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Duderstadt Glocke läutet im „Herzschlag des Eichsfeldes“
Die Region Duderstadt Glocke läutet im „Herzschlag des Eichsfeldes“
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20:32 04.07.2011
Erinnert an Wallfahrtstag vor 58 Jahren: Die große Glocke trägt die Inschrift „Christus Rex“ und hat den Schlagton ges’.
Erinnert an Wallfahrtstag vor 58 Jahren: Die große Glocke trägt die Inschrift „Christus Rex“ und hat den Schlagton ges’. Quelle: Thiele
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Am ersten Sonntag im Juli ist die Wallfahrtskirche Mariä Verkündigung in Germers­hausen das Ziel Tausender Gläubiger im Eichsfeld: bei der Wallfahrt Maria in der Wiese. Diese Wallfahrt ist die älteste (spätestens seit 1678) und größte im Bistum Hildesheim. Dabei wird ein Gnadenbild gezeigt, eine 72 Zentimeter hohe Muttergottesstatue aus Holz, die in der Zeit zwischen 1400 und 1450 entstanden ist. Die bei der Prozession mitgeführte Statue ist das Original, in der Kirche ist dagegen aus Sicherheitsgründen eine Kopie – mit kleinerer Krone – aufgestellt.

Der heutige Kirchenbau wurde 1887 begonnen, Weihe der neuromanischen Kirche war am 27. Juni 1889. Entworfen hatte sie Maurermeister Algermissen aus Moritzberg, heute ein Stadtteil von Hildesheim. Algermissen hat darüber hinaus die Kirchen von Langenhagen, Fuhrbach und Seulingen gebaut. Das Innere der Kirche, ursprünglich in neugotischem Stil, ist nach mehreren Umbauten heute schlicht gestaltet.

Zwei Glocken hängen im Turm gleich hinter der Uhr, eine große, die genau 58 Jahre alt ist, und eine etwas kleinere. Mit einiger Mühe lassen sich die Inschriften entziffern. Die kleinere Glocke ist lateinisch datiert: anno dni m ccccc xiii, also im Jahre des Herrn 1513. Dies ist der Überlieferung nach die Glocke der ersten Kapelle, in der die Muttergottes-Statue aufgestellt wurde. Die Glocke ist 85 Zentimeter hoch und hat einen Durchmesser von 98 Zentimetern, ihr Schlagton ist as’. Die Inschrift verrät, dass es sich um eine Marienglocke handelt: „ave maria gracia plena hilf inot Maria berot“. Die Wendung „Maria berot“ (Maria berate) findet sich schon auf Glocken des 13. Jahrhunderts, sie steht unter anderem auch auf der Glocke von St. Johannis in Hilkerode. Auch im Germershäuser Wallfahrtslied heißt es in der gleichbleibenden Schlusszeile der sieben Strophen: „Du Mutter der Gnad’, gib Trost uns und Rat!“ Sowohl die Hilkeröder als auch die Germershäuser Glocke wurden von Andreas Botger gegossen, einem Glockengießer aus Rassow, wie es in dem kleinen Führer „Germershausen. Wallfahrt und Kloster“ heißt, der in der Kirche ausliegt.

Die zweite Glocke trägt die Inschrift „Christus Rex“ und „St. Josef“, ist bei einem Durchmesser von etwa 1,18 Metern 1,10 Meter hoch und hat den Schlagton ges’. Sie ist am 5. Juli 1953 datiert, dem Wallfahrtstag 1953. Das war eine sehr bewegte Zeit. Den Aufstand in der DDR am 17. Juni hatten die Sowjets zweieinhalb Wochen zuvor niedergeschlagen, kurz davor, am 2. Juni, war die Krönung von Queen Elizabeth II. in London, und im Himalaja bezwangen Edmund Hillary den Mount Everest (29. Mai) und Hermann Buhl den Nanga Parbat (3. Juli).

In Germershausen aber dürften am 5. Juli 1953 die Wallfahrt und die neue Glocke die wichtigsten Ereignisse gewesen sein. Denn Germershausen ist ja, wie Pfarrer Schönemann (seit 1872 Pfarrer der Gemeinde) in einem Brief an seinen Bischof geschrieben hatte, „der Herzschlag des Eichsfeldes“.

Von Michael Schäfer