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Duderstadt Große Gefahren durch das „himmlische Kind“
Die Region Duderstadt Große Gefahren durch das „himmlische Kind“
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20:11 12.11.2010
Im Wind: Das Sturmtief Carmen lässt die Fahnen im Eichsfeld wehen und gibt einen Vorgeschmack auf weitere Herbststürme.
Im Wind: Das Sturmtief Carmen lässt die Fahnen im Eichsfeld wehen und gibt einen Vorgeschmack auf weitere Herbststürme. Quelle: Blank
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„Wind entsteht, wenn Luftmassen aus einem Hochdruckgebiet in ein Tiefdruckgebiet fließen“, erklärt Jörg Müller aus Gerblingerode, dessen Wetterstation täglich Daten an den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) übermittelt. „Von Westen her strömt Luft ein, deshalb haben wir starken Wind. Er erklärt sich durch die Unterschiede im Luftdruck zwischen den Luftmassen.“ Die Gefahr von immer stärkeren Winden, Stürmen und Orkanen nehme zu. „Selbst Tornados, sind in Deutschland nicht mehr auszuschließen. Es wurden schon einige gesichtet“, so Müller.

Diesen Trend bestätigt Heinrich Marx: „Zwar ist bisher keiner an den Jahrhundertsturm im Juni 1997 herangekommen, aber die Stürme haben sich vermehrt“, sagt der Chef der Feuerwehr im östlichen Landkreis. Gefahren für Fußgänger sieht Marx unter anderem in Städten. „Es ist nie auszuschließen, dass der eine oder andere Ziegel vom Dach geweht wird.“ Auf Spaziergänge im Wald rät Marx dieser Tage zu verzichten, ebenso wie die Niedersächsischen Landesforsten, die ein Drittel des Waldes in Niedersachsen bewirtschaften. Es bestehe Gefahr, da Äste herunterfallen oder Bäume entwurzelt werden könnten. Der Waldspaziergang sollte nicht gleich nachgeholt werden, da umgestürzte Bäume erst beseitigt werden müssten.

„Wind und Lkw, diese Kombination ist immer gefährlich“, warnt Alexander Steinmetz, Leiter der Tüv-Station Duderstadt. „Wenn ein Auto aus oder in den Windschatten kommt, kann der Sog das Auto zum Lkw hin oder von diesem weg ziehen.“ Beim Überholen sollte daher ein größerer Abstand eingehalten werden, ebenso wie beim Hinterherfahren: „Lkw können durch starken Wind schneller ins Schleudern geraten. Sie bieten eben eine große Angriffsfläche.“ Die Gefahr des Windschattens müsse auch bei Waldstücken beachtet werden, Windschneisen bei Brücken.

Nebenbei: In geraden Jahren tragen Hochdruckgebiete männliche Vornamen, Tiefdruckgebiete weibliche. In ungeraden Jahren ist es genau andersrum. Die Namen werden vom Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin vergeben. Jeder Bürger hat die Möglichkeit, dort ein sogenannter Wetterpate zu werden, kann sich also den Namen eines Hoch- beziehungsweise Tiefdruckgebietes kaufen.

Windbezeichnungen und Auswirkung

• Windstille (unter 1 Kilometer pro Stunde) – Rauch steigt gerade empor.

• Leichter Zug (1 bis 5) – Windrichtung ist nur durch Rauch erkennbar.

• Leichte Brise (6 bis 11) – Wind ist im Gesicht spürbar.

• Schwache Brise (12 bis 19) – Dünne Zweige und Blätter bewegen sich.

• Mäßige Brise (20 bis 28) – Zweige und dünne Äste bewegen sich und Staub erhebt sich.

• Frische Brise (29 bis 38) – Kleine Bäume schwanken.

• Starker Wind (39 bis 49) – Pfeifton an Drahtleitungen.

• Steifer Wind (50 bis 61) – Spürbare Hemmung beim Gehen.

• Stürmischer Wind (62 bis 74) – Zweige brechen von den Bäumen und das Gehen wird erheblich schwerer.

• Sturm (75 bis 88) – Kleinere Schäden an Häusern und Dächern.

• Schwerer Sturm (89 bis 102) – Bäume werden entwurzelt, bedeutende Schäden.

• Orkanartiger Sturm (103 bis 117) – Schwere Schäden.

• Orkan (über 117) – Katastrophale Schäden.

Von Kristin Kunze