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Duderstadt Getöteter Hund ist Sachbeschädigung
Die Region Duderstadt Getöteter Hund ist Sachbeschädigung
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10:09 24.02.2017
Von Claudia Nachtwey
Rechtlich werden Hunde als unberechenbare Gefahrenquelle eingestuft. Quelle: DPA Montage: ms
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Duderstadt

„Wird durch ein Tier ein Mensch ... verletzt oder eine Sache beschädigt, so ist derjenige, welcher das Tier hält, verpflichtet, dem Verletzten den daraus entstehenden Schaden zu ersetzen“, heißt es im BGB § 833. „Nach deutschem Recht ist auch ein Hund eine Sache, also ist ein getöteter Hund kein Straftatbestand, sondern Sachbeschädigung“, erklärt Sabine Holste-Hoffmann vom Duderstädter Ordnungsamt. „Für uns war Benny aber keine Sache, sondern ein Familienmitglied“, sagt Bianca Brozio.

Ihr Mann Wulfhard war mit Benny auf dem Pferdeberg unterwegs, als sich einer der drei angeleinten großen Hunde auf den kleinen, ebenfalls angeleinten Malteser stürzte. Die Besitzer haben auch die beiden anderen Hunde dann nicht mehr unter Kontrolle bekommen, erklärte Wulfhard Brozio, und Benny sei später beim Tierarzt nach zahlreichen Bisswunden und einer Notoperation nicht mehr aufgewacht.

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Bei Hundehaltern sieht das BGB (§ 833) eine Gefährdenhaftung vor. Das heißt: der Hund wird als unberechenbare Gefahrenquelle eingestuft mit der Begründung, es handele sich beim Tier „nicht um ein von der Vernunft gesteuertes Geschöpf“. Durch die Willkür des Hundes entstandene Schäden fallen unter das Zivilrecht, der Halter muss dafür aufkommen. Strafrechtliche Konsequenzen hat es dann, wenn ein Hund absichtlich vom Halter auf einen anderen Hund oder Menschen gehetzt wird.

Die Polizei sei ebenfalls verständigt worden, aber die Beamten erklärten, dass Hundebeißereien unter das Zivilrecht fielen und daher das Ordnungsamt, und als übergestellte Behörde das Veterinäramt, zuständig seien.Kernsatz: Was von der Tierhalterhaftpflichtversicherung übernommen wird, hängt von der Auslegung der Versicherer ab.

Zwar ist in Niedersachsen seit 2012 die Tierhalterhaftpflicht für Hundehalter vorgeschrieben, aber was wer bezahlt, sei vor allem von der Auslegung der Versicherer abhängig, erklärt Adolf Knöchelmann, Versicherungsmakler aus Krebeck. Er empfiehlt Hundehaltern, sich bei ihrer Versicherung gründlich beraten zu lassen.

Zivilrechtliche Konsequenzen hingen ebenfalls von diversen Faktoren ab, „grundsätzlich gilt aber, dass Tiere so zu halten sind, dass niemand gefährdet werde“, sagt Holste-Hoffmann. Hundetrainer Mario Abram meint dazu: „Es kann bei allen Hunden vorkommen, dass sie plötzlich einen Jagdtrieb ausleben. Ein Hundehalter sollte bestenfalls jederzeit in der Lage sein, den Hund zu führen und zu kontrollieren.“ Die Mitarbeiter des Veterinäramtes dürfen nach der Prüfung solcher Fälle darüber entscheiden, ob der Besuch einer Hundeschule verordnet werden soll.