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Duderstadt Ger-Sakerfalke macht Urlaub bei Schöttelndreier
Die Region Duderstadt Ger-Sakerfalke macht Urlaub bei Schöttelndreier
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19:03 04.01.2011
Von Anne Eckermann
Fachmann für verletzte Greifvögel: Friedrich-Karl Schöttelndreier mit einem Mäusebussard.
Fachmann für verletzte Greifvögel: Friedrich-Karl Schöttelndreier mit einem Mäusebussard. Quelle: Pförtner
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Mit fünf anderen Tieren, darunter Waschbär, Amsel und Papagei, sowie vier Dauerpflegefällen – drei Turmfalken und ein Steinkauz – hat der Rüdershäuser über das vergangene Jahr hinweg insgesamt 36 tierische Patienten betreut. „Obwohl der Wintereinbruch viel früher kam als erwartet, ist die Zahl meiner Pflegetiere geringfügig gesunken“, zieht der Greifvogel-Experte Bilanz. Den Grund dafür sieht Schöttelndreier darin, dass bei der seit Wochen extremen Witterung weniger Menschen in Wald und Flur unterwegs seien und somit auch weniger verletzte oder kranke Vögel gemeldet würden.

Wie sich in den über 25 Jahren seit Gründung der Station im Altdorf von Rüdershausen gezeigt hat, werden die meisten Greife und Eulen während des Winterhalbjahres und der Brutzeit abgegeben. „Im Winter kommen überwiegend durch Hunger geschwächte Vögel bei mir an. Da ist die Überlebenschance sehr gering, weil die Tiere extrem geschwächt sind“, erklärt der Rüdershäuser. Mit 13 Exemplaren, von denen nur drei überlebten, stellen die Mäusebussarde einen großen Anteil der tierischen Patienten. Ihnen wird nicht selten der Straßenverkehr zum Verhängnis – im Gegensatz zu Turmfalken und Sperbern, deren Hauptunfallursache der „Scheibenflug“ ist.

Inmitten der viele Stunden kostenden Pflegearbeit erlebte Schöttelndreier auch im vergangenen Jahr wieder ganz persönliche Highlights. Erstmalig wurde in der Rüdershäuser Station ein Kongo-Graupapagei aufgenommen, der im August seinem Besitzer entflohen war. „Dank des Berichtes im Tageblatt kam der gelehrige Vogel aber schnell wieder nach Hause“, freut sich den engagierte Naturfreund. Absoluter Höhepunkt im Jahresgeschehen war für den ehemaligen Grenzschützer allerdings der Aufenthalt eines Ger-Sakerfalken, den ein Landwirt aus Renshausen bei Schöttelndreier abgegeben hatte. „Anhand der Adresstafel konnte ich schnell einen Ansprechpartner ermitteln. Es stellte sich heraus, dass der Großfalke bei einer Flugvorführung auf dem Hohen Meißner in Richtung Eichsfeld entwischt war“, erinnert sich der Rüdershäuser schmunzelnd. In gutem Zustand sei der wertvolle Vogel wieder seinem Halter übergeben worden, der sich sehr über die Rückkehr seiner „Prinzessin“ gefreut habe.

Als rundum positiv wertet Schöttelndreier sein Steinkauz-Projekt. Vier kleine Käuze wurden 2010 großgezogen. Darüber hinaus stellte ein Holländischer Zoo im März zunächst fünf Käuze zur Verfügung, im Oktober folgten noch einmal sechs, so dass etliche Tiere ausgewildert oder an andere Projekte zur Unterstützung vermittelt werden konnten.

Seit Dezember hat Schöttelndreier einen weiteren Dauergast: Ein herrenloses Kaninchen, „Hoppel“ getauft, ist ungefragt unter ein 1000-Liter-Wasserfass gezogen und wird von Schöttelndreier tagtäglich mit Leckereien versorgt.