Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Duderstadt Fünf Glocken bringen das Geläut zum Jubeln
Die Region Duderstadt Fünf Glocken bringen das Geläut zum Jubeln
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:18 13.07.2011
Fünf Glocken, ein beeindruckender Klang: das Geläut von St. Servatius Duderstadt.
Fünf Glocken, ein beeindruckender Klang: das Geläut von St. Servatius Duderstadt. Quelle: Thielev
Anzeige

Ein prachtvolles Geläut! Wenn die Glocken der Servatiuskirche ihren Klang im Zentrum Duderstadts erschallen lassen, dann jubelt es, als fielen Ostern und eine Hochzeit auf einen Tag.
Fünf Glocken sind dafür verantwortlich – und die Heidelberger Glockengießerei Friedrich Wilhelm Schilling, die 1957 die ersten vier, 1975 die fünfte Glocke für St. Servatius lieferte. Die Kombination der Schlagtöne d’, f’, g’, b’ und c” hatte sich die evangelische Gemeinde so gewünscht – in Abstimmung mit dem Geläut der benachbarten katholischen Kirche St. Cyriakus, die in dieser Serie später ebenfalls vorgestellt wird.

Was macht diese Zusammenstellung so wohlklingend? Zum einen die dichte Lage der Schlagtöne, zum anderen – kleiner Exkurs für Notenkundige – die reizvolle Kombination aus den kleinen Terzen d-f und g-b, die beide Mollcharakter haben, mit dem ebenfalls im Gesamtklang vorhandenen B-Dur-Dreiklang d-f-b. Eine ausgeklügelte Läute­ordnung verknüpft Auswahl-Klänge mit bestimmten liturgischen Zwecken.

Auch die Einzelglocken haben eine Zuordnung. Die höchste Glocke auf c” mit der Inschrift „Fülle uns frühe mit deiner Gnade“ läutet als Morgenglocke um 7 Uhr, die Glocke auf g’ („Verleih uns Frieden gnädiglich“) ist die Mittagsglocke um 12 Uhr, die Glocke auf f’ („Meine Seele erhebet den Herren“) die Abendglocke um 18 Uhr. Die tiefste Glocke trägt die Inschrift „Herr Gott, dich loben wir, Herr Gott, wir danken dir“, sie wird ebenso wie die höchste, also kleinste Glocke auf c” nur an besonderen Feiertagen geläutet. Alle fünf Glocken – die Küster Hans-Georg Schulz auf besonderen Wunsch des Tageblatts für die Podcast-Aufnahme angeschaltet hat – sind sonst gemeinsam nur zu Neujahr und Ostern zu hören.

Die alten Glocken in St. Servatius wurden beim Brand 1915, der auch die gesamte Innenausstattung der Kirche vernichtete, zerstört. Sie stürzten auf das Steingewölbe der Turmhalle und zerschmolzen in der Glut. Eine dieser Glocken stammte vermutlich aus dem 14. Jahrhundert und trug die Inschrift „IHESVS + MARIA“ in „ausgezeichnet stilisirten Majuskelzügen“, wie Carl Otto 1871 in seinem Aufsatz „Geschichtliche und artistische Notizen über Glocken“ vermerkte. Die zweite aus dem Jahr 1496 wurde möglicherweise von Andreas Botger, dem Gießer der Glocke von 1513 in Germershausen, gefertigt. Sie war 65 Zentner schwer und trug die Inschrift „Anno d(omi)ni m cccc lxxxxvi in die margherte · casper · hilf got · maria · berath · sanctus · servacius“ (beide Inschriften zu finden unter www.inschriften.net mit den Nummern DI 66, Nr. 80 und DI 66, Nr. 32). „In die margherte“ bedeutet „am Tag der Margarethe“, das ist der 13. Juli.

Nach dem Brand 1915 wurde die Inneneinrichtung der Kirche bis 1917 erneuert. Der 1928 erneuerte Turm wurde mit zwei Glocken bestückt, die die Firma Otto in Hemelingen gegossen hat. Schlagtöne waren c‘ und es‘. Von ihnen wurde die größere im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmt. Die es‘-Glocke blieb übrig. Sie wurde, weil sie denselben Ton wie die tiefste Glocke von St. Cyriakus hatte, im Zusammenhang mit der Anschaffung des neuen Geläuts verkauft und hängt nun in der Münsterkirche St. Alexandri in Einbeck.

Ältester Teil der Kirche ist der Chorraum, der um 1370 errichtet wurde. Das Langhaus stammt aus dem 15. Jahrhundert, der Turm aus dem 16. Jahrhundert. Bemerkenswert ist die dem Jugendstil zuzuordnende Innenausstattung, die nach dem Brand 1915 geschaffen wurde, sowie die 1977 erbaute Ahrend-Orgel mit 28 Registern.
In der kommenden Woche: die Glocken der Kirche St. Pankratius in Fuhrbach.

Von Michael Schäfer