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Duderstadt Gähnende Leere in Duderstadt
Die Region Duderstadt Gähnende Leere in Duderstadt
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21:36 18.07.2014
Von Nadine Eckermann
Einzelhandel im wahrsten Sinne: In der Apothekenstraße steht beinahe jedes Geschäft für sich allein da. Außen herum gibt es Leerstände. Quelle: Thiele
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Duderstadt

Beispielsweise das Gebäude gegenüber der St.-Servatius-Kirche an der Marktstraße 9. Darin befand sich – unter verschiedenen Betreibern – über Jahre hinweg eine Bäckerei.

Nun, seit die Filiale von Landbackwaren Bock geschlossen ist, herrscht dort gähnende Leere. Hubertus Werner, CDU-Ortsbürgermeister und Vorsitzender  des Vereins Treffpunkt Stadtmarketing, führt dies auf verschiedene Ursachen zurück.

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Zum einen hält er die erneute Vermietung an einen Bäckereibetrieb für unwahrscheinlich, da sich in den vergangenen Jahren die Filialdichte in der Umgebung erhöht habe. Zum anderen seien die Ansprüche an Geschäftsräume mittlerweile verändert: Wo früher ein Tresen ausgereicht hätte, um Kunden glücklich zu machen, seien heute Stehtische und idealerweise eine Außenbestuhlung vonnöten.

„Aber der Laden läuft und dient als Kundenmagnet, von dem auch die umliegenden Geschäfte profitieren“

Die Firma Bock habe versucht, dies umzusetzen. Doch einem neuen Mieter würden die rund 80 Quadratmeter Fläche für ein solches Vorhaben wohl kaum mehr ausreichen – Top-Lage hin oder her.

Also sei Kreativität gefragt – von allen Seiten. Zunächst einmal seien die Hauseigentümer gefragt, wenn es um die Anpassung der Geschäfte an die neuen Ansprüche gehe. Er selbst habe auch schlucken müssen, als er für die C&A-Filiale in seinem Haus seine Werkstatt aufgeben musste. „Aber der Laden läuft und dient als Kundenmagnet, von dem auch die umliegenden Geschäfte profitieren“, sagt er.

Zum anderen müsse darüber nachgedacht werden, welche Anbieter die Kunden nachfragen würden. Ihm persönlich fehlten beispielsweise ein weiteres Fachgeschäft für Wäsche. Optiker und Handyläden seien mittlerweile zuhauf vertreten – wiederum ein Zeichen der veränderten Nachfrage – andere Waren würden zu wenig angeboten.

Wegen Renovierung geschlossen
Zudem halte er es für fragwürdig, bestehenden Leerstand zu „dekorieren“. Beispielsweise gebe es Geschäfte, die seit Monaten auf Renovierungsarbeiten verwiesen – doch von außen sichtbar tut sich darin gar nichts. Im Fall des Asia-Imbisses auf der Marktstraße, Ecke Apothekenstraße, der einen solchen Hinweis ebenfalls im Fenster hängen hat, zeichne sich aber eine Wiedereröffnung ab: Ein neues Firmenschild ist angebracht.

Guten Mutes sei er auch bei dem Geschäft, in dem zuletzt „Na und“ zu finden war: „Da wird wieder jemand reingehen.“

Anders die Situation in den Seitenstraßen: Die Apothekenstraße sieht bis auf wenige Ausnahmen aus wie leergefegt, die Jüdenstraße ebenfalls. „Die Entwicklung macht mir ernsthaft Sorgen“, bezieht er sich speziell auf die Apothekenstraße, in der in den vergangenen Jahren Geschäfte komplett leer geblieben seien.

„Hier besteht eine Zersiedelung, die für niemanden gut ist.“ Außerdem habe dort zuletzt in bestimmten Immobilien eine hohe Fluktuation geherrscht – ebenfalls kein gutes Zeichen.

„Geschäftsleute suchen Immobilien in 1-A-Lagen“

Werner führt dies auf den Wunsch zurück, mit dem eigenen Laden möglichst zentral zu liegen: „Geschäftsleute suchen Immobilien in 1-A-Lagen“, sagt Werner. Die Räume in den Seitenstraßen seien schwer zu vermieten. Er hoffe darauf, durch eine Bündelung der Kräfte aller Beteiligten eine Besserung der Situation herbeiführen zu können.

Erstes wichtiges Thema dabei: die Ladenöffnungszeiten. „Hier muss eine einheitliche Regelung her“, glaubt er. Idealerweise für alle Geschäfte und alle Tage. Dann: die Themenmärkte. Auch hier würde er gern sehen, dass sich alle Geschäftsleute im selben Maße beteiligten, nicht nur durch eine Öffnung ihrer Läden, sondern auch finanziell.

Die Sonntagsöffnungen während des Frühlings- und Gartenmarktes sowie beim Apfel- und Birnen-Markt und dem Wurstmarkt seien verkaufsstarke Tage. Es gebe aber noch „Luft nach oben“, wenn alle an einem Strang zögen.

Auch in Bezug auf Werbung würde er sich ein stärkeres Miteinander wünschen. Durch einen engen, hochattraktiven Standort im kleinen Marktgebiet könne langfristig ein Erfolg erzielt werden, glaubt er. „Wichtig ist, dass die Stadt belebt ist – nicht nur an einzelnen Tagen, sondern dauerhaft.“

Leerstände in Duderstadts Innenstadt. © Thiele