sicher passierbar sein. In der Stadt Duderstadt gilt die Räumpflicht ab 8 Uhr, „mindestens“, wie es in der Satzung heißt. Um Wege, die schon früher, beispielsweise von Schulkindern, genutzt werden, muss sich entsprechend früher gekümmert werden.

Neben dem Räumen gehört bei Glätte auch das Streuen dazu, mit „abstumpfenden Mitteln“, wie es die Gieboldehäuser Verordnung beschreibt. Standard, so Olaf Müller vom Gieboldehäuser Bauamt, seien dabei Split oder Salz. Asche oder Holzspäne seien zwar ebenfalls wirksam und erlaubt, würden im Eichsfeld aber zu den Ausnahmen gehören - zum Glück, wenn man die anschließende Entsorgung bedenke.

So klar diese Vorgaben auch sind, so gern wird beim „privaten Winterdienst“ auch mal geschludert. „Gerade erst heute morgen habe ich eine Beschwerde entgegen genommen“, so Annelore von Hof von der Stadt gestern gegen Mittag. „Stinksauer“, sei der Anrufer gewesen – zu Recht. Auf dem glatten Gehweg vor dem Haus seines Nachbarn war nicht gestreut, seine Frau sei deshalb gestürzt. Auch bei der Samtgemeinde Gieboldehausen ist es ähnlich, kein Winter ohne Beschwerden. Oft ein Problem: Noch nicht bebaute Grundstücke, wie Ansgar Papke vom Ordnungsamt berichtet. Um Vergehen vorzubeugen, führe die Samtgemeinde nicht nur dort regelmäßig Kontrollen durch.
Bei Verstößen wählen die zuständigen Behörden immer zuerst den freundlichen Weg: persönliche Gespräche, Briefe mit dem Hinweis auf die Räum- und Streupflicht. Nur bei hartnäckigen Winterdienstverweigerern kommt es zum Äußersten: Die weitergeleitete Rechnung eines Streudienstes und gegebenenfalls ein Bußgeld. „Und das ist nicht günstig“, betont von Hof. Um die 100 Euro könnten beispielsweise bei der Stadt auf einen zukommen.

Dass viele Eigentümer ihre Pflicht aber auch sehr ernst nehmen, zeigt ein Blick in die Bau- und Heimwerkermärkte: Streusalz und Schneeschieber, etwa seit zwei Wochen seien auffällig viele davon verkauft worden, berichtet Ulrich Wagner, Geschäftsführer des Toom Baumarktes. „Die ersten Kunden kamen, da war noch keine Flocke gefallen.“ Nach den Erfahrungen aus dem vergangenen Winter – anhaltender Schnee hatte deutschlandweit zu Engpässen bei der Streusalzversorgung geführt – würden sich viele „schon jetzt bevorraten“.

Ähnlich geht es beim Eisenwaren Einzelhandel Eisen-Krone zu: Im Vergleich zum letzten Jahr sei schon jetzt auffallend viel verkauft worden, so Anetta Jankowski. Sorgen, kein Salz mehr zu bekommen, brauche sich aber niemand machen. „Noch ist alles im grünen Bereich“, lacht sie. „Aber die Meteorologen erwarten schließlich einen Jahrtausendwinter“, erklärt sie das Verhalten ihrer Kunden.

„Die Leute sind definitiv früher dran“, bestätigt auch Christiane Bloch von Marktkauf in der Schöneberger Straße in Duderstadt. Nicht nur der Zeitpunkt des Einkaufs, auch die Mengen seien in diesem Jahr andere. Da komme es schon mal vor, dass jemand 25-Kilogramm-Säcke im Dutzend kaufe.
Gelernt aus den Erfahrungen des letzten Winters haben auch die Eichsfelder Samtgemeinden und die Stadt Duderstadt. „Wir haben uns mehr als genug eingedeckt“, so von Hof. „Viel mehr als im letzten Jahr.“ Auch in der Samtgemeinde Gieboldehausen habe man im Hinterkopf, wie knapp es noch zu Beginn des Jahres mit dem Salz war. „Diesmal soll es so sein, dass es zu keinen Engpässen kommt“, so Papke.

Von Christina Stender