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Duderstadt Grausamer Kitz-Tod unter dem Mähdrescher
Die Region Duderstadt Grausamer Kitz-Tod unter dem Mähdrescher
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19:10 12.07.2011
Von Kuno Mahnkopf
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„Gebetsmühlenartig werden die Landwirte Jahr für Jahr aufgefordert, die Mähtermine für Heu- und Silageflächen rechtzeitig zu melden, um die Flächen absuchen zu können“, sagt der Duderstädter Mediziner und Jäger Wolfgang Hahm: „Umso erstaunlicher ist es, dass in den wenigsten Fällen eine Verständigung über die Mähtermine erfolgt.“ Die Maschinen seien immer größer und schneller geworden, die Tiere hätten keine Chance mehr, auch Muttertiere würden mitgeschreddert. Im Siebig sei der Rehwild-Bestand bereits zurückgegangen. Hahm verweist nicht nur auf den Tierschutz, sondern auch auf eigene Interessen der Landwirte. Falls Kadaver in die Silage gelangen und dort mitvergoren würden, komme es zur Entwicklung des für Milchvieh tödlichen Botulismustoxins. Hahm appelliert an die Landwirte, in jedem Fall und ganz besonders bei Weidewirtschaft den jeweiligen Jagdpächter zu informieren.

Dem Appell schließt sich Hans-Georg Kracht als Vorsitzender der Jägerschaft Duderstadt an, will die mangelnde Koordination aber nicht verallgemeinern und betont die gute Zusammenarbeit mit dem Landvolk. So sei vereinbart worden, dass Wiesen und Felder von innen nach außen gemäht werden sollten und der Jagdpächter rechtzeitig zu informieren sei, um das Wild am Vortag des Mähens vergrämen – wie verscheuchen in der Jägersprache heißt – oder die Flächen absuchen zu können. Problematisch sei es, dass zunehmend Mäharbeiten an Subunternehmer vergeben würden, die nach eigenem Zeitplan handelten, räumt Kracht ein.

Hahm verweist auch auf einen zivilrechtlichen Aspekt. Es habe bereits erste Schadensersatzurteile gegeben, weil Landwirte das Jagdrecht auf ihren Flächen verpachten und dann durch ihr Verhalten den Wert des Pachtgegenstandes verringern würden.