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Duderstadt Realschüler aus Gieboldehausen treffen sich nach 50 Jahren
Die Region Duderstadt Realschüler aus Gieboldehausen treffen sich nach 50 Jahren
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08:28 20.10.2019
Nach 50 Jahren hat sich die Abschlussklasse 10c von 1969 der Realschule Gieboldehausen in Duderstadt getroffen.
Nach 50 Jahren hat sich die Abschlussklasse 10c von 1969 der Realschule Gieboldehausen in Duderstadt getroffen. Quelle: Rüdiger Franke
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Duderstadt

50 Jahre nach ihrem Schulabschluss haben sich am Sonnabend 19 ehemalige Schüler der Realschule Gieboldehausen in Duderstadt getroffen. Nach einem halben Jahrhundert hatten sie sich viel zu erzählen.

„Wir sind die Klasse 10c aus dem Abschlussjahr 1969“, erzählt Marie-Theres Rathswohl. Sie hatte gemeinsam mit Bernd Haupt und Lambert Wucherpfennig hat sie das Treffen organisiert. Es sei trotz Internet nicht einfach gewesen, alle Adressen zusammenzutragen. „Einen habe ich sogar über die Polizei suchen lassen“, sagt sie. Natürlich nicht wirklich. Sie habe gewusst, dass er bei der Polizei gearbeitet habe und habe in seiner ehemaligen Dienststelle darum gebeten, dass man ihm ausrichten möge, sich bei ihr zu melden. „Insgesamt waren wir 31 Schüler. 19 sind zum Treffen angereist.“ Sie kamen unter anderem aus Ingolstadt, Berlin, Goslar, Annaberg/Buchholz. Die weiteste Anreise betrug 539 Kilometer.

„Nur für uns“

Treffpunkt war im Vorgarten des Ursulinenklosters, denn zum Auftakt war eine Andacht in der Liebfrauenkirche geplant. „Ihr hört, zur Begrüßung läuten alle Glocken“, begrüßte Bernd Haupt seine ehemaligen Klassenkameraden. „Wir haben hier in Duderstadt zwölf Glocken. Die läuten samstags immer um 14 Uhr, aber heute natürlich nur für uns.“

„50 Jahre, ein halbes Jahrhundert, was ist da alles passiert“, sagte Rathswohl. „Wir waren die ersten, die mit 18 Jahren wählen durften und volljährig waren. Ich musste aber noch meine Eltern um Erlaubnis fragen, ob ich heiraten durfte.“ Sie nahm ihre ehemaligen Mitschüler mit auf eine kurze Zeitreise. Kurz nach dem Abschluss habe im Juli 1969 die Mondlandung stattgefunden. „1970 lösten sich unsere geliebten Beatles auf. Wir haben geweint, ich zumindest.“ 1974 sei Deutschland Weltmeister geworden. 1989 trafen sich die Schüler zum 20. Jahrestag. In dem Jahr sei dann auch die Mauer gefallen.

„Aber nicht abschreiben“

Rathswohl erinnerte auch an die Lehrer. „In guter Erinnerung ist Herr Graune geblieben“, sagte sie. „Wir hatten Mathe bei ihm.“ Bei Arbeiten habe er immer Zeitung gelesen. Er hatte aber auch ein Loch in der Zeitung, durch die er die Schüler beobachtete. Dann habe er immer „Aber nicht abschreiben“ gesagt. „Ich habe meinen Abschluss mit Ach und Krach geschafft“, erzählte Wolfgang Steinmetz aus Ahlten bei Hannover. Besonders habe es in den Fächern geknackt, in denen er später weitergemacht habe. So habe er in Physik in die Nachprüfung gemusst. „Heute bin ich Elektroingenieur. Ich habe gemerkt, dass das Lernen Spaß macht.“ Andere Mitschüler seien unter anderem Sparkassendirektor, Bankkaufmann, Erzieher, Polizeibeamter, Filialleiter, Kfz-Meister geworden, hatte Rathswohl recherchiert. Viele seien ehrenamtlich in der Kirche aktiv.

Nach 50 Jahren hat sich die Abschlussklasse 10c von 1969 der Realschule Gieboldehausen in Duderstadt getroffen. Quelle: Rüdiger Franke

1966 sind die Schüler in der siebenten Klasse noch in der alten Schule eingeschult worden. Damals habe es zwei Kurzschuljahre gegeben. „Wir sind mit dem Schienenbus von Duderstadt nach Gieboldehausen gefahren“, erzählte Rathswohl. Der Bus hielt bei der Polizei am Obertor. „Wir mussten zu Fuß den Berg hochlaufen, sogar mit der eigenen Schreibmaschine.“ Ein Paar habe sich auf der Abschlussfahrt lieben gelernt und geheiratet. Die Frau sei im vergangenen Jahr verstorben. Für die insgesamt vier verstorbenen Mitschüler wurden vier Kerzen angezündet.

Nach Kaffee und Kuchen im Ursulinenkloster startete am Rathaus eine Führung mit dem Nachwächter. Eine Überraschung für viele: Der Nachtwächter war ihr Mitschüler Bernd Haupt. Am Abend fuhren die ehemaligen Schüler in das Gasthaus zu den schönen Aussichten auf den Pferdeberg.

Rundgang mit dem Nachtwächter

Bei der Erlebnisführung „Laterne, Horn und Hellebarde“ gehen die Besucher mitNachtwächter Jakob Kannengießer auf seinem abendlichen Rundgang durch das mittelalterliche Duderstadt. Pünktlich mit dem Glockenschlag bläst der Nachtwächter in sein Horn und stimmt die passende Strophe des Nachtwächterliedes an. Dann macht er sich auf seine Runde durch die Stadt. Der Stadtrundgang mit dem Nachwächter wird an jedem dritten Sonnabend im Monat angeboten, von Oktober bis März um 18 Uhr, sonst ab 20 Uhr. Voranmeldung bis zum Veranstaltungstag um 16 Uhr in der Gästeinformation im Rathaus, Marktstraße 66, Telefon 05527/841200, E-Mail: info@duderstadt.de. Treffpunkt ist am Rathaus. Die Führung dauert etwa 90 Minuten. Gruppen bis 20 Personen können sich bei Bernd Haupt unter Telefon 05527/8964 beziehungsweise 0176/81766155 sowie per Mail an bernd-haupt@outlook.de anmelden.

Von Rüdiger Franke

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