Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Duderstadt Fiepen im Ohr nach der Disco bedeutet Alarm
Die Region Duderstadt Fiepen im Ohr nach der Disco bedeutet Alarm
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:29 01.11.2011
Kann dem Gehör schaden: Der Kopfhörer vom MP3-Player sorgt bei vielen Jugendlichen für Dauerbeschallung. Quelle: Pförtner
Anzeige

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) warnt: Wenn mehr als 85 Dezibel dauerhaft ins Ohr dringen, kann es zu Schäden des Organs kommen. In Discos und auf Rockkonzerten sind mehr als 100 Dezibel üblich. Ähnlich hohe Werte erreicht laute Musik durch den Kopfhörer eines MP3-Players. Hier geht der Schall sogar ohne Filterung direkt in den Gehörgang, was die Sache umso gefährlicher macht. Schätzungsweise jeder vierte Jugendliche, so die BzgA, hat Probleme mit dem Gehör.

Am Eichfeldgymnasium Duderstadt (EGD) werden in den zehnten Jahrgängen regelmäßig freiwillige Hörtests durchgeführt. „Bei der Untersuchung vor den Sommerferien war das Ergebnis bei 40 Prozent der Freiwilligen zumindest auffällig“, sagt Physiklehrer Joseph Steuer. Eine weitere Untersuchung wurde vor den Herbstferien angeboten. „Da war das Ergebnis besser. Von 30 Teilnehmern gab es dennoch bei fünf oder sechs Personen Probleme mit dem Gehör“, so der Lehrer.

Anzeige

Als Grund für die Untersuchungen nennt er die Warnungen von Krankenkassen und Ärzten: Nicht nur regelmäßige Discobesuche, sondern auch der stetige Stecker im Ohr vom MP3-Player, dauerhaftes Telefonieren mit dem Handy oder stundenlanges Gameboyspielen können Hörschäden verursachen. In einer Studie, die die Europäische Union 2008 in Auftrag gegeben hat, wird festgestellt: Wer fünf Jahre lang mit dem Knopf im Ohr etwa eine Stunde am Tag Musik in hoher Lautstärke hört, kann sein Hörvermögen für immer verlieren. Das Fatale: Die Schädigungen kommen schleichend. Die meisten Betroffenen merken eine Beeinträchtigung erst spät oder verdrängen frühe Anzeichen.

Schwerhörigkeit bei Jugendlichen werde oft nicht vermutet, hat der Bundesverband der Hörgeräte-Industrie festgestellt. Laut Verband denken nur zehn Prozent der 16- bis 19-Jährigen bei der häufigen Frage „Was hast du gesagt?“ an mögliche Hörschäden des Partners, meistens wird Unaufmerksamkeit oder Desinteresse unterstellt. Häufiges Nachfragen oder Überhören des Telefons, lautes Sprechen oder lautes Fernsehen seien jedoch mögliche Indizien für schlechtes Hören. Die Folgen könnten soziale Isolation, Schwierigkeiten in der Schule oder im Beruf und ein erhöhtes Unfallrisiko sein.

„Die Problematik ist noch relativ neu“, sagt auch EGD-Lehrer Steuer. „Die ständige Beschallung hat bei Jugendlichen zugenommen. Heute hat jeder ein Handy oder einen MP3-Player, und die Folgen sind nicht sofort zu spüren. Da sind auch die Schulen gefordert, Zeit in Prävention zu investieren.“

Die freiwilligen Hörtests sollen weiterhin am EGD durchgeführt werden, wozu die Eltern allerdings ihre schriftliche Einwilligung geben müssen. Steuer überlegt, ob er in seinem Fach Physik in Zukunft ein besonderes Augenmerk auf das Thema Schall legen sollte, obwohl dies eigentlich laut Lehrplan nicht vorgesehen ist. Die BzgA empfiehlt, in Schulen auch fächerübergreifend an der Lärm-Prävention zu arbeiten. Beispielsweise könne in Biologie das Ohr unter diesen Aspekten durchgenommen werden, in Musik Lärmschutz beim Spielen von Instrumenten, und in Arbeitslehre Gehörschutz im Beruf.

Tipps zur Lärmprävention

Zum Thema Lärmprävention hat Thilo Ebbighausen Auszüge seiner Diplomarbeit unter laermpraevention.de ins Internet gestellt. Hier gibt es leicht umsetzbare und fachlich begründete Tipps zur Vorbeugung. Es wird unter anderem dazu geraten, in der Disco einen größeren Abstand zu den Lautsprecherboxen zu halten, oder den MP3-Player nur so laut zu drehen, dass ein normal sprechender Mensch zu verstehen ist.

Auch Tipps für Musiker wurden nicht vergessen. Einen Hörtest können Jugendliche auf der Website der FH München machen unter earaction.de. Und in der Broschüre Zuviel für die Ohren von der Bundeszentrale für gesundheitliche

Aufklärung gibt es umfangreiche Infos zur Prävention. Die Broschüre ist auch als Download unter bzga.de erhältlich. Außerdem bietet die BzgA für Lehrer Unterrichtsmaterial zum Thema Lärm und Gesundheit an, das in Bausteinen für die Fächer Physik Biologie, Musik, Erdkunde und Arbeitslehre bestellt werden kann. Infos dazu bei lehrer-online.de.

Von Claudia Nachtwey