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Duderstadt Familie Mecke schätzt Lebensqualität innerhalb des Walls
Die Region Duderstadt Familie Mecke schätzt Lebensqualität innerhalb des Walls
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18:56 27.07.2009
Hat im Kern der Brehmestadt eine Heimat gefunden: Cornelia Hartmann.
Hat im Kern der Brehmestadt eine Heimat gefunden: Cornelia Hartmann. Quelle: Pförtner
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Ein Haus mit großem Garten in der Worbiser Straße tauschten Michaela und Christian Mecke gegen einen Altbau in der Jüdenstraße, der über ein Jahr lang von Grund auf saniert worden ist, um dem heutigen Wohnstandard zu entsprechen (Tageblatt berichtete). „Als ich das Haus zum ersten Mal von innen sah mit den kleinen dunklen Zimmern, war ich mir sicher, dass ich hier niemals wohnen wollte“, gesteht Michaela Mecke. Sie lacht und ihr Blick wandert durch die sonnigen Räume mit ihren hellen Lehmwänden.

Zwar ist in dem Fachwerkhaus aus dem Spätbarock noch nicht alles fertig, aber dunkel und klein wirkt hier nichts mehr. Dass man sich vom ersten Eindruck eines alten Hauses nicht abschrecken lassen sollte, wissen die Meckes, aber sie haben sich vorher genau informiert und den Rat von Fachleuten eingeholt. Dabei haben sie entdeckt, „dass ein guter Architekt die Fantasie beflügelt und Ideen hat, auf die man selbst nie gekommen wäre.“ Auch wisse er, was fachlich und statisch machbar sei.

Wohnen im Altbau solle nicht bedeuten, Abstriche zu machen, weder bei Heizkosten oder im Sanitärbereich, noch bei Licht, Raumhöhe und dem Plätzchen im Grünen. In Duderstadt hat der Denkmalschutz ein wachsames Auge. „Ich halte Denkmalschutz für eine wichtige Sache“, betont Christian Mecke, „aber ich bezweifle, dass es wirklich notwendig ist, für jedes kleine Fenster zum Innenhof genaue Vorschriften bis zu den Sprossen festzulegen.“

Nicht nur der emotionale Bezug zu dem Haus in der Jüdenstraße, das seit Jahrhunderten im Familienbesitz der Meckes ist, hat die Familie bewogen, sich auf das Abenteuer Altbausanierung einzulassen. „Es gibt verschiedene Gründe, warum wir uns für den Umzug in die Innenstadt entschieden haben“, erläutert der Familienvater. „Zunächst war die Zimmeraufteilung in unserem vorigen Haus ungünstig für unsere drei Kinder. Aber auch der Gedanke, unter einem Dach leben und arbeiten zu können, war faszinierend.“

Musikraum und Buchladen

Michaela Mecke gibt Musikunterricht, wofür sie ein Musikzimmer in der oberen Etage eingerichtet hat. Ihr Mann betreibt in der unteren Etage seine Buchhandlung. Die drei Kinder Carla, Jalda und Jakob freuen sich über die kurzen Fußwege zur Schule, wobei ihre Mutter betont, dass dafür keine verkehrsreichen Straßen mehr zu überqueren seien. Zudem sei die Kinderbetreuung während der Arbeitszeiten vereinfacht, weil immer jemand im Haus sei. Auch Bäcker und Schlachter seien bloß ein paar Meter entfernt und der Wall und das LNS-Gelände gut zu erreichen. „Was wirklich fehlt, ist ein Lebensmittelladen“, bedauert die Familie.

Der Garten wird allerdings nicht vermisst. „Darin haben wir selten gesessen. Meistens verbrachte man die Wochenenden mit Unkrautzupfen und Rasenmähen, da blieb wenig Zeit, den Garten als Erholungsort zu erleben“, erinnert sich Christian Mecke. Jetzt genieße man den Sommer auf der Terrasse, die oben in der ersten Etage den Blick über die Duderstädter Dachlandschaft frei gibt. „Sieben Türme können wir von hier aus sehen“, weiß der Hausherr, Carla und Jalda zählen nach. In der zweiten Etage wurde noch ein Balkon angebaut, und ganz unten sind zwei kleine Höfe, einer sonnig, der andere schattig. Auch die Innenstadt bietet bei kluger Planung Möglichkeiten, den Grill aufzustellen und die Sonne zu genießen. Die Kosten für die Altbausanierung seien nicht höher gewesen als die für einen Neubau, so die Hausbesitzer.

