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Duderstadt Haftstrafe für Attacke auf Streitschlichter
Die Region Duderstadt Haftstrafe für Attacke auf Streitschlichter
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19:24 10.11.2011
Von Kuno Mahnkopf
Urteil: Wegen massiver Gewalt (l., Szene nachgestellt) schickt das Amtsgericht Duderstadt einen 24-Jährigen hinter Gitter. Quelle: Thiele/Rink
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Duderstadt

Der ebenfalls aus Duderstadt stammende Angeklagte hatte sonnabends gegen 21 Uhr an der Ecke Bahnhofstraße/Sachsenring seine 18-jährige Freundin lautstark beschimpft. Als er handgreiflich wurde und die 18-Jährige um Hilfe schrie, wollten der 50-jährige Duderstädter und seine 46-jährige Ehefrau einschreiten. Der damals 23-Jährige prügelte sofort auf den bei der Firma Otto Bock beschäftigten Akademiker ein. Nachdem er ihn zu Boden geschlagen hatte, brach er ihm durch Tritte das Schienen- und Wadenbein und kugelte seine Schulter aus.

Auch die Ehefrau wurde angegriffen: Sie erlitt unter anderem Schädelprellungen durch mindestens einen Schlag gegen den Kopf. Tritte gegen die Frau konnten dem Angeklagten nicht nachgewiesen werden. Während sich der Täter mit seiner zuvor attackierten Begleiterin gemeinsam aus dem Staub machte, musste der schwer verletzte Streitschlichter einer Notoperation unterzogen werden. Ein Mobiltelefon, um die Polizei anzurufen, hatte das Ehepaar an diesem Abend nicht dabei. Der 23-Jährige konnte noch auf dem Weg in den Innenstadt gefasst werden, weil ein Zeuge einen Streifenwagen gestoppt hatte.

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Die Attacke auf den 50-Jährigen und seine Ehefrau hatte in Duderstadt für Aufsehen und jetzt für einen Gerichtssaal voller Zuschauer gesorgt. In der Diskussion wurden auch Parallelen zu dem Fall des Managers Dominik Brunner gezogen, der 2009 in München beim Versuch, Schüler zu schützen, von zwei Jugendlichen erschlagen wurde. Duderstadts Polizeichef Otto Moneke sprach von einem klassischen Fall von Zivilcourage, Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) beim Festakt der IPA (International Police Association) im Rathaus von einem „Mutbürger“, verbunden mit der Hoffnung, dass „auch in Zukunft Menschen diesen Weg gehen und der Täter schnell der gerechten Strafe zugeführt wird“.

Letzteres ist jetzt geschehen. Das Gericht ging dabei über die Anträge von Staatsanwaltschaft und Verteidigung hinaus, die lediglich eine Bewährungsstrafe beantragt hatten – die Verteidigung ein Jahr, die Staatsanwaltschaft ein Jahr und sieben Monate auf Bewährung. Bis kommende Woche kann die Verteidigung Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen. Wegen der Brutalität der Attacke und der Gesamtsituation mit Berücksichtigung der Zivilcourage des Opfers habe er zur Verteidigung der Rechtsordnung von Bewährung abgesehen, sagt Richter Michael Pietzek. Angeklagt war der 24-Jährige, der die Tat einräumte, wegen zweifacher vorsätzlicher Körperverletzung. Da kein gefährliches Werkzeug oder eine Waffe eingesetzt wurde, sei trotz der brachialen Gewalt des Angriffs der Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung nicht erfüllt gewesen, erläutert Pietzek.

In der Vergangenheit war der Angeklagte unter anderem bereits wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Dem im Mai verletzten Ehepaar, das noch lange an den physischen und psychischen Folgen der Gewalttat leiden wird – der Mann muss noch einmal operiert werden – soll der Täter 6000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Während das Verfahren wegen Körperverletzung an seiner 18-jährigen Freundin eingestellt wurde, muss sie sich in einem separaten Verfahren wegen unterlassener Hilfeleistung verantworten.