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Duderstadt Historischen Graben freigelegt
Die Region Duderstadt Historischen Graben freigelegt
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14:41 24.11.2017
Auf einem Grundstück an der Christian-Blank-Straße ist ein alter Graben freigelegt worden. Quelle: Foto: Bänsch
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Duderstadt

„Es ist vermutlich ein Verteidigungsgraben gewesen ist“, meinte Olaf Oliefka, Grabungstechniker der Firma Streichardt und Wedekind Archäologie aus Göttingen, der von Grabungsassistent Patrick Kümpfel und Mitinhaber Frank Wedekind unterstützt wurde. Grund für die Arbeiten: Nachdem die Investoren Volkmar und Doris Sommerfeld Grundstücke an der Christian-Blank-Straße erworben haben, wollen sie nach der Sanierung der Gebäude mit den Hausnummern vier, sechs und acht nun im südlichen Teil dieses Areals noch 30 Wohnungen schaffen, insbesondere auf dem Gelände des ehemaligen Sportartikelgroßhandels Richard Mitschke, erläuterte Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) während eines Vor-Ort-Termins.

Fragen aus dem Emotionalen ins Rationale bringen

In die Überlegungen seien auch Fragen zur Baugeschichte der Stadt eingebunden. Um diese Fragen „aus dem Emotionalen rauszunehmen und ins Rationale zu bringen“, sei einvernehmlich festgelegt worden, dass Familie Sommerfeld Experten beauftragt, die im Bereich hinter dem Haus Nummer acht „einen Schnitt einbringen“.

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Aus den bei den Grabungen gewonnenen Erkenntnissen leite sich für das Bebauungsverfahren ab, was wann wo gebaut werden könne, erläuterte Nolte. Sommerfeld habe auf der Grundlage von Beschlüssen der städtischen Gremien auch den „vorhabenbezogenen Bebauungsplan“ beauftragt. Ein wesentlicher Punkt sei die Frage, wie weit eine Baugrenze nach Süden gesetzt werden könne, ohne die historische Substanz zu zerstören.

„Ich habe die Erdschichten so ausbaggern lassen, wie die Menschen den Graben anlegen ließen“, erläuterte Oliefka die Vorgehensweise bei den Grabungen. Die einzelnen Schichten unterschieden sich durch Farbe, Konsistenz und die darin enthaltenen Funde.

Grabensohle von massiven Balken eingerahmt

Nachdem die verfüllten Schichten weggebaggert waren, kam der ursprüngliche Graben zum Vorschein, berichtet der Fachmann. Die Grabensohle ist von zwei massiven Balken eingerahmt, „damit das Wasser besser fließen kann“, erklärte Oliefka.

Auf die Nutzung als Verteidigungsgraben deute das Ausmaß und der Zuschnitt des Grabens hin, der vermutlich aus einer Zeit vor dem 18. oder 17. Jahrhundert stamme. Diese Aussage sei durch das Alter der darüber liegenden Verfüllschicht möglich. Gefundene Scherben deuteten darauf hin, dass die Mauer im 17. oder 18. Jahrhundert abgerissen worden sei. Mit einer Dokumentation der angelegten Profile und dem Einmessen der Befunde setzten Oliefka und Wedekind die Arbeiten am Freitag fort.

Von Axel Artmann