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Duderstadt Glaube sorgt für Gesprächsstoff
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00:20 25.11.2017
Professor Gerhard Wegner spricht beim Ökumenischen Dialog in Duderstadt.
Professor Gerhard Wegner spricht beim Ökumenischen Dialog in Duderstadt. Quelle: Art
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Duderstadt

Mütter haben den größten Einfluss auf die religiöse und kirchliche Einstellung der nachwachsenden Generation. Dieses Ergebnis einer Befragung unter Kirchenmitgliedern nannte Professor Gerhard Wegner, Direktor des sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland, während des Ökumenischen Dialogs in Duderstadt.

An zweiter Stelle folgten die Väter vor den Großeltern. Diese Rangliste mache deutlich, wie wichtig das Gefüge der Familie für die Frage sei, ob der Glaube weitergegeben werde. Die Familien, in denen dies geschehe, seien in aller Regel mit der Kirche verbunden. Der Vergleich mit früheren Befragungen zeige, dass der Einfluss der Mütter sinke.

Weniger persönliche Kontakte zu Pfarrern

Entscheidend für die Weitergabe des Glaubens sei, wie es gelinge, die Alltagserfahrungen der nachwachsenden Generation mit dem Glauben zu verbinden, sagte der Referent, der auch auf die Bedeutung der Geistlichen zu sprechen kam. Auffallend sei, dass die Zahl der evangelischen Kirchenmitglieder, die persönlichen Kontakt zu einem Pfarrer hätten, sinke. Dies bezeichnete Wegner als „beunruhigenden Faktor“, weil dies ein Indikator für die Bindung der Menschen an Kirche und Religion sei. Die Entwicklung hänge unter anderem mit der größeren Zahl der Gemeinden zusammen, für die ein Pfarrer zuständig sei.

Zu Gesprächen über Religion komme es ganz überwiegend im privaten und im kirchlichen Bereich, aber kaum noch in anderen Lebensbereichen. Diese Erkenntnis sei „ernüchternd“, betonte Wegner. Die Frage nach dem Sinn des Lebens beschäftige immer weniger Menschen, benannte er in der Kundenhalle der Sparkasse Duderstadt eine weitere Tendenz.

56 Prozent der evangelischen Kirchenmitglieder redeten nie über Religion, vor 40 Jahren seien es noch 29 Prozent gewesen, berichtete der Gast über andere Zahlen aus der jüngsten Befragung. 44 Prozent tauschten sich nur selten, lediglich sieben Prozent intensiv über Religion aus. Wenn Menschen aus der Kirche austreten würden, dann in aller Regel nicht aus einem konkreten Anlass, sondern oft aus Gleichgültigkeit.

Interesse an Weitergabe des Glaubens sinkt

Wegners Fazit lautete, dass die Volkskirchen und deren Strukturen „insgesamt gesehen funktionieren“ und der Glaube auf vielen Wegen weitergegeben werde, aber das Interesse der Kirchenmitglieder an dessen Weitergabe geringer geworden sei. Die Analyse von Wegner treffe auch auf die Katholische Kirche zu, sagte Propst Bernd Galluschke, der die Bedeutung der Eltern für die Glaubensweitergabe betonte.

Wichtig seien Menschen, die „vom Inneren her“ religiöse Erlebnisse weitergeben, nahm Volkmar Keil Bezug auf den Vortrag von Wegner. „Ohne Begeisterte geht es nicht“, äußerte der Superintendent während des von Sigrid Jacobi, Vorstandsmitglied der Evangelischen Erwachsenenbildung Südniedersachsen und Daniela Breckerbohm, Vorsitzende des Katholischen Bildungswerks Untereichsfeld, moderierten Dialogs.

Von Axel Artmann