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Duderstadt Initiativen demonstrieren gegen NPD-Veranstaltung
Die Region Duderstadt Initiativen demonstrieren gegen NPD-Veranstaltung
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07:36 19.05.2019
Der Zug der Gegendemonstranten setzt sich am Leinefelder Bahnhof in Bewegung.
Der Zug der Gegendemonstranten setzt sich am Leinefelder Bahnhof in Bewegung. Quelle: Scharf
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Göttingen

Gegen 15 Uhr startete der Zug der Gegendemonstranten am Bahnhof von Leinefelde. Das Eichsfelder Bündnis gegen Rechts hatte zum Protest gegen die von NPD-Bundesvize Thorsten Heise initiierte Veranstaltung aufgerufen und zahlreiche Gruppen auch aus dem benachbarten Niedersachsen waren gekommen.

Zu diesem Zeitpunkt war der Andrang auf dem umzäunten Festgelände am anderen Ende der Stadt noch sehr überschaubar, eine Gruppe aus etwa 20 NPD-Anhängern bewegte sich durch die Straßen. Erstmals hatte der Veranstalter des Eichsfeldtages seinerseits eine Demonstration angemeldet, nachdem die Stadt Leinefelde die Auflagen für seine diesjährige Veranstaltung kurzfristig verschärft und damit die weicheren Auflagen des Landkreises teilweise gekippt hatte.

Schon im Vorfeld hatte die Entscheidungen des Landrats Werner Henning (CDU) auch auf Landesebene für heftige Kritik gesorgt. Bündnissprecherin Eli Sondermann fasste die Ereignisse der vergangenen Tage zu Beginn der Kundgebung am Sonnabend noch einmal zusammen. Der Auflagenbescheid habe weder den Passus zum strikten Alkoholverbot, noch zum notwendigen Kinder- und Jugendschutz enthalten.

Entsprechende Ratschläge der im thüringischen Innenministerium eigens für diese Art von Veranstaltung eingerichtete Task Force seien weitgehend ignoriert oder weichgespült worden, so Sondermann. So hätte man „zumindest den Spaßfaktor“ an dem als Versammlung deklarierten Rechtsrockkonzert minimieren können.

Seit 2011 setzen sich die Bürger Leinefeldes gegen den Eichsfeldtag zur Wehr. Dabei vermissen sie die Unterstützung aus der Verwaltung. „Der Landrat möchte nicht mit uns reden“, stellte Sondermann fest. Seine „Vogel-Strauß-Strategie“, die Machenschaften der Rechten in der Stadt zu ignorieren, könne nicht funktionieren. Sie sei allen Menschen sehr dankbar, die an diesem sonnigen Tag lieber für die Verteidigung der Freiheit auf die Straße gingen, als daheim „bei Rhabarberkuchen auf dem Sofa“ zu sitzen.

Unter dem Motto „So bunt ist Europa“ hat das Eichsfelder Bündnis gegen Rechts Proteste gegen den sogenannten „Eichsfeldtag“ der rechtsextremen NPD organisiert.

Tatsächlich aber hatten erneut etwas weniger Menschen als im Vorjahr den Weg auf die Straße gefunden. Die 20 000-Einwohner-Stadt wirkte an diesem sonnigen Sonnabend ungewöhnlich unbeteiligt. Nur wenige Anwohner zeigten kurzfristig Interesse am vorbeiziehenden Demonstrationszug, einige Gardinen bewegten sich, aus einigen Fenster waren Stimmen zu hören. Nicht alles klang nach Zustimmung.

Aber auch die NPD stieß mit ihrer Mischung aus Europawahlkampf und Rechtsrockkonzert in der Szene offenbar nicht auf sonderlich reges Interesse. Waren noch vor zwei Jahren knapp 500 Rechte auf dem Sportplatz im Süden Leinefeldes zusammengekommen, zählte die Polizei in diesem Jahr lediglich 130Teilnehmer.

Und so konnte Dirk Adams, Grünenabgeordneter im Thüringer Landtag, bei der Abschlusskundgebung der Eichsfeldtagsgegner den NPD-Anhängern auf dem Ohnesportplatz entgegenrufen: „Wir sind mehr und das ist gut so.“ Das Aufeinandertreffen der politischen Gegner auf dem weitläufigen Gelände mit lauter Musik, „Nazis raus“-Rufen und Seifenblasen wirkte ansonsten eher inszeniert und endete wenig später so geregelt, wie es begonnen hatte.

Die Bilanz der Polizei nach Abschluss des neunten Eichsfeldtages: Zwei Teilnehmer hatten die Hand zum Hitlergruß erhoben und müssen sich wegen Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verantworten. Gegen einen weiteren Teilnehmer ermittelt die Polizei wegen Nötigung eines Journalisten. Ansonsten blieb es ruhig an diesem sonnigen Sonnabend in Leinefelde.

Von Markus Scharf

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