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Duderstadt Grünes Band weckt Hoffnungen und Ängste
Die Region Duderstadt Grünes Band weckt Hoffnungen und Ängste
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19:27 22.03.2012
Von Kuno Mahnkopf
Landwirtschaft, Jagd, Geschichte und Artenschutz: Der ehemalige Grenzstreifen steht im Blickpunkt verschiedener Interessen.
Landwirtschaft, Jagd, Geschichte und Artenschutz: Der ehemalige Grenzstreifen steht im Blickpunkt verschiedener Interessen. Quelle: Blank
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Eichsfeld

Waldbesitzer aus Thüringen haben bereits schweres Geschütz aufgefahren, lehnen die Unterschutzstellung von Treuhandwäldern ab, sprechen von Enteignung und einer neuen „grünen Grenze“. Auch bei den Landwirten ist die Skepsis groß. Mit Arbeitskreisen und Informationsveranstaltungen versucht die Sielmann-Stiftung als Projektträger, Verständnis zu wecken, mit Betroffenen ins Gespräch zu kommen und dem Negativ-Image des Naturschutzes in Grundeigentümerkreisen gegenzusteuern. Dazu werden auch die ehrenamtlichen Bürgermeister und Ortsvorsteher aus der Projektregion mit ins Boot geholt, von denen einige der Realisierung von Heinz Sielmanns Vision, den Todesstreifen in ein Band des Lebens umzuwandeln, bei aller Zustimmung mit gemischten Gefühlen entgegensehen.

Unterschiedliche Bewertungen

Rund ein Drittel der betroffenen Bürgermeister aus drei Bundesländern sind der Einladung zu Informationsveranstaltungen in Diedorf, Tettenborn, Weißenborn und Groß Schneen gefolgt, besonders mager war die Resonanz im Untereichsfeld. Fuhrbachs Ortsbürgermeisterin Beate Sommerfeld (CDU) war in Weißenborn dabei und teilt die Meinung der meisten Amtskollegen aus dem Altkreis: Grundsätzlich begrüßt sie das Projekt, meint aber, die Landwirtschaft sollte nicht zu sehr beschnitten werden. „Das Grüne Band wird regional sehr unterschiedlich bewertet“, sagt Sommerfeld. Mit dem von der Stiftung ausgegebenen Freiwilligkeitsprinzip könne man leben – wenn es so durchgeführt werde.

Lothar Koch (CDU), Ortsbürgermeister von Brochthausen und Langenhagen, ist froh, dass mit dem Grünen Band ein „Alleinstellungsmerkmal für die Region“ entsteht. Die Sorgen der Landwirte seien aber ernst zu nehmen, mit Fingerspitzengefühl und Augenmaß Kompromisse zu finden. „Einvernehmen ist ganz wichtig“, sagt Koch: „Unsere Landwirte sind die besten Naturschützer.“

Keine Einbahnstraße

„Und wenn nicht, helfen wir ihnen dabei – wenn sie es wollen“, knüpft Projektleiter Holger Keil von der Sielmann-Stiftung an das Statement des CDU-Politikers an: „Wir können niemanden zum Verkauf zwingen. Und es ist nicht unsere Intention, ertragreiche Ackerflächen aufzukaufen.“
Vor allem gehe es um entwicklungsfähiges Grünland, um zusammenhängende Areale zum Beispiel für die Schafbeweidung. „Dabei brauchen wir die Landwirte als Partner, unsere künftigen Planungen sind keine Einbahnstraße“, sagt Keil und wehrt sich gegen Enteignungs- und Restriktionsvorwürfe. Transparenz, Akzeptanz und freiwillige Vereinbarungen stünden obenan – inklusive der Möglichkeit von Ausgleichszahlungen. In dem rund 18 500 Hektar großen Projektgebiet, zu dem auch im Untereichsfeld kleinere Potenzialflächen wie Wiesentäler und Bachauen gehörten, seien ansonsten lediglich rund 400 Hektar Flächenkauf kalkuliert.

Die Hälfte der Gesamtfläche solle unter Naturschutz gestellt werden oder stehe bereits unter Schutz, verdeutlicht der Göttinger Kreislandvolkgeschäftsführer Achim Hübner die Dimension des Projektes und bestätigt, dass viele Land- und Forstwirte mehr als skeptisch seien. Weiten Teilen der Bevölkerung sei gar nicht bewusst, dass es nicht nur unmittelbar um den ehemaligen Grenzstreifen gehe. Seit 2009 führt Hübner Gespräche mit der Stiftung, die ehrlich, transparent und offen mit dem Thema umgehe. Die Folgen seien aber noch nicht absehbar. „Wir haben immer wieder die Erfahrung gemacht, dass es hinterher dann doch dicke kommt“, verweist Hübner auf die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und den Vogelschutz als Handicap für Windenergieanlagen.

Lobbyismus

Horst Dornieden (CDU), Vorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft Lindenberg-Eichsfeld, warnt hingegen vor Lobbyismus und einem Zerreden des nicht einfach umzusetzenden Projektes. Vorerst gebe es allenfalls Vorschläge, den Naturschutz zu verbessern, unter Einbezug von Fachbehörden seien Kompromisse nötig.

Auch in Gerblingerode gebe es Kritik, da einige landwirtschaftliche Flächen nicht mehr genutzt werden könnten, sagt Ortsbürgermeister Dieter Thriene (CDU). Die Landwirtschaft könne aber auch ohne diese wenigen zusätzlichen Flächen klarkommen. Ein naturbelassener Grenzstreifen sei ein Standortvorteil für angrenzende Orte, Wanderwege direkt vor der Haustür dienten Einheimischen und Touristen. Das Grüne Band sei positiv für Flora und Fauna, biete gerade im Pferdeberg-Bereich neue Anreize für Naherholung, die auch zu vermarkten seien, meint Tiftlingerodes Ortsbürgermeister Gerd Goebel (CDU). Er bezweifelt allerdings, dass der Fremdenverkehr tatsächlich davon profitiert und beim Tourismus ein Durchbruch gelingt.

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