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Duderstadt Hunderte bei Pferdewallfahrt auf dem Höherberg
Die Region Duderstadt Hunderte bei Pferdewallfahrt auf dem Höherberg
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19:08 29.09.2013
Hoch zu Ross: Die Fußpilger stehen Spalier auf dem Höherberg, während Pfarrer Kaminski Pferde und Reiter mit Weihwasser besprengt. Quelle: Lüder
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Höherberg

Mehrere Hundert Pilger hatten sich bei strahlendem Sonnenschein vor dem Freialtar versammelt. Die Reiter waren aus allen Richtungen über die abgeernteten Felder hinauf auf den Berg gekommen. Einige fuhren mit Kutschen vor, zum Teil sogar vierspännig.

Viele Reitervereine hatten sich auf den Weg gemacht. Dutzende Pferde wieherten und scharrten mit den Hufen. Aufgeregt bellten die Hunde, sprangen umher und zogen an der Leine. Während des Gottesdienstes sprachen die Wallfahrer das Segensgebet für die Vierbeiner. Sie dankten Gott für die Anhänglichkeit und Treue der Tiere und baten ihn, die Vierbeiner vor Krankheiten und Gefahren zu bewahren.

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Am Ende besprengte Pfarrer Kaminski, flankiert von Messdienern, jedes Tier einzeln mit Weihwasser. Die Kaltblüter ertrugen es stoisch. Mancher Warmblüter zuckte zurück.

Zur Pferdewallfahrt, mit der das Wallfahrtsjahr auf dem Höherberg endet, blies der Wind eiskalt über die Bergkuppe. ©Lüder

Die Kälte, die auf dem Berg herrschte, passte zum Thema der Predigt. Über soziale Kälte sprach Kaminski. In der Evangeliumslesung ging es um den armen Lazarus, der vor dem Haus eines Reichen lag. Nach dem Tod kam er ins Paradies und der Reiche in die Hölle. Mit dem ewigen Feuer täten sich die Christen heute schwer, erklärte der Pfarrer.

Das passe nur schwer zusammen mit dem Glauben an einen barmherzigen Gott. Die Kirche wünsche auch nicht, dass die Angst vor Strafe das Motiv der Buße sei. Katholiken sollten aus der Liebe zu Gott heraus handeln. „Warum überhören wir so oft die Notschreie der Armen?“, fragte der Geistliche.

Die meisten Menschen hätten eigene Sorgen, vermutete er. In Deutschland sei die Armut nicht so offensichtlich, das Elend in der Dritten Welt dagegen weit entfernt. Der Pfarrer ermutigte die Pilger, die Perspektive zu wechseln und zu überlegen, wo ihnen andere geholfen hätten.  Wer erfahren habe, wie gut das Gute tue, wolle selbst helfen und wisse auch wie. So lerne der Christ zu lieben.

Von Michael Caspar