Die Geräuschkulisse des Stadtzentrums mit morgendlichem Lieferverkehr und den Kirchenglocken wird wahrgenommen, aber nicht als störend empfunden. „Allerdings ist bei uns keine Gastronomie in der Nähe“, wirft der Buchhändler ein. Er sei zwar der Meinung, dass in eine funktionierende Innenstadt Gastronomie hinein gehöre, wisse aber, dass es lauter sein würde, wenn neben dem Schlafzimmerfenster Musik und Gespräche bis in die Nacht hinein zu hören wären.

Auf die Frage, ob man die Öffnung der Fußgängerzone für den Verkehr begrüßen würde, kommt von der Mutter dreier Kinder ein striktes Nein: „Das würde die Wohn- und Lebensqualität mindern.“ Ihr Mann gibt zu bedenken, dass es vielleicht irgendwann doch zu diesem Beschluss käme: „Aber dann sollte auf jeden Fall die Möglichkeit vermieden werden, wieder Runde um Runde mit dem Auto durch die Innenstadt zu fahren.“

Aus München zugezogen

Vor wenigen Monaten zog Cornelia Hartmann in das Dachgeschoss eines hundert Jahre alten Hauses auf der Spiegelbrücke. Zuerst die Diplomarbeit, dann die feste Stelle bei Otto Bock brachten die junge Münchnerin nach Duderstadt. Zusammen mit einer Arbeitskollegin bewohnt sie nun die stilvoll sanierte Altbauwohnung mit Dielenfußböden, winkeligen, lichten Räumen und einem kleinen Balkon.

„In der Innenstadt hatten wir uns zwei Wohnungen angesehen, die beide in sehr gutem Zustand waren. Die beiden Wohnungen, die uns außerhalb des Walls angeboten worden waren, entsprachen nicht dem heutigen Standard,“ berichtet Hartmann. Bevor es sie auf die Spiegelbrücke verschlug, hatte sie einige Monate in Tainan, Taiwans viertgrößter Stadt mit über 4000 Einwohnern pro Quadratkilometer, gelebt. Nach dem asiatischen Großstadtgewusel im beschaulichen Eichsfeld gelandet zu sein, bereite ihr keinerlei Probleme, beteuert die junge Frau. „Die Asiaten haben in ihren Städten wunderschöne Parkanlagen, aber in Duderstadt gefällt mir die Verbindung zwischen Naturnähe und dem historischem Ambiente. In wenigen Minuten ist man auf dem Wall oder im Stadtpark, und die romantische Idylle in vielen Ecken der Innenstadt begeistert mich jeden Tag“, schwärmt sie für ihre neue Umgebung.

Dass die Wohnung über einem Restaurant liegt, stört Hartmann nicht. „Da hört man wenig, die Leute gehen essen und sitzen nicht bis tief in die Nacht hinein bei lauter Musik.“ Auch das Geschäftsangebot in der Fußgängerzone sei attraktiv, allerdings bedauert sie, dass sie es so selten nutzen könne. „Wenn ich zur Arbeit fahre, haben die meisten Geschäfte noch nicht auf, und wenn ich Feierabend habe, sind die Läden bereits geschlossen.“ Wünschen würde sie sich wenigstens einen Tag in der Woche, an dem alle bis 19 Uhr geöffnet hätten. „Und ein guter Asiashop wäre toll, da ich mit meiner Freundin gern indisch koche, aber hier nicht die frischen Zutaten bekomme“, gesteht sie lächelnd. Die Freundin – eine Kollegin – sei ebenfalls in die Duderstädter Innenstadt gezogen.

Gefallen an Fußgängerzone

Die Fußgängerzone wieder für den Verkehr zu öffnen, hält Hartmann für keine gute Idee: „Man kann alles bequem mit dem Fahrrad oder zu Fuß erreichen, und ich genieße es, am Wochenende bei Sonnenschein in einem der Cafés oder einer der Eisdielen zu sitzen. Mehr Verkehr fände ich störend.“ Auffällig sei allerdings, dass nach Ladenschluss die Fußgängerzone sehr ruhig werde – auch die Gastronomie – und dass viele Geschäfte leer stünden.

Hartmann sieht Duderstadt nicht bloß als kurze Zwischenstation auf ihrem Lebensweg. Sobald ihr Mann beruflich in der Region Fuß fassen könne, wolle man sich hier ganz einrichten. „Noch pendeln wir am Wochenende zwischen München und Duderstadt, aber es gefällt uns beiden so gut hier, dass wir uns für das Eichsfeld als künftige gemeinsame Heimat entschieden haben“, verrät sie ihre Zukunftspläne. Geheiratet hat das Paar vor wenigen Wochen – in St. Servatius.