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Duderstadt Gieboldehäuser Bürger zahlen Türkensteuer
Die Region Duderstadt Gieboldehäuser Bürger zahlen Türkensteuer
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18:20 09.07.2009
Studiert alte Steuerlisten aus dem Hauptstaatsarchiv: Ortsheimatpfleger Gerhard Rexhausen. Quelle: Tietzek
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Der Vormarsch der Türken schien Anfang des 16. Jahrhunderts unaufhaltsam. Die Muslime eroberten unter ihrem Sultan Süleyman dem Prächtigen 1521 die damals ungarische Grenzfestung Belgrad. 1526 zerschlugen sie das ungarische Königreich. 1529 standen sie vor Wien. Alarmiert beschloss der Wormser Reichstag 1521, im Heiligen römischen Reich deutscher Nation die Türkensteuer „zur Rettung Gottes ewigen und allein seligmachenden Wortes – auch des Vaterlandes“ einzuführen.

Kaiser Karl V. nutzte das Geld, um ein Heer von 20000 Landsknechten und 4000 Reitern aufzustellen. 200 Jahre lang hielt die Bedrohung durch die Türken an. Das Problem: Das christliche Abendland konnte sich nicht zu einem geschlossenen Auftreten durchringen. Der französische König wollte sich dem Habsburger-Kaiser nicht unterordnen. Die Reformation, die 1517 begann, führte zudem zur konfessionellen Spaltung des Kontinents.

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1664 eskalierte der Konflikt mit den Muslimen. 1683 standen Truppen des Sultans erneut vor Wien. Dann gelang es Europa aber in den Schlachten von 1697, 1716 und 1717, die fremde Macht zurückzuschlagen.

In den folgenden zwei Jahrhunderten wurden die Türken fast vollständig vom Balkan verdrängt. Nur die Provinz Trakien blieb bis heute in türkischer Hand.

„Wir haben uns drei Türkensteuerlisten aus dem Hauptstaatsarchiv in Magdeburg besorgt“, berichtet Ortsheimatpfleger Rexhausen. Die Listen, die aus den Jahren 1542, 1545 und 1551 stammen, bieten wichtige Informationen über die Einwohnerzahl und die Besitzverhältnisse in Gieboldehausen. Verfasst sind sie in einer Schreibschrift, die für den Laien kaum zu entziffern ist. Gemäß der Aufstellung von 1542 gab es im Ort etwa 150 Häuser. „Setzt man für jedes Haus fünf Bewohner an, ergibt sich eine Einwohnerzahl von rund 750 Personen“, führt Rexhausen aus.

Viele Namen, die Gieboldehäusern noch heute vertraut sind, tauchen in der Liste auf, so Elderots, Gerhards, Grobecker, Helmolts, Jordan oder Nolthe. Erwähnung findet auch die Sebastiansbruderschaft, die sich zuvor nur bis ins Jahr 1605 zurückverfolgen ließ. Die Bruderschaft musste drei gute Groschen Steuer zahlen. „Wer Steuern zahlt, der existiert“, kommentiert Rexhausen.

Von Michael Caspar

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