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Duderstadt Heinrich Popow zu Gast an der Grundschule Gerblingerode
Die Region Duderstadt Heinrich Popow zu Gast an der Grundschule Gerblingerode
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17:00 21.11.2019
Heinrich Popow lässt sich von zwei Schülern die Prothese abschrauben. Quelle: Wölk
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Gerblingerode

Heinrich Popow ist einer der erfolgreichsten und bekanntesten Parasportler in Deutschland. Im Alter von neun Jahren musste dem heute 36-Jährigen der linke Unterschenkel amputiert werden. Die Amputation war die Folge einer Knochenkrebserkrankung.

Mit Schülern der dritten und vierten Klasse sprach der ehemalige Leichtathlet am Donnerstag über die Amputation und seinen Weg zum paralympischen Sport. „Ich war in der dritten Klasse, als ich Schmerzen im Unterschenkel bekam“, berichtete Popow den Kindern. Er selbst habe sich mit der Krankheit Krebs damals nicht beschäftigt, da er sie auch nicht verstanden habe. „Ich wollte damals einfach nur raus und mit meinen Freunden spielen“, erinnerte er sich. Nach der Amputation und der anschließenden Rehabilitation habe er den Sport für sich entdeckt, da dieser keine Unterschiede zwischen den Menschen mache: „Man gewinnt zusammen und man verliert zusammen.“

Fördern und Fordern notwendig

Weil er beim Fußball nicht immer nur im Tor spielen wollte, habe er angefangen zu trainieren. Wichtig sei, dass wenn man ein Ziel erreichen will, man dieses auch im Blick behalte, wenn es mal nicht so gut laufe. Die Unterstützung durch seine Eltern sei für ihn ein wichtiger Bestandteil gewesen, um die Behinderung akzeptieren zu können. Doch trotz aller Unterstützung und Fürsorge habe insbesondere sein Vater ihn auch immer gefordert. „Fördern und fordern sind notwendig. Nur das Schöne im Leben bringt euch nicht weiter“, wandte er sich an die Mädchen und Jungen. Dazu gehöre, auch, dass Menschen Situationen so annehmen müssten, wie sie sind, weil es dann einfacher werde sie zu überstehen.

Gemeinsam mit Sven Zarling, Orthopädie-Technik-Meister bei Ottobock und Oberschenkel amputiert, erklärte Popow den Grundschülern verschiedene Prothesen. Hierbei erfuhren die Schüler auch, dass Popow verschiedene Prothesen besitzt, an denen er verschiedene Dinge ausprobiere. Generell seien nur zwei Prothesen notwendig, eine für den Alltag, und eine für den Sport. Er zeigte den Kindern auch, wie man einen Prothesenfuß ab-und anschrauben kann. Dies war für die Mädchen und Jungen ein spannendes Erlebnis.

Heinrich Popow

Heinrich Popow kam im Altern von sieben Jahren mit seinen Eltern aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland. Mit 17 Jahren begann er beim TSV Bayer 04 Leverkusen mit dem Leistungssport. Seine Paradedisziplinen waren der 100 Meter Sprint und der Weitsprung. Im Sprint ist er mit 12,11 Sekunden der aktuelle Weltrekordhalter. Seinen Weltrekord von 6,77 Metern im Weitsprung überbot im Juli Leon Schäfer um 13 Zentimeter. Bei Paralympischen Spielen gewann Popow außer seinen beiden Goldmedaillen auch mehrere Silber-und Bronzemedaillen. Im Jahr 2018 beendete Popow seine aktive Karriere. Seit dem ist er unter anderem als Trainer von paralympischen Sportlern aktiv.

Verschiedene Sportarten getestet

Die Amputation als solche sei für ihn zwar ein negatives Erlebnis gewesen, doch später habe er durch den Sport zahlreiche positive Erlebnisse. „Doch das gilt nur für mich, welche Folgen eine Amputation für den Betroffenen hat, kann man nicht verallgemeinern“, sagte Popow. Bis er nach seiner Amputation mit der Leichtathletik begann, dauerte es acht Jahre. Bis dahin probierte er nach eigenen Angaben verschiedene Sportarten aus.

Doch trotz der erfolgreichen Sportkarriere sei die Teilnahme an der Fernsehsendung Let’s Dance für ihn eine neue Herausforderung gewesen. „Meine Tanzpartnerin und ich haben viel trainiert und es war sehr anstrengend“, sagte er. Insbesondere habe er sich daran gewöhnen müssen, dass er anders als beim Gehen nicht immer nach unten gucken konnte, ob dort etwas im Weg liegt. In einer Fragerunde beantworte der ehemalige Leistungssportler den Grundschülern geduldig alle Fragen rund um die Amputation und seine anschließende Karriere. Außerdem zeigte er ihnen seine beiden Goldmedaillen von den Paralympischen Spielen 2012 und 2016 und diskutierte mit den Schülern, anhand eines Videos über die Einteilung der Behindertensportler in die verschiedenen Startgruppen bei den Wettkämpfen.

Den Mädchen und Jungen, die im Anschluss an das Gespräch mit Popow das Laufabzeichen ablegten, gab er mit auf den Weg aufeinander zu achten, und sich gegenseitig zu unterstützen. „Ich wünsche mir, dass der schnellste Läufer von euch, den Schwächsten motiviert das Ziel zu erreichen“, sagte Popow zum Abschluss.

Von Vera Wölk

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