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Duderstadt Höchste Auszeichnung nach einer tiefen Krise
Die Region Duderstadt Höchste Auszeichnung nach einer tiefen Krise
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19:51 02.09.2011
Von Ulrich Lottmann
Offener Blick, offene Worte: Hans Georg Näder ist nach einem Burn-out zurück in seinem Büro, heute wird er Ehrenbürger der Stadt. Quelle: AT
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Duderstadt

Zudem sei es eine große Ehre, dass der Ministerpräsident kommt. Niedersachsens Regierungschef David McAllister (CDU) wird heute bei der Verleihung im Rathaus erwartet. Und schließlich wird Näder in einer Lebensphase gewürdigt, der eine tiefe Krise voranging. Auch das lädt den heutigen Tag emotional auf, das wird im Gespräch schnell deutlich.

Bei der Frage nach seinem Befinden blickt Näder seinem Gegenüber direkt in die Augen. „Burn-out: Ich war sechs Monate außer Gefecht“, sagt er: „Ich will ganz offen damit umgehen.“ Damit beendet Näder monatelange Spekulationen und Besorgnis vieler Duderstädter über seine Gesundheit. „Das ist vorbei, ich bin vollkommen wieder hergestellt“, macht er klar.

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Dennoch, die vergangenen Monate haben Spuren hinterlassen. Nicht, dass Näder sich bremsen würde. Der Chef von 120 Firmen in 44 Ländern mit 5000 Beschäftigten ist immer noch 200 Tage im Jahr unterwegs. „Ich lebe ein Tempo, das nicht normal ist“, formuliert er. Aber er weiß, dass Grenzen überschritten werden, wenn weitere Belastungen hinzukommen: „Die Trennung von meiner zweiten Frau, der Tod meines Vaters, dem ich sehr eng verbunden war, hinzu kam der Betrugsfall“, listet Näder mit Blick auf das vergangene Jahr auf.

Wie sich das Überschreiten der Grenze äußert? „Ich konnte mich nicht mehr konzentrieren, konnte nicht mehr entscheiden, ich habe meinen Körper nicht mehr gefühlt, konnte nicht mehr schlafen, meine Kreativität war vollkommen weg.“ Das habe Angst gemacht, bekennt der Firmenchef. Wie tief die Krise war, zeigt sein Satz: „Burn-out – das ist ja nur das schicke Wort für tiefe Depression.“

Aber er habe Glück gehabt, sei von guten Freunden begleitet worden, Michael Käfer, Harry Wertz, Ursula Grunau. Seine Töchter hätten ihm beigestanden: „Für Kinder ist es ja schwierig, wenn der Papa nicht mehr richtig tickt“, formuliert Näder. Sein Beispiel könne anderen vielleicht Mut machen, begründet er seinen offenen Umgang mit dem Thema, denn: „Burn-out ist eine Volkskrankheit.“ Wer ihm heute begegne, müsse keine Rücksicht nehmen. Vielmehr freue er sich über den Zuspruch, den er erhalte, sagt der Firmenchef.

Die Ehrenbürgerwürde nimmt er stolz und selbstbewusst entgegen. Keiner seiner Vorgänger habe die Stadt so geprägt wie er. Und Näder hat noch mehr Pläne. Einen davon, das Projekt „Schutzräume für Kinder Duderstadt“, stellt er heute zusammen mit seinem Projektpartner Peter Maffay dem Niedersächsischen Ministerpräsidenten vor. Außerdem will Näder den Rockstar Maffay im kommenden Jahr wieder nach Duderstadt holen, für ein Benefiz-Konzert in der Innenstadt zugunsten des Schutzräume-Projekts. Geplant ist ein Termin Anfang Juli. Die Einzelheiten werden an diesem Wochenende besprochen.