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Duderstadt Friseure klagen: Wo sind die Auszubildenden?
Die Region Duderstadt Friseure klagen: Wo sind die Auszubildenden?
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18:54 18.08.2011
Beklagt Azubi-Mangel: Iris Schwetschenau-Kopp, die hier beobachtet, wie Sandra Ulbricht Aaron Kunkel die Haare schneidet.
Beklagt Azubi-Mangel: Iris Schwetschenau-Kopp, die hier beobachtet, wie Sandra Ulbricht Aaron Kunkel die Haare schneidet. Quelle: AT
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Duderstadt

„Es gab Zeiten“, sagt die Obermeisterin, „da waren in jedem Lehrjahr die Klassen mit 20 bis 30 Schülern voll.“ Gründe für den Rückgang gebe es viele, sagt die Friseurin, die ihr Handwerk seit 31 Jahren ausübt. Zum einen steige die Zahl derjenigen, die sich ohne Meistertitel selbstständig machten. „Und die dürfen dann nicht ausbilden.“ Zum anderen sei es zunehmend unwirtschaftlich, Auszubildende einzustellen, urteilt Schwetschenau-Kopp. Zwei Tage pro Woche Schule, dazu gestiegene Löhne, „das gab einen klaren Knick.“

Zwar würden sich viele junge Menschen bewerben. Doch die Qualität der Interessenten stimme häufig nicht, führt die Obermeisterin einen weiteren Grund für den Mangel an Auszubildenden an. „Jemanden mit einer Fünf in Mathe und Chemie können wir nicht nehmen.“ Friseur werde man aus Leidenschaft, „da reicht es auch nicht, wenn man auf die Frage ‚Warum Friseur‘ einfach nur antwortet: ‚Weil ich gern mit Menschen zu tun habe.‘ “

Sorgen und Nöte, die nicht auf die Friseur-Innung Duderstadt beschränkt sind, bestätigt Andreas Gliem, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Südniedersachsen. Einen so drastischen Auszubildenden-Mangel wie bei den Duderstädter Friseurbetrieben kann er für die anderen Innungen zwar nicht feststellen, in Göttingen gebe es zum Teil 80 Bewerbungen auf eine Stelle. Aber das Thema Ausbildung ist für das Handwerk schwierig. „Bundesweit bildet nur jeder vierte Betrieb aus, leider“, stellt Gliem fest. Dabei dürfe laut Handwerksordnung jeder ausbilden, der persönlich und fachlich geeignet sei, erklärt er. Deshalb würden die Innungen immer wieder dazu aufrufen, „auch die Friseur-Innung Duderstadt unternimmt hier alle Anstrengungen“, so seine Beobachtung.

An einem Punkt fordert Gliem jedoch ein Umdenken. Er kenne die Klagen über die mangelnde Qualität der Bewerber. „Der demografische Wandel lässt uns aber keine Wahl, uns auch um Schwächere zu kümmern“, so Gliem. Es gebe bereits gute Ansätze, die Ausbildungsfähigkeit junger Menschen zu verbessern. „Ich verweise auf das tolle Modellprojekt der BBS Münden.“ Der Geschäftsführer bewertet das auch an der BBS Duderstadt eingeführte Schülercoaching (Tageblatt berichtete) als „das Vorzeigeprojekt überhaupt“.

Und Gliem appelliert an die Jugendlichen, über eine Ausbildung im Handwerk nachzudenken. Beispielsweise könne man in Niedersachsen mit einem Meistertitel studieren, eine Handwerksausbildung biete alle Karrierechancen, so Gliem. „Vielen jungen Menschen ist nicht bewusst, welche Perspektiven Ihnen offen stehen“, so der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft.

Von Erik Westermann und Ulrich Lottmann