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Duderstadt Die letzten Flüchtlinge ziehen aus
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00:18 22.12.2017
Zwei der letzten Bewohner im Rosenthaler Hof – wie alle anderen werden Dawuda aus Gambia und Jawad aus Afghanistan (von links) am Mittwoch ausziehen. Quelle: Arne Bänsch
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Duderstadt

Die Speisen am Buffet dampfen, doch am Dienstag hat das Küchenteam im Rosenthaler Hof nicht mehr viel zu tun. Nur noch sieben Flüchtlinge kommen zum Mittagessen, auch sie sollen am Mittwoch abreisen. „Morgen geht es nach Peine, dort kann ich hoffentlich einen Deutschkurs besuchen“, erzählt Ibrahim Ahmed, ein junger Mann aus dem Sudan. Um ihn herum sind fast alle Plätze frei. Die leeren Stühle zeugen von Zeiten, in denen das Hotel mit 650 Flüchtlingen weit über die Kapazitätsgrenze hinaus belegt war.

Angefangen hat es im Januar 2015, als das Land Niedersachsen die Friedländer Erstaufnahmeeinrichtung erweiterte. Mehrere Außenstandorte kamen hinzu, darunter der Rosenthaler Hof. Weil in Friedland der Platz fehlte, werde das Hotel als „Puffereinrichtung“ gebraucht, sagte damals Norbert Heine, Leiter der niedersächsischen Landesaufnahmebehörde (LAB). Diese ist zunächst für ankommende Flüchtlinge zuständig, bis sie auf Kommunen verteilt werden – was meist etwa drei Monate dauere, so Heinrich Hörnschemeyer, Leiter der Friedländer Erstaufnahmeeinrichtung.

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Statt der anfangs geplanten 150 Flüchtlinge waren im Spätsommer 2015 allerdings zeitweise 650 Flüchtlinge auf dem früheren Spätaussiedlerhof untergebracht. Davon 300 in der Sporthalle, die geöffnet wurde, nachdem ein anderer Standort der Friedländer Einrichtung von einem Hochwasser beschädigt worden war. Die Hotelleitung legte eine Nachtschicht ein, gleiches galt für Ottobock, wo kurzerhand 100 Matratzen hergestellt wurden.

Insgesamt habe er die Zeit als „sehr positiv“ empfunden, sagt Hotelleiter Eckhard Melz – und betont zugleich, dass das keine politische Wertung sei. „Wir haben die Flüchtlinge stets als Gäste betrachtet“, betont Melz. Zugleich habe sich das Team auf die neue Situation eingestellt, indem unter anderem 450-Euro-Kräfte als Helfer bei der Betreuung eingestellt worden seien. Zudem hätten Ehrenamtliche Nähkurse, Bastelworkshops, Deutschstunden und ähnliches angeboten. Das habe allerdings abgenommen, als zuletzt deutlich weniger Flüchtlinge in dem Hotel untergebracht waren.

Intern habe es keine großen Probleme gegeben, sagt Melz außerdem. Das bestätigt auch die Polizei in Duderstadt, der zufolge es „keine nennenswerten Probleme mit Kriminalität“ im Rosenthaler Hof gab. Insgesamt habe es dort seit 2015 etwa 60 Einsätze gegeben – allesamt wegen Streitereien der Bewohner untereinander. Ein „normales Geschehen“ angesichts der Unterbringungssituation und daraus resultierenden Konflikten, sagt Polizeisprecherin Jasmin Kaatz dazu.

Auch Hörnschemeyer hat für die Unterkunft im Rosenthaler Hof nur warme Worte übrig. Abseits der Flexibilität bei der kurzfristigen Öffnung der Turnhalle lobt er die hohe Qualität der Unterbringung in den zwei- und vier-Bett-Zimmern. Für die Unterkunft hat die Landesaufnahmebehörde in den vergangenen zwei Jahren etwa 14 Millionen Euro aufgewendet, teilte die Pressestelle der Landesaufnahmebehörde mit.

Sofern die Flüchtlingszahlen nicht plötzlich wieder steigen, will seine Einrichtung künftig ohne Außenstellen auskommen, kündigte Hörnschemeyer an. Von den 2015 eingerichteten vier Standorten im Landkreis ist der Rosenthaler Hof der letzte, der noch im Betrieb ist. Zum Jahreswechsel wird auch das endgültig aufhören – die LAB habe keine Pläne, die Einrichtung weiterhin zu nutzen, erklärte deren Pressestelle. Auch Melz plant, dass dann der Betrieb des Hotels „zunächst mal eingestellt wird“.

Von Christoph Höland

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