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Duderstadt Enkeltrick am Telefon: Betrüger haben es auf Senioren in Duderstadt und Umgebung abgesehen
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Enkeltrick am Telefon: Betrüger haben es auf Senioren in Duderstadt und Umgebung abgesehen 

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20:00 27.08.2020
Immer wieder wird versucht, Senioren mit dem sogenannten Enkeltrick zu betrügen. Quelle: dpa
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Göttingen/Duderstadt

In Duderstadt und den umliegenden Ortschaften ist es in den vergangenen Tagen vermehrt zu betrügerischen Anrufen falscher Angehöriger gekommen. Diese geben sich als Enkel, Nichten oder andere Angehörige aus, die in eine finanzielle Notlage geraten seien, teilt die Polizei mit. Vorgetäuschte Gründe sind Wohnungskäufe, Verkehrsunfälle oder auch eine Corona-Infektion. Aus diesem Grund sei eine schnelle und kurzfristige Unterstützung in Höhe von mehreren Tausend oder sogar mehreren Zehntausend Euro notwendig. Allerdings blieben die Straftaten nach bisherigen Erkenntnissen im Versuchsstadium, so die Polizei.

Zielgruppe sind ältere Menschen

Die Zielgruppe – ältere Menschen – gingen inzwischen sensibler mit dem Thema mit. Dies sei, sagt die Polizei, zumindest teilweise auf die große Nachfrage an Präventionsvorträgen zurückzuführen, die das Präventionsteam der Polizeiinspektion Göttingen anbietet.

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Immer mehr Menschen würden trotz guter Überzeugungskraft der Täter den Schwindel erkennen und reagierten sehr gut, schildert die Polizei. Sie stellten kritische Rückfragen, kündigten an, das Telefon auf Lautsprecher zu schalten, oder gäben an, bei Angehörigen rückfragen zu wollen. Das führte in den bekanntgewordenen Fällen dazu, dass die Betrüger von der Tat abließen und kein Schaden entstand, heißt es vonseiten der Polizei weiter.

Marko Otte warnt

Marko Otte, Beauftragter für Kriminalprävention der Polizeiinspektion Göttingen, warnt dennoch vor der Professionalität und Überzeugungskraft der Täter. Als extrem wichtig erachtet er die Maßnahme, dass Telefonbucheinträge, die aufgrund alter deutscher Vornamen auf ältere Menschen hindeuten könnten, entsprechend geändert werden müssen – und das schnellstmöglich. Die Möglichkeit, dies zu beantragen, sei online möglich, könne aber auch in der Filiale des jeweiligen Telefonanbieters beantragt werden. Wenn die Täter nicht mehr auf eben diese alten Vornamen stießen, sinke die Wahrscheinlichkeit, Opfer derartiger Anrufe zu werden, berichtet die Polizei. Ein weiteres Indiz, dass es sich bei Anschlussinhabern um ältere Menschen handele, seien sehr kurze drei- oder vierstellige Telefonnummern.

Opfer sollen Anzeige erstatten

Die Polizei rät, um „Enkeltricks“ zu vereiteln, misstrauisch zu sein, wenn sich jemand am Telefon nicht selbst mit Namen vorstellt. Sobald der Gesprächspartner Geld oder andere Wertgegenstände fordert, solle aufgelegt werden. Zudem sollten sich die Angerufenen, vergewissern, ob der Anrufer wirklich ein Verwandter ist, und dazu die jeweilige Person unter der bekannten und benutzten Nummer anzurufen und sich den Sachverhalt bestätigen zu lassen. Auch sollten keine Details familiären oder finanziellen Verhältnissen preisgegeben oder Geld beziehungsweise Wertgegenstände an unbekannte Personen übergeben werden. Die Polizei sollte über verdächtige Anrufe informiert werden. Opfern rät die Polizei, Anzeige zu erstatten.

Das Präventionsteam rät dazu, über derartige Betrugsversuche auch im Bekanntenkreis zu reden. Denn dann sei es möglich, auch andere Menschen, die bislang noch nicht dafür sensibilisiert sind, entsprechend zu warnen.

Derzeit keine Präventionsveranstaltungen

Da momentan noch keine öffentlichen Präventionsveranstaltungen angeboten werden könnten, sei dies eine „hervorragende Nachbarschaftshilfe“, schildert die Polizei. Das Göttinger Präventionsteam hofft, dass das in naher Zukunft wieder möglich sein werde. Dazu Marko Otte: „Wir stehen für die Bürger in den Startlöchern und warten nur auf den Startschuss. Wir haben unser Pulver noch lange nicht verschossen.“

Von Vicki Schwarze