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Duderstadt „Eine Ära ist vorbei“: So reagiert Duderstadt auf den Wahlsieg von Thorsten Feike
Die Region Duderstadt „Eine Ära ist vorbei“: So reagiert Duderstadt auf den Wahlsieg von Thorsten Feike
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21:22 15.09.2019
Thorsten Feike (3. von links) feiert mit seiner Familie und Freunden. Der FDP-Mann wird neuer Bürgermeister in Duderstadt. Quelle: be
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Duderstadt

Die Duderstädter haben sich für einen Wechsel entschieden. Ein FDP-Mann wird Nachfolger von Amtsinhaber Wolfgang Nolte (CDU). Bei der Stichwahl zur Bürgermeisterwahl siegte am Sonntag Thorsten Feike (FDP) mit 69,26 Prozent vor Stefan Koch von der CDU, der 30,74 Prozent der Stimmen erhielt. Die Wahlbeteiligung lag mit 51,9 Prozent etwas niedriger als vor 14 Tagen im ersten Wahlgang.

Wahlsieger Feike sagte am Abend: „Ich habe mit einem engen Kopf-an-Kopf-Rennen gerechnet. Aber dass das jetzt so ausgeht, hätte ich nie gedacht.“ Feike hatte im ersten Wahlgang 34,79 Prozent erreicht und konnte nun in der Stichwahl sein Ergebnis fast verdoppeln. Er sieht in dem deutlichen Wahlsieg eine Verpflichtung und spricht von einem „bewegenden Augenblick“. Am 1. November wird er sein neues Amt antreten.

Gratulation an Wahlsieger Feike

Ein besseres Ergebnis hätte sich CDU-Kandidat Stefan Koch gewünscht. Er erhielt bei der Stichwahl am Sonntag 30,74 Prozent der Stimmen. Im ersten Wahlgang wählten ihn 33,33 Prozent der Wahlberechtigten. Koch meldete sich um 18.47 Uhr via E-Mail bei der Tageblatt-Redaktion und teilte mit: „Thorsten Feike hat die Wahl gewonnen. Ich gratuliere ihm ganz herzlich und wünsche ihm stets eine glückliche Hand für unsere Heimatstadt Duderstadt.“

Die Stimmenverteilung in Duderstadt Quelle: Isi RudolphIsi Rudolph

Während im Keller des Hotels Budapest Party-Stimmung herrschte, machten die Mitglieder der CDU, die sich in der Gaststätte Elaton eingefunden hatten, bedrückte Gesichter. Ihr Kandidat war kurz vor 19 Uhr nicht vor Ort. Frank Germeshausen, Vorsitzender des CDU-Stadtverbands, gratulierte Feike zum Wahlsieg und versicherte, dass man mit ihm im Rat gut zusammenarbeiten wolle. „Natürlich sind wir enttäuscht über das Ergebnis“, so Germeshausen weiter, „aber das waren demokratische Wahlen“. Dass die Wahl so deutlich ausfallen würde, „war nicht zu erwarten“.

„Eine Ära ist vorbei“

Ein Statement gab am Abend auch der SPD-Stadtverbandsvorsitzende Matthias Schenke: „Eine Ära ist vorbei: Duderstadt hat Mut zum Wechsel gezeigt“, kommentierte Schenke, der selbst als Kandidat im ersten Wahlgang war und mit 27,60 Prozent den Einzug in die Stichwahl verpasst hatte. „Mit einem unfassbar deutlichen Ergebnis haben die Duderstädter Wählerinnen und Wähler für einen politischen Erdrutsch gesorgt.“ Schenke gratulierte dem Wahlsieger zu seinem „grandiosen Sieg“ und freute sich, dass seine Wähler aus dem ersten Wahlgang „jetzt ihre Stimme Thorsten Feike gegeben haben. Gemeinsam haben wir eine neue politische Ära in Duderstadt eingeläutet.“

Florian Lillpopp, der vor 14 Tagen als Bürgermeisterkandidat für „Die Partei“ ins Rennen gegangen war und mit 4,28 Prozent abgeschnitten hatte, hatte sich wie die SPD im Vorfeld der Stichwahl für den FDP-Kandidaten ausgesprochen. Lillpopp verfolgte gemeinsam mit Feike am Wahlabend, wie Wahlbezirk um Wahlbezirk vom FDP-Kandidaten geholt wurden. Dass es am Ende so deutlich für Feike ausgehen würde, „übertrifft alles, was ich für möglich gehalten habe in Duderstadt“, sagte Lillpopp.

„Zu offener Zusammenarbeit bereit“

„Die Wahl des Bürgermeisters stellt eine Zäsur in der politischen Geschichte der Stadt Duderstadt dar“, so äußerte sich Lothar Dinges von der Wählergemeinschaft Duderstädter Bürger (WDB). „Die Ära Nolte war geprägt von dem Novum der Eingleisigkeit: die Funktionen des ehrenamtlichen Bürgermeisters und des Stadtdirektors als dem Leiter der Verwaltung wurden auf eine Person vereinigt. Die damit verbundene Machtfülle wurde nicht nur in Duderstadt, sondern landesweit als Problem gesehen.“ Der Rat habe „über Jahre seine Souveränität nicht nutzen können, weil die Mehrheitsfraktion sich im Vertrauen auf das Können des amtierenden Bürgermeisters zu sehr zurückgelehnt hat“.

Unter neuer Führung hofft Dinges auf ein „harmonisches Zusammenspiel der drei Organe der Stadt Rat, Verwaltungsausschuss und Bürgermeister“. Von Feike wünsche sich die WDB „die Offenheit, das große kreative Potenzial aller an der Gestaltung unserer Stadt beteiligten Mitstreiter zu einen und zur bestmöglichen Entfaltung zu bringen. Wir sind zu einer guten und offenen Zusammenarbeit bereit“, so Dinges.

„Strukturen überprüfen und überarbeiten“

Die Duderstädter Grünen sprechen am Wahlabend von einem „enormen Vertrauensvorschuss“. „Wir sind sicher, dass Thorsten Feike ihn zu schätzen weiß. Nun bleibt zu hoffen, dass er im Stadthaus die Fenster weit aufreißt und Strukturen, die sich seit teilweise 31 Jahren eingefahren haben, überprüft und überarbeitet.“ An Feike, aber vor allem an den CDU-Prozenten, zeige sich, wie wichtig Nachwuchsförderung auf kommunaler Ebene ist.

Weitere Berichte zum Thema:

Mehr zur Bürgermeisterwahl in Duderstadt gibt es auf derTageblatt-Themenseite und Eindrücke vom Wahltag im Live-Ticker.

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